09.02.2017

Russlands Atomriese setzt auf Windstrom

Foto: Lagerwey
Russland will sich die Anlagen des niederländischen Turbinenhersteller Lagerwey ins Land holen.

Eine Windbranche ist in Russland beinahe nicht existent. Ausländische Partner sollen ihr auf die Beine helfen.

Atom- und Windenergie gehen in Russland künftig Hand in Hand. Vor wenigen Tagen gab der russische Nuklear-Monopolist Rosatom bekannt, für seinen lange geplanten Einstieg in die Windenergie-Branche Lagerwey ins Boot geholt zu haben, einen niederländischen Hersteller von Windturbinen. Bis zum Ende des Jahres wollen Rosatom und Lagerwey ein Joint Venture gründen, an dem beide Partner jeweils 50 Prozent halten werden.  

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Insgesamt sollen 84 Milliarden Rubel in das Projekt fließen, umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro. „Die Rede ist von der Schaffung einer neuen Branche“, sagte Kirill Komarow, Vizechef des russischen Staatskonzerns. Denn Hauptziel des Projekts sei es, die Fertigung der Windkraftanlagen in Russland zu lokalisieren – zumindest teilweise. Erst dann fließen nämlich Subventionen aus dem staatlichen Förderprogramm für erneuerbare Energien. Insgesamt will Rosatom in den kommenden Jahren Windkraftanlagen mit einer Leistung von 610 Megawatt (MW) installieren. „Wir sind bestrebt, Rosatom dabei zu unterstützen und einen Lokalisierungsgrad von 65 Prozent zu erreichen“, sagte Lagerwey-Chef Huib Morelisse.

Riesiger Nachholbedarf

Bisher ist der Nachholbedarf in der Branche riesig. Nicht nur der Anteil von erneuerbaren Energien ist verschwindend gering – ausgenommen der großen Wasserkraftwerke, die beinahe ein Fünftel des Stroms im Land liefern. Der erneuerbare-Energien-Anteil soll laut Regierungsplänen bis zum Jahr 2024 auf 2,5 Prozent steigen. Auch der technologische Rückstand ist gewaltig. Eigene Hersteller von Windturbinen existieren nicht, was die Chancen für ausländische Hersteller erhöht. Erst im Sommer verkaufte die deutsche „FWT Production“ 20 Windenergieanlagen nach Russland. Zwar will der Staat vor allem heimische Maschinenbauer fördern. Da diesen aber meist das nötige Know-how fehlt, sind sie auf ausländische Zulieferer und Partner angewiesen. 

Der Staatskonzern Rosatom schätzt, dass der Markt für Windenergie im Jahr 2024 einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro erreicht. Gleichzeitig wird für Bau, Betrieb und Wartung der Anlagen in den kommenden Jahren etwa die doppelte Summe nötig sein, um dieses Niveau zu erreichen.
Anders als bei Atomkraft wird Rosatom allerdings kein Monopol in der Branche haben. Andere ausländische Konzerne sitzen bereits ebenfalls in den Startlöchern, allen voran der finnische Energieriese Fortum. Im November vergangenen Jahres hatten die Finnen ein Konsortium mit einem anderen russischen Staatskonzern gegründet, dem Nanotechnologiekonzern Rosnano. Vor wenigen Tagen begann bereits der Bau des ersten Windparks im Wert von 65 Millionen Euro und einer Leistung von 35 MW. Später soll die Anlage nochmal um weitere 600 MW Leistung erweitert werden. Laut Rosnano fließen zunächst aber weitere15 Millionen Euro in den Aufbau erster Produktionsanlagen vor Ort.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Rosatom | Windenergie | Atomkraft | Russland
Ressorts:
Markets

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