Gasförderung
08.03.2017

Russland wird für OMV zum Kerngeschäft

Foto: Priwo
Die Konzernzentrale von OMV in Wien

OMV-Chef Rainer Seele plant, mit der Beteiligung am Juschno-Russkoje-Gasfeld an alte Erfolge anzuknüpfen.

Rainer Seele galt schon immer als ausgesprochener Russland-Freund. Als Chef der BASF-Tochter Wintershall feierte er Erfolge durch die Partnerschaft mit dem Moskauer Staatsriesen Gazprom und mit Beteiligungen an russischen Gaslagerstätten. Seit 2007 gehörte die zunächst 25-prozentige Beteiligung am Feld Juschno-Russkoe zu den Kronjuwelen in Russland. Nun will Seele als CEO des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV an die alten Erfolge anknüpfen – und schon wieder soll es Juschno-Russkoje sein. Diesmal übernimmt sein Konzern für knapp 1,8 Milliarden Euro jene Anteile am Juschno-Russkjoe-Feld, die bisher der deutsche Konkurrent Uniper gehalten hat. Der stieß das Feld ab, um seine Bilanz zu sanieren.

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Der Rückzug des deutschen Energiekonzerns aus dem Fördergeschäft in Russland dürfte sich für Seele und OMV als Glücksfall erweisen. Branchenkenner in Moskau sind sich einig, dass die Beteiligung sinnvoll ist. „Juschno-Russkoe ist ein gutes Asset, das kaum weitere Investitionen braucht. Für OMV ist das ein lukratives Geschäft“, resümiert Ekaterina Rodina, Analystin der staatlichen Investmentbank VTB Capital. Nach Angaben von OMV belaufen sich die notwendigen Investitionen lediglich auf etwa 18 Millionen Euro jährlich.

Wintershall-Manager waren sehr zufrieden mit Gasfeld

2009 hat Juschno Russkoje bereits die optimale Fördermenge von 25 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreicht. Insgesamt verfügt das nordsibirische Feld über ein Volumen von rund 830 Milliarden Kubikmetern Gas. Seit die Produktion ihr stabiles Niveau erreicht hat, zeigten sich schon die Wintershall-Manager damit stets äußerst zufrieden. Es laufe so gut, dass es beinahe schon langweilig sei, war intern zu hören.

Zwar hatte Uniper-Vorgänger Eon das Feld 2008 im Rahmen eines Asset-Tauschs bekommen. Analysten gehen jedoch davon aus, dass der Kaufpreis für OMV heute unter dem Wert des damaligen Tauschgeschäfts liegt. Eon hatte damals Gazprom-Anteile im Wert von mehr als drei Milliarden Euro an den russischen Staatskonzern zurückgegeben. Doch nicht nur der Kaufpreis dürfte die Österreicher freuen. Wie aus Berichten der russischen Tageszeitung Kommersant hervorgeht, gewährt Gazprom seinen westlichen Partnern in Russland operative Sonderkonditionen, um sie bei der Stange zu halten. Schließlich profitieren die Russen in solchen Joint-Ventures von westlicher Technologie und Management-Methoden.

Fördervolumen erhöht sich um ein Drittel

So verpflichtet sich Gazprom nicht nur, das gesamte Fördervolumen seiner westlichen Partner in Russland abzunehmen.
Die Hälfte der Gasmenge wird zudem zum sogenannten Netback-Preis verrechnet – also nicht zum regulierten Inlandspreis, sondern zum höheren Exportpreis, abzüglich der Transportkosten. Somit gibt Gazprom einen Teil seiner Exporterlöse an die Partner ab. Das gesamte Gas von Juschno-Russkoje, also etwa 25 Milliarden Kubikmeter jährlich, wird über die Nord-Stream-Pipeline exportiert, an deren Ausbau durch einen zweiten Strang Seele und OMV stets besonderes Interesse bekundet hatten.

Mit dem Einstieg bei Juschno-Russkoje wird Russland für OMV zum Kerngeschäft. Allein durch diese Investition erhöht sich das jährliche Fördervolumen um ein Drittel. In den kommenden Jahren soll zudem die Förderung in der ebenfalls in Russland liegenden Achimov-Formation 4 und 5 beginnen. Hier hatte OMV von Gazprom einen Anteil von knapp 25 Prozent im Tausch für 38,5 Prozent seiner Norwegen-Tochter erhalten. Weitere 25 Prozent hält Wintershall. Wenn die Förderung wie geplant Mitte der 2020er Jahre die optimale Höhe erreicht, dürfte der österreichische Konzern dann knapp die Hälfte seines Gases aus Russland bekommen. Damit kommt Seele seinem Ziel ein weiteres Stück näher: Er will mit OMV ähnlich stark von der Nähe zu Russland profitieren wie schon vor Jahren mit Wintershall.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Russland | OMV | Wintershall | Juschno-Russkoe | Gasfeld | Rainer Seele | Gazprom
Ressorts:
Finance | Markets

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