USA
08.06.2016

Silicon Valley gegen Donald Trump

Fotos: Wikipedia
Der Sitz von Intel in Kalifornien. Intel-Chef Brian Krzanich soll ein für vergangene Woche geplantes Spendendinner für Trump abgesagt haben

Der Multimilliardär stößt bei den meisten High-Tech-Firmen auf offene Ablehnung. Aber auch Hillary Clinton, die am Super-Tuesday diese Woche viermal siegte, tut sich im Silicon Valley schwer.

Donald Trump siegte am Super Tuesday diese Woche in allen sechs US-Bundesstaaten. Der Unternehmer hatte zwar ohnehin schon die nötigen Stimmen für seine Nominierung erreicht, war aber trotzdem auch in Kalifornien bis zuletzt in den Wahlkampf gezogen und hatte dort teils heftige Proteste ausgelöst. In dem liberalen Golden State mangelt es dem Multimilliardär an der Unterstützung von Latinos und Afroamerikanern, aber auch vielen gebildeten weißen Wählern. Vor allem im finanzkräftigen Silicon Valley hat er viele Gegner. Die Technologie-Firmen tun sich allerdings auch mit Hillary Clinton schwer. Während Barack Obama die Herzen der Unternehmer nur so zuflogen, können sie sich für die demokratische Kandidatin nicht so recht erwärmen. Ein Vergleich der Analyse-Plattform Crowdpac.com zeigt, dass die Demokratin bisher Spenden von rund 2.000 Beschäftigten in Höhe von 2,6 Millionen Dollar aus der Technologie-Branche erhalten hat. Deutlich mehr Support bekam Bernie Sanders mit sechs Millionen Dollar von rund 33.000 Spendern. Trump musste sich dagegen mit rund 21.000 Dollar von 52 Personen begnügen. 

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Der Multi-Milliardär hat sich im Valley mit seinen Anti-Positionen zu Immigration, Außenhandel und Datenverschlüsselung wahrlich keine Freunde gemacht: Als sich Apple-Chef Tim Cook weigerte, dem FBI Zugang zum iPhone eines der San Bernardino-Attentäter zu geben, forderte Trump zum Boykott von Apple-Produkten auf. Außerdem kritisierte er Amazon-Chef Jeff Bezos für den Kauf der Washington Post, die dieser nutze, um Steuern zu sparen und gegen ihn, Trump, Stimmung zu machen. Vor allem sind es aber auch Trumps Angriffe auf Minderheiten wie Latinos, Frauen und Moslems, die den Technologie-Firmen gegen den Strich gehen – schließlich machen sie sich für eine Immigrationsreform stark und bemühen sich um mehr Diversität bei ihrer größtenteils weißen, männlichen Belegschaft.

 

Internet-Giganten bemühen sich um Neutralität

Kein Wunder, dass niemand in der Industrie gerne mit Trump in Verbindung gebracht werden will. Intel-Chef Brian Krzanich soll ein für vergangene Woche geplantes Spendendinner für Trump abgesagt haben, nachdem die New York Times Wind davon bekam. Tesla-Chef Elon Musk sprach sich bereits bei einer Konferenz im Herbst gegen den Republikaner aus: „Ich habe eigentlich keine eindeutige Position, abgesehen davon, dass Trump hoffentlich nicht von den Republikanern nominiert wird“, sagte er. Angesichts Trump's Leugnung des Klimawandels und seiner Ablehnung von erneuerbarer Energie ist das nicht überraschend. Die Chefin von Hewlett Packard, Meg Whitman, versicherte ebenfalls, Trump auf keinen Fall zu unterstützen, obwohl sie selbst Republikanerin ist. Allerdings will sie auch die Demokraten leer ausgehen lassen. Oracle-Gründer Larry Ellison hingegen ist Marco-Rubio-Fan: Er spendete vier Millionen Dollar an Gruppen, die hinter dem Republikaner stehen, bevor dieser aus dem Rennen ausschied. 

Die Giganten Microsoft, Google und Facebook bemühen sich um eine neutrale Linie:  Microsoft kündigte an, beide Parteien mit Technik zu unterstützen, die Demokraten sollen für Einzelinitiativen allerdings zusätzliche Geldspenden erhalten. Google hält daran fest, die Parteitage von Demokraten und Republikanern live zu übertragen. Facebook wiederum sicherte beiden Parteien finanzielle und sonstige Unterstützung zu, Gründer Mark Zuckerberg hielt jedoch im April eine Rede, bei der er Donald Trump nicht namentlich erwähnte, seine Positionen Thema Einwanderung aber scharf kritisierte. Einzig der Paypal-Mitbegründer und frühe Facebook-Investor Peter Thiel hat Trump offen seine Unterstützung ausgesprochen und sich für den Nominierungsparteitag der Republikaner als Trumps Delegierter aufstellen lassen. 

Und Hillary Clinton? Die Ex-Außenministerin hatte sich kurz nach ihrem Wahlsieg im Bundesstaat New Jersey zur Siegerin bei den Domokraten erklärt. „Es ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, dass eine Frau die Kandidatin einer großen Partei sein wird“, sagte sie unter dem Jubel ihrer Anhänger auf einer Kundgebung in New York. Clinton gratulierte ihrem Konkurrenten Bernie Sanders zu dessen Wahlkampf, der vor allem viele junge Leute begeistert habe. Sanders, der in North Dakota und Montana gewann, will allerdings immer noch nicht aufgeben und hofft auf die Stimmen der Super-Delegierten, die beim Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli – zumindest theoretisch – noch für ihn stimmen könnten. Sanders-Anhänger haben freilich auch eine alternative Option: Donald Trump lud sie am Abend des Super Tuesday ein, sich auf seine Seite zu schlagen.

 
Jutta Maier
Keywords:
USA | Hillary Clinton | Donald Trump | Silicon Valley | Super-Tuesday
Ressorts:
Governance

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