Energiewende
25.05.2016

Ontario lockt grüne Investoren

Foto: pixabay
Die Regierung in Ontarios Provinzhauptstadt Toronto will Cleantech-Projekte mit Milliarden fördern.

Während in Deutschland noch heftig diskutiert wird, was mit Ökostrom-Überschüssen passieren soll, pumpt Kanadas bevölkerungsreichste Provinz Fördergelder in Milliardenhöhe in Cleantech.

 

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Ontario fördert den Umbau in ein grünes Wirtschaftssystem mit umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro (7 Milliarden kanadischen Dollar). Das geht aus dem vergangene Woche verabschiedeten Klimaschutz-Plan der Provinzregierung in Toronto hervor. Gewinner der Förderprogramme sind vor allem E-Autobauer, Hersteller von Energieeffizienzprodukten, Biokraftstoffproduzenten, Erneuerbaren-Investoren und die Speicherindustrie.

Schon Anfang des Jahres hatte Toronto dafür den 222 Millionen Euro schweren Green-Investment-Fund ins Leben gerufenen. Daraus sollen 50 Millionen Euro an Projekte mit klimafreundlichen Technologien gehen, weitere rund 13,5 Millionen Euro sind für Energiespar-Maßnahmen von mittelständischen Firmen vorgesehen.

„Die ersten Ausschreibungen für Projekte werden in den nächsten Monaten veröffentlicht “, sagt Terrie Romano, Ontarios Konsulin in Deutschland im Gespräch mit bizz energy. Seit knapp zehn Jahren vertritt sie die Provinz, die flächenmäßig etwa doppelt so groß ist wie Deutschland und 14 Millionen Einwohner hat, im kanadischen Konsulat in München. Die deutsche Energiewende hat sie also fast von Anfang an verfolgt. „Ontario hat sich einiges von Deutschland abgeguckt“, sagt sie, „insbesondere bei der Förderung von Erzeugungsanlagen per Einspeisevergütung“. Jetzt müsse allerdings „die zweite Phase der Energiewende eingeläutet werden“, sagt Romano, „also ein dezentrales Stromnetz mit Speichern und einem emissionsarmen Verkehrssektor sowie ein energiesparender Wärmesektor.“

Ab 2017 plant Ontario außerdem die Einführung eines Emissionshandels und damit den Verkauf von Zertifikaten für Klimagase an der Börse. Die Einnahmen aus dem Handel mit Emissionsrechten sollen nach Angaben der Regierung vollständig in Forschungsprojekte und Förderprogramme fließen. Jährlich könnten die Zertifikate bis zu 1,3 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen.

Vor allem die Speicherindustrie kann auf großzügige Unterstützung der Regierung hoffen. Viele Hersteller der Branche haben ihre Wurzeln tatsächlich in Kanada, beispielsweise die Brennstoffzellenhersteller Ballard Power und Hydrogenics. Letztere setzt vor allem auf Power-to-Gas- Anlagen, also der Speicherung von überschüssigen Windstrom als Wasserstoff im Erdgasnetz und auf Wasserstoff als Kraftstoff. Hydrogenics hat auch die Brennstoffzelle für den Zugbauer Alstom entwickelt.

Förderungen sollen auch in elektrische Schulbusse, Flüssiggas-LKW und -Tankstellen, für Radwege, für Forschung und Entwicklung, sowie für die Regionalbahn im Großraum Toronto fließen.

Die Ankündigung der Finanzspritze und die grüne Agenda lockt neue Firmen. Zu Beginn des Jahres hat der Schweizer Batteriehersteller Léclanché ankündigt, einen der weltweit größten Batteriespeicher mit einer Leistung von 13 Megawatt nahe der Hauptstadt Toronto bauen zu wollen. „In Ontario finden Firmen ähnliche Investitionsbedingungen wie in Europa“, frohlockt Konsulin Romano. „Die Risiken sind berechenbar.“

Innerhalb des Emissionshandels sind außerdem Mechanismen vorgesehen, die das Abwandern von Produktionsbetrieben bremsen sollen, indem sie zusätzliche Gratiszertifikate bekommen.

 

Kernkrafte laufen weiter 

Bei der seiner Energiewende legt Ontario also ein Rekordtempo vor: 2003 beschloss die Provinzregierung den Kohleausstieg, 2014 ging der letzte Meiler vom Netz. So sollen die Ziele des Klimaschutzplans erreicht werden, bis 2020 die Emissionen um 15 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu senken, bis 2030 sollen es dann 37 Prozent sein.

In dieser Hinsicht hat das Land die Bundesrepublik also schon überholt. Allerdings zu einem hohen Preis: Die hierzulande ab dem Jahr 2022 verbannte Kernkraft trägt mehr als die Hälfte zum Strommix bei.

Weil Ontario insgesamt von einem steigenden Strombedarf ausgeht, soll auch der Ausbau der Erneuerbaren fortgesetzt werden. „Wenn mehr E-Autos auf den Straßen fahren, brauchen wir auch mehr Ökostrom“, sagt Romano. Bis 2025 will die Provinz deshalb rund 20.000 Megawatt in Form von Wind- und Solarparks sowie Wasserkraft und Bioenergie hinzubauen. Damit würden die Grünstromanlagen die Hälfte der installierten Kapazität abdecken. Im März hatten Regenerative einen Anteil von 36 Prozent am Strommix. Damit liegt Ontario leicht über dem Niveau Deutschlands, wo der Ökostromanteil zuletzt bei 33 Prozent lag.

Nicht überall stößt die Umstellung auf eine grüne Wirtschaft allerdings auf Zustimmung. Die Konservativen wetterten schon gegen den Emissionshandel. Sie sehen darin einen "Angriff auf die Industrie und unsere Lebensweise." Auch die konventionelle Energiebranche ist natürlich dagegen, ebenso wie die Autobauer.

Verbraucher fürchten steigende Stromkosten. Und tatsächlich: Schon heute kostet die Kilowattstunde im Vergleich zur Nachbarprovinz Quebec in etwa das Doppelte – ist aber wesentlich kostengünstiger als in Deutschland.

 

Kehrtwende beim Klimaschutz

Die grüne Ausrichtung hat alles andere als Tradition in Kanada. 2011 hatte der damalige kanadische Umweltminister Peter Kent den Austritt aus dem Kyoto-Protokoll erklärt. Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll war bis zur Unterzeichnung des Pariser Klimavertrags das bislang einzige globale Klimaschutzabkommen, das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen machte. Mit seinem Ausstieg umging Kanada Strafzahlungen in Milliardenhöhe für nicht eingehaltene Ziele.

Seit dem Wahlsieg des liberalen Justin Trudeau Kanada allerdings eine Kehrtwende vollzogen. Bei der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im April in New York bekräftige Trudeau seine Zusagen. „Mit meiner Unterschrift heute gebe ich euch mein Wort, dass Kanadas Bemühungen nicht abreißen werden“, sagte er. „Der Klimawandel wird unsere Intelligenz, unser Mitgefühl und unser Durchhaltevermögen auf die Probe stellen.“

 

Jana Kugoth
Keywords:
Ontario | Kanada | Batteriespeicher | E-Mobilität | Wasserstoffspeicher | Deutschland | EEG | Förderung | Emissionshandel
Ressorts:
Finance | Governance | Technology

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