Energiewende
13.06.2017

Power-to-X anwendungsreif machen

Foto: istockphoto/Pixelci

Der Think Tank Agora Energiewende fordert mehr Investitionen in die Erforschung von Power-to-X. Von 2030 an seien diese Schüsseltechnologien.

Power-to-Gas, Power-to-Liquid, Power-to-Chemicals: Die „Power-to-X-Technologien“ sind aus Sicht von Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, sind ab 2030 entscheidend. Denn in dieser Phase der Energiewende würden Speicher im Stromsystem und neue Antriebstechnologien auch für den Flug- und Schiffsverkehr gebraucht, außerdem sei eine Reduzierung der Emissionen bei Industrieprozessen notwendig.

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„In der Zeit bis 2030 muss es deshalb darum gehen, diese Technologien anwendungsreif zu machen und mit Markteinführungsprogrammen zu begleiten“, sagt der Direktor des Think Tanks am Dienstag bei der Vorstellung der „Agenda Energiewende 2030“ in Berlin. Agora ist ein einflussreicher Player in der Energiewelt: Direktor Graichen hat einen guten Draht zu Rainer Baake (Grüne), seinem Vorgänger auf dem Posten und heute Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

Forschungsausgaben "dümpeln vor sich hin"

Um Power-to-X-Technologien zum Durchbruch zu verhelfen, müssten die Forschungsausgaben für Energie gesteigert werden, forderte Graichen. Diese dümpelten seit etwa sieben Jahren bei einer Milliarde Euro vor sich hin. „Da hatten wir schon mal mehr“, sagte er mit Blick auf 1991, als sie bei 1,8 Milliarden lagen. Nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums stockte der Bund die Ausgaben für Energieforschung in der jüngeren Vergangenheit zwar kontinuierlich auf – von rund 654 Millionen im Jahr 2009 auf gut 864 Millionen Euro 2015. Der Anteil der Privatwirtschaft sank jedoch im gleichen Zeitraum von 271 Millionen auf rund 215 Millionen Euro.

Graichen fordert deshalb, private Forschungs-und Investitionsausgaben zu hebeln. „Wenn man Energiewende mit Industriepolitik zusammendenkt, muss es jetzt darum gehen, Investitionen in Power-to-X-Technologien in einer gemeinsamen Anstrengung auf den Weg zu bringen“, sagt er. Bundesregierung und Industrie müssten ihre Energieforschungsaktivitäten in einem Pakt für Zukunftsforschung bündeln und sich auf eine Forschungs- und Demonstrationsagenda einigen.

Strategiepapier für 2030

Agora legte unter dem Titel „Energiewende 2030 – The Big Picture“ ein 80-seitiges Papier mit Zielen und Strategien vor, mit denen Deutschland sein Klimaschutzziel für 2030 – eine Treibhausgasminderung von 50 Prozent gegenüber 1990 – doch noch erreichen kann. Es wird am Donnerstag öffentlich mit Industrievertretern diskutiert.

So müsste laut Agora der Anteil Erneuerbarer am Primärenergieverbrauch auf 30 Prozent und am Stromverbrauch auf 60 Prozent verdoppelt, gleichzeitig die Nutzung von Kohle und Erdöl halbiert, der Erdgasverbrauch um 20 Prozent reduziert und der Energieverbrauch im Vergleich zu heute insgesamt um 30 Prozent reduziert werden. Zu den zentralen Forderungen Agoras zur Erreichung dieser Ziele zählt ein Energiewende-Rahmengesetz, das von NGOs schon seit Jahren befürwortet wird.

Die Redaktion
Keywords:
Energiewende | Power-to-X | Forschungsausgaben | Investitionen | Erneuerbare | Agenda 2030
Ressorts:
Finance | Governance | Technology

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