Windenergie
14.07.2016

Russlands Atomkonzern entdeckt die Windenergie

Kallerna
Windrad neben einem Atomkraftwerk im Bau.

Das Staatsunternehmen Rosatom will bis 2020 über eine Milliarde Euro in Windparks investieren. Konzernchef Sergej Kirijenko träumt gar von Synergien zwischen Atom- und Windenergie.

Erneuerbare Energie? Alles schön und gut, aber letzten Endes doch nicht effektiv und konkurrenzfähig. So könnte man die Position von Wladimir Putin im Bezug auf erneuerbare Energiequellen zusammenfassen. Russlands Präsident gilt nicht als großer Fan von Wind- oder Solaranlagen. Riesige Nuklearanlagen und moderne Gaskraftwerke sind eher nach seinem Geschmack.

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Entsprechend wenig ambitioniert sind Russlands Ziele in diesem Bereich. Das aktuelle Programm des Wirtschaftsministeriums sieht vor, dass der Anteil von erneuerbaren Energien wie Wind und Solar bis 2020 lediglich auf 4,5 Prozent steigen soll. Wenn man die großen Wasserkraftwerke des Landes ausklammert, dann sieht die Situation derzeit düster aus, denn nur ein Prozent der Energie in Russland kommt aus erneuerbaren Quellen. Der Rest entfällt auf Öl, Gas, Kohle und Atomkraftwerke. Umso überraschender scheint der Schritt von Russlands AKW-Betreiber Rosatom, der offenbar kräftig ins Geschäft mit Windenergie einsteigen will.

 

Bisher nur Anlagen mit 50 Megawatt pro Jahr

Ausgerechnet der Staatskonzern, der im Auftrag der Regierung Russlands atomare Renaissance vorantreiben sollte, will bis 2020 etwa 1,1 Milliarden Euro in Windparks mit einer Kapazität von insgesamt 610 Megawatt Strom investieren. Zum Vergleich: In diesem Jahr geht das Energieministerium davon aus, dass in Russland Windanlagen mit einer Leistung von 50 Megawatt ans Netz gehen. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr Windräder mit 3.500 Megawatt aufgestellt.

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung Kommersant sucht Rosatom derzeit nach ausländischen Partnern, die dazu bereit wären, die Windenergieanlagen in Russland zu produzieren. Denn nur wenn die Technologie zumindest in Teilen aus dem Inland stammt, schießt der Staat das nötige Geld hinzu.

 

Förderung nur bei heimischer Produktion

Das russische Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien, das Premierminister Dmitri Medwedew im Jahr 2013 unterschrieben hat, zielt mehr auf den Aufbau eigener Industrien als die rasche Verbreitung alternativer Energiequellen.

Nach dem Gesetz müssen bis 2020 bis zu 65 Prozent der Anlagenkomponenten aus heimischer Produktion stammen. Laut Brancheninsidern sind es vor allem diese strengen Vorgaben, die potenzielle Investoren derzeit noch abschrecken.

Eigenes Know-how in der Windenergie-Technik besitzen russische Firmen allerdings nicht, deshalb werden sie ausländische Partner an Bord holen müssen. Rosatom-Chef Sergej Kirijenko hofft derweil darauf, dass ein Teil der Produktion von konzerneigenen Anlagenbauern erledigt werden kann. „Wir haben eine moderne Fabrik für Karbonfasern errichtet, weil wir diesen Kunststoff für unsere Zentrifugen zur Urananreicherung gebraucht haben“, erklärte Kirijenko in einem Interview. Zumindest die Rotorblätter der neuen Windräder könnten, so der Top-Manager ebenfalls aus diesem Material gefertigt werden. Am Ende, so die Kalkulation, könnten ausgerechnet Windkraft und Atomstrom Synergien im Konzern erzeugen. 

 

Deutsche Firmen an Russlands größtem Projekt beteiligt

Weit fortgeschritten ist bereits ein Projekt mit ausländischer Beteiligung in der südlichen Teilrepublik Kalmückien. Der tschechische Investor Falkon Capital hatte vor zwei Jahren die Ausschreibung für einen Windpark mit 51 Megawatt gewonnen. Die Projektsteuerung übernimmt die Berliner Firma Energy Competence Centre. Wie das Unternehmen vor wenigen Tagen mitteilte, hat die russische Niederlassung von Falkon Capital für den Windpark 20 Anlagen des deutschen Herstellers FWT bestellt. Bis Mitte 2017 sollen sie in Betrieb gehen. Nach Fertigstellung aller Bauabschnitte soll der Windpark Priyutnenskaya mit 300 Megawatt der größte Russlands sein.

Maxim Kireev / Die Redaktion
Keywords:
Rosatom | Russland | Kirijenko | Windenergie | Atomenergie | Energy Competence Centre | Falkon Capital
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Kommentare

Gute Idee! in einem riesigen Land wo in Sibiren oft Infrastruktur fehlt könnte man oft Windkraftanlagen als Substitut für Dieselgeneratoren die derzeit Strom erzeugen verwenden.
Windkraft statt Dieselgeneratoren. Gute Idee

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