Russland
07.06.2017

Putin flirtet mit Windmüllern

Foto: istockphoto/dicus63
Russlands Präsident Wladimir Putin

Russlands größte Ausschreibung für Renewables-Kapazitäten endet heute. Ziele bis 2021: zwei Gigawatt neuer Renewables-Leistung vor allem durch Wind- und Solarenergie – sowie die Förderung der heimischen Zulieferer.

Mitte Mai sorgte eine Unterschrift von Wladimir Putin für große Aufregung. Der russische Präsident signierte ein Dokument, das die wirtschaftliche Strategie des Landes bis 2030 festlegt. Eine Passage darin bringt Umweltschützer auf die Barrikaden, verursacht aber auch unter Ökonomen Kopfschütteln: „Die Entwicklung von grüner Technologie, die Entwicklung energieeffizienter Technologien und die somit veränderte Nachfrage nach Energieressourcen“, steht dort, seien eine Bedrohung für Russlands ökonomische Stabilität.

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Eine Bedrohung gilt es normalerweise zu bekämpfen. Aber Putin agiert offenbar nach dem angelsächsischen Motto: If you cannot beat them – join them. Und so überraschte er jüngst mit der bis dato größten Ausschreibung für Renewables-Kapazitäten. Bis 2021 sollen fast zwei Gigawatt (GW) neuer Renewables-Leistung installiert werden, vor allem Wind- und Sonnenenergie. Auch kleine Wasserkraftwerke sind zur Ausschreibung zugelassen.

Brancheninsider prognostizieren, dass der Löwenanteil der neuen Kapazitäten – vor allem im Windbereich – an den finnischen Energiekonzern Fortum gehen wird. Demzufolge könnten die Finnen in den kommenden Jahre Windanlagen mit einer Kapazität von insgesamt 1,4 GW jährlich in Russland installieren. Auch der italienische Konzern Enel könnte zum Zuge kommen. Die Ausschreibung selbst läuft noch bis zum 9. Juni.

Erneuerbare bisher kaum relevant

Bisher spielen die Erneuerbaren in Russland kaum eine Rolle. Auf dem Petersburger Wirtschaftsforum Anfang Juni erklärte der russische Energieminister Alexander Nowak, dass der Anteil von Sonne und Wind am Energiemix des Landes bis zum Jahr 2035 von derzeit 0,2 auf 2,0 Prozent steigen soll – was nicht gerade ambitioniert ist. „Unser Förderprogramm ist nicht so groß wie jene in Ländern, die nicht über eigene Energieressourcen verfügen“, räumte Nowak ein. „Dennoch könnten wir so im Trend bleiben, entsprechendes technisches Know-how aufbauen und bei Bedarf die Pläne nach oben revidieren.“

Tatsächlich hat das russische Programm zur Förderung erneuerbarer Energiequellen noch mehr mit Industrie- als mit Energiepolitik zu tun. Anders als etwa in Deutschland, wo Erzeuger über Einspeisetarife für ihre Investitionen belohnt werden, zählt bei Putins Förderprogramm allein die installierte Kapazität. Es setzt entsprechend Obergrenzen für Investitionskosten pro Kilowatt Leistung. Abzüglich des am russischen Markt verkauften Stroms zu den marktüblichen Großhandelspreisen werden die Betreiber anschließend über mehrere Jahre für ihre Investitionen entlohnt. Die bisherige Förderung garantiert eine Investitionsrendite in Höhe von zwölf Prozent. Bei der aktuellen Ausschreibung liegt die Preisobergrenze für die installierte Leistung bei knapp 1.750 Euro pro Kilowattstunde.

Zum Vergleich: In Deutschland sind Investitionskosten zwischen 1.000 und 1.300 Euro die Regel. Der einzige Haken: Um von der Förderung profitieren zu können, müssen Erzeuger garantieren, dass ein erheblicher Anteil der Komponenten ihrer Anlagen von russischen Zulieferern stammt. Aktuell liegt der Mindestanteil bei 40 Prozent und soll bis 2020 stufenweise auf 65 Prozent ansteigen.

Fortum kooperiert mit Rosnano

Um diesen Auflagen gerecht zu werden, hat etwa der finnische Konzern Fortum vor einigen Wochen eine Kooperation mit der staatlichen Technologie-Holding Rosnano besiegelt. Beide Konzerne wollen jeweils 500 Millionen Euro in Windenergie stecken. Ein Teil des Geldes soll auch in die Produktion von Bauteilen in Russland fließen. Beide Unternehmen seien derzeit auf der Suche nach Technologiepartnern aus Europa oder Asien.

Im laufenden Jahr startete Fortum bereits mit dem Bau eines Pilotprojekts im Gebiet rund um Uljanowsk, der Geburtsstadt Lenis. Dort will der Konzern bis 2018 insgesamt 14 Windräder mit einer Gesamtleistung von 35 Megawatt installieren. Die Generatoren, das Herzstück einer solchen Anlage, stammen in diesem Fall von der chinesischen Firma Dongfang Electric. In Russland dagegen sollen die Türme sowie Rotorblätter und einige andere Komponenten hergestellt werden.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Wladimir Putin | Russland | erneuerbare Energien | Windkraft | Industriepolitik | Finnland
Ressorts:
Governance

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