Erneuerbare Energien
18.07.2020

Schwierige Standort-Suche auf See

Foto: Istock
Auf computergenerierten Fotos ist von Umweltproblemen bei der Windkraft auf See nichts zu ahnen

Den starken Ausbau von Wind aus See finden fast alle gut - dennoch steht die Suche nach neuen Standorten in der Nord- und Ostsee vor Hindernissen.

Nach dem Regierungsbeschluss zu einem stärkeren Ausbau der Offshore-Energie müssen nun Standorte für zusätzliche Windparks in Nord- und Ostsee gefunden werden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat einen Vorentwurf für einen neuen Flächenentwicklungsplan vorgelegt, zu dem Verbände und Behörden noch bis Montag Stellung nehmen können. In dem Plan sollen die möglichen Standorte und der zeitlichen Ablauf des Ausbaus bis 2030 festgelegt werden.

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Nach dem Willen der Bundesregierung soll sich die Leistung der Windenergie vor den Küsten von Nord- und Ostsee in den nächsten 20 Jahren verfünffachen. Derzeit sind laut Bundesamt rund 1500 Anlagen mit einer Leistung von 7.500 Megawatt in den Küstengewässern und der Ausschließlichen Wirtschaftszone installiert. Bis 2030 sollen es 20.000, zehn Jahre später 40.000 Megawatt sein.

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Von Umweltverbänden kommt neben Kritik auch Zustimmung. Greenpeace begrüßte das Ziel auf 20.000 Megawatt bis 2030. "Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Windenergie auf See ist für das Erreichen der Energiewende- und Klimaziele von großer Bedeutung", erklärte Meeresexperte Thilo Maack. Auch eine Verdoppelung des Ziels auf 40.000 Megawatt bis 2040 lehnt Greenpeace nicht grundsätzlich ab. "Wir verstehen, dass über 2030 hinaus für alle beteiligten Akteure eine Planungs- und Investitionssicherheit gewährleistet sein muss. Jedoch muss der Ausbau naturverträglich und innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen erfolgen", so Maack.

Umweltverband: Keine Rammtechnik beim Bau

Der Umweltverband BUND fordert, beim Bau der Windräder auf die Rammtechnik zu verzichten, um die Schweinswale zu schützen. Gegen den Ausbau an sich hat der BUND aber nichts: Langfristig sei ein Potenzial von 30.000 Megawatt Leistung und ein Ertrag von 120 Terawattstunden erschließbar, heißt es in einer Stellungnahme.

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger hatte den Beschluss des Bundeskabinetts Anfang Juni dagegen als Schnellschuss und falsches Signal bezeichnet. "Ein solcher Ausbau wäre nicht naturverträglich umsetzbar und nicht vereinbar mit dem Naturschutzrecht", sagte der Nabu-Chef. Die Leiterin des WWF-Meeresschutzzentrums in Hamburg, Heike Vesper, kritisierte, bei einem Ausbau auf 40.000 Megawatt bis 2040 drohten mehr als 50 Prozent der Fläche für bedrohte und geschützte Vogelarten verloren zu gehen.

Fischer wollen Fangverbot kippen

Kritik kommt auch vom Deutschen Fischereiverband, der den Verlust von Fanggebieten beklagt. "In Deutschland sind wir besonders benachteiligt, weil in deutschen Windparks die Fischerei kategorisch ausgeschlossen wird", erklärte ein Verbandssprecher. In Dänemark und Großbritannien sei der Fischfang in Windparks unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Das Verbot in Deutschland mindere die finanziellen Ausgleichszahlungen, die die Betreiber der Windparks erbringen müssen. Dabei könne es um zweistellige Millionenbeträge gehen.

Der neue Flächenentwicklungsplan soll nach einer weiteren Erörterung mit Behörden und Verbänden Ende des Jahres verabschiedet werden. Dann müssen die ausgewiesenen Flächen vom BSH voruntersucht und bei Eignung von der Bundesnetzagentur versteigert werden, damit die Betreiber die Planfeststellungsanträge beim Bundesamt stellen können.

Bundesamt will alle Belange prüfen

"Mit den 20.000 Megawatt bis 2030 nimmt Offshore-Wind richtig Fahrt auf", sagte der Leiter der Abteilung Ordnung des Meeres im Bundesamt, Nico Nolte. Von der Versteigerung der Flächen bis zur Inbetriebnahme der Anlagen vergingen in der Regel fünf Jahre. Bis 2025 sollen insgesamt 10.800 Megawatt am Netz sein. Dann müssen noch gut 9.000 Megawatt bis 2030 hinzukommen. Das BSH werde alle Belange sorgfältig prüfen, versicherte Nolte.

Neben Umweltaspekten spielen dabei auch die Sicherheit der Schifffahrt und die Frage des Stromertrags eine Rolle. Windräder beeinflussen sich gegenseitig. Direkt hinter einer Anlage ist die Ausbeute für die weiteren Windräder geringer. Wie viele Megawatt an Leistung auf einem Quadratkilometer installiert werden können, will das Bundesamt in einem Konsultationsprozess klären.

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jst/dpa
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Offshore Windenergie | Umweltschutz | Energiewende
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