Turkish Stream
18.05.2017

Putin baut auf die Türkei

Foto: Kremlin.ru
Präsidenten unter sich: Vladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdoğan

Eine neue Gas-Pipeline soll die Ukraine und Polen endgültig ausbooten.

Russlands Präsident Wladimir Putin treibt seine Pipeline-Strategie unbeirrt voran: Er gab den Startschuss für Turkish-Stream. Vor wenigen Tagen begann das Spezialschiff Audacia des Schweizer Pipelinebauers Allseas mit der Verlegung und Verschweißung der ersten Stahlröhren am Meeresboden. Die rund 900 Kilometer lange Leitung soll russisches Gas aus Sibirien in den europäischen Teil der Türkei pumpen.

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Putin kommt damit seinem Ziel näher, den Transit durch die Ukraine und Polen zu minimieren. Diesem Ziel diente kürzlich auch die Finanzierungsvereinbarung für die Erweiterung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Moskaus Staatskonzern Gazprom mit den westlichen Energiekonzernen OMV, Wintershall, Engie, Shell und Uniper geschlossen hat.

Ukraine-Problem muss gelöst werden

„Russland muss bis 2020 sein Ukraine-Problem lösen, schließlich läuft dann der Transitvertrag mit Kiew aus“, meint Konstantin Simonow, Leiter des Moskauer Instituts für nationale Energiesicherheit. Die Abhängigkeit von seinen westlichen Nachbarn beim Gastransport nach Westeuropa gilt im Kreml als Schwachstelle; schließlich wurden die langfristigen Transitverträge noch zu einer Zeit geschlossen, als die politische Großwetterlage zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn ungleich heiterer war.

Zwar hatte Russland schon vor Jahren bereits eine Seeleitung in die Türkei gebaut, über die etwa die Hälfte des russischen Gasexports in den Mittelmeerstaat abgewickelt wird. Die andere Hälfte fließt noch über Röhren der Ukraine. Wenn der erste Strang von Turkish Stream steht, dann könnte Gazprom die Türkei komplett direkt beliefern.
Ursprünglich wurde Turkish-Stream als Ersatz für die geplante South-Stream-Leitung aufgelegt. Diese sollte das Gas von der russischen Schwarzmeerküste nach Bulgarien bringen und von dort aus weiter Richtung Zentraleuropa. Weil jedoch Bulgarien auf Druck der EU das Projekt verzögerte, verwarf Putin seine Pläne für das 16 Milliarden Euro teure Projekt.

Abgespeckte Alternative

Die neue Türkei-Leitung kommt nun als abgespeckte Alternative daher. Statt der ursprünglich geplanten vier Röhren mit einer Kapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr, will Gazprom zwei Stränge mit einem jährlichen Durchleitungsvolumen von insgesamt 31,5 Milliarden Kubikmeter bauen. „Zwei der geplanten Stränge sind einfach in den Norden umgezogen und sind nun Teil von Nord Stream 2“, erklärt Konstantin Simonow. Eine Konkurrenz seitens des Südprojekts müssen Gazproms europäische Partner daher nicht fürchten.  Die verbliebenen zwei Röhren sind jeweils für den türkischen und den europäischen Markt gedacht.

Wenn alles nach Plan läuft, wird Gazprom Ende des Jahrzehnts mit Nord Stream 1 und 2 sowie den geplanten beiden Turkish-Stream-Röhren Kapazitäten in Höhe von knapp 140 Milliarden Kubikmeter Gas aufbauen. Im vergangenen Jahr exportierte Gazprom jedoch knapp 180 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU und in die Türkei. Die fehlenden 40 Milliarden Kubikmeter könnte Russland zwar über Weißrussland liefern, wäre jedoch auf Polen angewiesen. Ein entsprechender Transitvertrag mit Polen läuft bereits 2022 aus. Bereits vor Wochen hatte der Gazprom-Chef Alexei Miller davor gewarnt, dass Polen einen neuen Vertrag verweigern und somit Russlands Exportmöglichkeiten einschränken könnte.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Turkish Stream | Pipeline | Wladimir Putin | Türkei
Ressorts:
Governance | Markets

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