Raffinerien
05.04.2017

Politik für grünen Wasserstoff

Foto: Ikar.us
In Erdölraffinerien kommt auch Wasserstoff zum Einsatz

Abgeordnete der Großen Koalition machen sich für den Einsatz von grünem Wasserstoff in Raffinerien stark: Sie sind dafür, dass er auf die Treibhausgas-Quote angerechnet wird.

Aus Sicht von Steffen Bilger bietet Wasserstoff vielversprechende Potenziale, wenn er aus Ökostrom gewonnen wird: „Durch den Einsatz von grünem Wasserstoff könnte der Verkehrssektor künftig einen stärkeren Beitrag dazu leisten, um den Zielen der Bundesregierung zur Treibhausgasreduktion näher zu kommen und den Schadstoffausstoß im Straßenverkehr deutlich zu reduzieren“, sagt der Verkehrsexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf Anfrage von bizz energy. Zum anderen eröffneten sich dadurch Möglichkeiten, die Verzahnung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität voranzutreiben.

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Grüner Wasserstoff eignet sich sowohl für den direkten Einsatz als Kraftstoff, als auch als flexibler Energiespeicher sowie für die Herstellung von konventionellen Kraftstoffen in Raffinerieprozessen. Momentan stammt der Wasserstoff, der für die Herstellung von Diesel, Benzin und Kerosin benötigt wird, jedoch aus fossilen Energien. Grünen Wasserstoff zu unterstützen, sei sehr sinnvoll und notwendig, sagt Bilger: „Die Anrechnung von grünem Wasserstoff auf die Treibhausgasminderungs-Quote wäre ein sehr wichtiger Schritt.“

"Der politische Mut ist da"

Auch, wenn es nach Bernd Westphal ginge, würde es mit dem grünen Wasserstoff in Raffinerien in Deutschland flugs vorangehen. „Der politische Mut ist da“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete beim parlamentarischen Abend des Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbands (DWV) in der französischen Botschaft in Berlin. „Wir sind mit der Umwelt- und der Wirtschaftsministerin im Gespräch.“ Um seine Klimaziele zu erreichen, brauche Deutschland eine entsprechende Förderung von grünem Wasserstoff. „Es gibt einen Katalog von wirksamen, schnell umsetzbaren Maßnahmen, und diese Maßnahme steht ganz oben“, sagte Westphal.

Momentan wird der Wasserstoff, der in Raffinerieprozessen zum Einsatz kommt, in der Regel unter erheblichen CO2-Emissionen aus Erd- oder Flüssiggas gewonnen. Wenn Mineralölkonzerne stattdessen auf aus Erneuerbaren erzeugten Wasserstoff setzen würden, könnten sie – wie von der Politik gefordert – ihre Emissionen reduzieren. Bisher fehlt den Unternehmen allerdings der Anreiz, diese Technologie einzusetzen, weil sie nicht auf die Treibhausgasminderungs-Quote angerechnet wird. Sie fordern deshalb, dass grüner Wasserstoff mit Biokraftstoffen wie Mais, Raps oder Zuckerrohr gleichgestellt wird. 

Unternehmen brauchen Rechtssicherheit

BP-Sprecher Ruprecht Brandis sieht momentan eine Gelegenheit, das zu ändern: Über die derzeit in der Entscheidung befindliche 37. Bundesemissionsschutzverordnung. „Wir sind in intensiven Gesprächen mit der Bundesregierung“, sagt Brandis. Offenbar gibt es in dieser Frage aber Uneinigkeit zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium. Der Knackpunkt bei der Gesetzgebung: Eine deutsche Regelung hätte nur Bestand, wenn sie auch vom EU-Recht abgedeckt ist.

Zusammen mit anderen Mineralölkonzernen versucht BP über einen Antrag zu erreichen, dass Power-to-Gas in Raffinerien Eingang ins entsprechende EU-Regelwerk findet. Ansonsten fehle den Unternehmen die Rechtssicherheit. BP hofft zudem darauf, dass die zweite Erneuerbare-Energie-Richtlinie der EU, die von 2021 an gelten soll, eine Klausel zugunsten grünen Wasserstoffs enthalten wird.

Keine Konkurrenz zu Lebens- und Futtermitteln

Grüner Wasserstoff in Raffinerien ist aus Sicht der Wasserstoff-Lobby ein zentraler Baustein für die Energiewende und die Umsetzung nationaler Klimaziele. Zudem tritt es im Gegensatz zu Biokraftstoffen nicht in Konkurrenz mit der Lebens- und Futtermittelproduktion.

Kritiker fürchten indes, dass die Ölkonzerne die Power-to-Gas-Technologie nutzen, um sich einen grünen Deckmantel zu geben und die Lebensdauer ihrer Raffinerien zu verlängern. Konzerne wie BP argumentieren indes, dass auch beim Durchbruch der Elektromobilität für die verbleibende Flotte von Autos, sowie für Flugzeuge und Schiffe für Jahrzehnte Benzin und Diesel benötigt würden. Das gleiche gelte für petrochemische Produkte in der Kunststoffindustrie.

Jutta Maier
Keywords:
Wasserstoff | DWV | Raffinerien | CDU | SPD | Große Koalition | Verkehr | Energiewende
Ressorts:
Governance | Technology

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