Intelligente Netze
01.09.2017

Norddeutschland strebt mit Batterien nach Unabhängigkeit

Foto: Robert Bosch GmbH
In der Gemeinde Baderup steht einer der größten Hybridspeicher in Europa

Die 660 Einwohner von Braderup in Schleswig-Holstein können sich einen Tag lang per Batteriespeicher selbst versorgen. Unterdessen arbeitet der Versorger EWE in Oldenburg an der weltgrößten Batterie.

Wind und Sonne gibt es ausreichend in Braderup – und den Willen, sich ausschließlich mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Während windschwacher Nächte, wenn weder Windenergie noch Photovoltaik die Stromleitungen unter Spannung halten, sollen effiziente Stromspeicher die Versorgungslücke schließen.

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Wie Jan Martin Hansen, Geschäftsführer des örtlichen Bürgerwindparks erläutert, sind die Braderuper dem restlichen Deutschland weit voraus: „Sie testen hier bereits die Energieinfrastruktur der Zukunft in der Praxis.“ Ein Hybridspeicher aus Lithium-Ionen- und Vanadium-Redoxflow-Batterien soll mit vier Megawatt Kapazität etwa 400 Einfamilienhäuser einen Tag lang versorgen können. Während die Lithium-Ionen-Technologie eher kurzzeitige Schwankungen ausgleichen kann, dienen Vanadium-Redoxflow-Batterien einer langfristigeren Speicherung. Der Hybridspeicher laufe bislang wie geplant, berichtet Hansen. „In Nordfriesland lässt sich die regenerative Zukunft bereits jetzt real erleben.“

Die Anfänge des 2014 geplanten Hybridspeichers verliefen weniger reibungslos. So mussten während der Testphase ein Jahr später rund 250 Einzelbatterien ausgetauscht werden.
Während der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung in Deutschland bei etwa 30 Prozent liegt, können Sonne, Bioenergie und insbesondere Windenergie in Nordfriesland bereits eine regionale Vollversorgung leisten.

EWE arbeitet an größter Batterie der Welt

Auch andernorts im Nord wird fieberhaft an Batteriespeichern gearbeitet. So hat der Versorger EWE aus Oldenburg mitgeteilt, dass seine Tochter EWE Gasspeicher GmbH die größte Batterie der Welt baut. Dabei soll gleichfalls die Technik der Redox-Flow-Batterie zum Einsatz kommen, bei der elektrische Energie in einer Flüssigkeit gespeichert wird. Die Technologie soll mit neuen umweltverträglichen Komponenten in unterirdischen Salzkavernen angewendet werden, in denen bislang Erdgas gespeichert wurde. EWE Gasspeicher kooperiert bei dem Projekt mit dem Namen „brine4power“ mit der Friedrich Schiller Universität Jena, die die neuartigen Komponenten entwickelt hat. Dabei kommen Salzwasser und wiederverwertbare Polymere, beziehungsweise Kunststoffe zum Einsatz.

„Wir haben noch einige Tests durchzuführen und etliche Fragen zu klären, bis wir das aufgezeigte Speicherprinzip gemäß der Universität Jena in unterirdischen Kavernen anwenden können. Ich gehe aber davon aus, dass wir etwa Ende des Jahres 2023 eine Kavernenbatterie in Betrieb haben können“, sagt Ralf Riekenberg, der bei EWE Gasspeicher das Projekt brine4power leitet. Die EWE-Batterie soll ähnlich wie etwa ein Batteriekraftwerk der Wemag in Schwerin mit Netzstabilisierungsleistungen Geld verdienen.

Thomas Bauer
Keywords:
Norddeutschland | Batteriespeicher | Braderup | erneuerbare Energien | EWE
Ressorts:
Technology

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