Offshore-Windenergie
16.11.2017

Schottland misst das Meer für schwimmende Windparks aus

Foto: Statoil
Eine schwimmende Windkraftanlage wird zum schottischen Windpark Hywind geschleppt.

Schottland will seine Stromerzeugung in schwimmenden Offshore-Windfarmen ausbauen. Auch das Dresdner Unternehmen Gicon entwickelt eine Wind-Plattform auf Schwimmkörpern. Sie soll 2018 in der Ostsee vor Anker gehen.

Der erste schwimmende Windpark der Welt ist Mitte Oktober vor der schottischen Ostküste in Betrieb gegangen. Nun gelte es, „Schottlands Führungsposition bei schwimmendem Offshore-Wind zu halten”, sagte der schottische Energieminister Paul Wheelhouse im Rahmen einer Windenergie-Konferenz in dieser Woche in Glasgow.

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Die Regionalregierung will die Gewässer um Schottland nun auf mögliche Ankerplätze für die neuartigen Windplattformen hin untersuchen und kartieren lassen. Wheelhouse drängte die britische Regierung „floating offshore wind“ in die Ausbauplanungen des Königreichs für die nächsten Jahre fest einzubeziehen.

Ankern statt Rammen

Offshore-Windkraftanlagen, deren Fundamente nicht in den Meeresgrund gerammt, sondern auf Schwimmkörpern montiert werden, gelten als Zukunftsmarkt. Mit der Technologie, an der auch in Deutschland geforscht wird, könnten große neue Seegebiete für Windkraft erschlossen werden. Hauptvorteil: Anders als konventionelle Offshore-Parks können schwimmende Windparks über Wassertiefen von bis zu 350 Metern, künftig möglicherweise bis zu 500 Metern, eingesetzt werden.

Die Offshore-Plattform des Dresdner Unternehmens Gicon soll auf vier Schwimmkörpern ruhen. Foto: Gicon
Die Offshore-Plattform des Dresdner Unternehmens Gicon soll auf vier Schwimmkörpern
ruhen. Darstellung: Gicon
Die Ingenieur- und Beratungsgruppe Gicon in Dresden sieht auch in deutschen Gewässern großes Potenzial. Sie konstruiert eine Windplattform auf vier Schwimmkörpern, die mit Stahltrossen an einem großen Betonblock auf dem Meeresgrund befestig wird. Im Oktober haben Gicon-Ingenieure ein Modell in einem Meeressimulationstank in Frankreich getestet. Im kommenden Jahr wollen sie einen Prototyp an den Windpark Baltic I von EnBW nördlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst anschließen. Die Einspeisegenehmigung liegt nach Unternehmensangaben bereits vor.

Schwierige Finanzierung

Die Plattform (Typenbezeichnung Gicon SOF) soll inklusive ihres sogenannten Schwergewichtsankers aus Beton in einem Hafen montiert und in Gänze aufs Meer geschleppt werden. Dort sollen Techniker den Anker auf den Meeresgrund ablassen. Mit diesem Verfahren lasse sich die Installationszeit auf See auf vier Wochen verkürzen, sagt Gicon Sprecher Jan Claus. „Das senkt Kosten für Hafen, Logistik, Produktion. Es senkt ebenfalls die CO2 Emission.“

Gicon kooperiert mit dem Fraunhofer Institut IWES, der Universität Rostock und der TU Bergakademie Freiberg und erhält Gelder aus der EU-Regionalförderung. Aussicht auf von großen Investoren finanzierte Projekte wie in Schottland besteht bisher jedoch nicht.

100 Meter Tiefgang

Hinter dem 30 Megawatt-Projekt Hywind in der Nähe der schottischen, durch Nordse-Erdöl reich gewordenen Stadt Aberdeen stehen der norwegische Ölkonzern Statoil und die Ökostadt-Entwicklungsgesellschaft Masdar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die fünf Hywind- Windkraftanlagen des Herstellers Siemens Gamesa fußen auf je einem zylindrischen Schwimmkörper mit 100 Meter Tiefgang.

Auch in Frankreich, Italien, Griechenland, Dänemark, den Niederlanden und Japan wird mit schwimmenden Windkraftanlagen experimentiert.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Offshore | Windenergie | Windkraftanlage
Ressorts:
Technology | Markets

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