Atom- und Kohleausstieg
17.07.2017

Südkorea beginnt radikale Energiewende

Foto: Creative Commens/Korea Kori NPP
Kernkraftwerk Kori in Südkorea: Sein ältester Reaktor wurde im Juni abgeschaltet.

Südkoreas neuer Präsident Moon Jae-in will sein kriegsbedrohtes Land zumindest vom Risiko eines Nuklearunfalls befreien. Er setzt auf erneuerbare Energien.

Moon hat Nordkorea nach dessen jüngsten Raketentests und Atomwaffenversuchen Gespräche angeboten. Er sucht die Annäherung zum schwierigen Nachbarn. Von der Weltöffentlichkeit weniger beachtet wird indes: Moon will die Gefahren der zivilen Atomenergie für sein Land bannen: Bereits Mitte Juni gab er bekannt, alle Pläne für neue Kernkraftwerke zu beerdigen, möglicherweise den Bau zweier neuer Meiler zu stoppen und die Laufzeitverlängerungen für alte Anlagen aufzuheben. Südkorea solle „nuklearfreie Zone“ werden.

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Der Schock der Atomkatastrophe von Fukushima wirkt in Seoul nach. Auch wenn der Nachbar Japan, von Korea lediglich durch die 200 Kilometer breite Straße von Tsushima  getrennt, vorerst an der Kernkraft festhalten will.

Mehr Kernkraftwerke als in Deutschland

Der deutsche Atomausstieg nach Fukushima findet jetzt also doch noch Nachahmer in Ostasien. Immerhin besitzt Südkorea 25 Kernkraftwerke – mehr als die Bundesrepublik. Und beim Thema Kohle ist Seoul  sogar deutlich entschlossener als die Regierung Merkel. Der sozialliberale Moon stoppte schon kurz nach seiner Inthronisierung im Mai den Betrieb von acht alten Kohlekraftwerken. Der Grund: Die Klimapolitik, aber vor allem unerträglicher Smog. Auch aus der Kohle will Moon nun nach und nach aussteigen.

Die Lücke sollen zum Teil erneuerbare Energien schließen. Ihr Anteil an der Stromerzeugung, bislang im einstelligen Bereich, soll auf 20 Prozent im Jahr 2030 steigen. Die Voraussetzungen sind passabel: Die koreanische Halbinsel verfügt über ordentlich Wind und Sonne. Die Förderbank des Landes, die Korea Development Bank, hat Ende Juni ihr erstes grünes Anleihenprogramm mit einem Volumen von rund 300 Millionen US-Dollar gestartet. Das Geld soll in Solar-, Wind- und Biomasse-Energieprojekte fließen.

Erdgas-Bedarf steigt

Wenn das stark industrialisierte Südkorea – mit dem höchsten Pro-Kopf-Stromverbrauch in Asien – die Energiewende vollführt, hat das auch geopolitische Dimensionen. Denn Öko-Strom allein wird die Lücken nicht schließen können, vielmehr soll auch mehr Erdgas zum Einsatz kommen. Zum einen aus LNG-Importen, vermutlich hauptsächlich aus Australien, wo man sich schon die Hände reiben wird. Zum anderen hat Moon sogar von der Möglichkeit gesprochen, russisches Gas per Pipeline durch Nordkorea in den Süden zu holen.

Dafür gibt es ebenfalls eine deutsche Blaupause: Der Plan erinnert an Willy Brandts Ostpolitik – per Pipeline. Erstmals strömte im Jahr 1973 russisches Erdgas durch die DDR nach Westdeutschland. Das sorgte damals im Kalten Krieg für etwas Entspannung und half, den Energiemix zu verbreitern.

Dies ist die aktualisierte Version der „Meldung des Monats“ aus der Sommer-Ausgabe 2017 unseres Print-Magazins bizz energy.

Jakob Schlandt
Keywords:
Kernenergie | Südkorea | Atomausstieg | Energiewende | Moon Jae-in | Korea Development Bank | Nordkorea
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