Photovoltaik
19.09.2016

Sonnenstrom und Sellerie

Fotos: Fraunhofer ISE

Doppelte Ernte: Auf einem Acker am Bodensee soll Sonnenstrom produziert werden – und gleichzeitig Weizen, Sellerie und Gras wachsen. Möglich wird dies durch doppelseitige Module.

 

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Im Zuge der Energiewende wächst die Zahl der Photovoltaikanlagen auf deutschem Boden. Wenn der Grünstromanteil weiter steigen soll, konkurrieren Grünstromfans und Bauern um Acker- und Bauflächen. Ein neues Projekt soll beide Parteien miteinander versöhnen. Auf einer Fläche von 2,5 Hektar will Landwirt Thomas Schmid von der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach künftig beides ernten: Sonnenenergie und Sellerie.

Möglich macht das eine soeben am Bodensee eingeweihte neue Solaranlage. Deren Module sind in fünf Metern Höhe angebracht. Damit bleibt genug Platz für die Maschinen zur Saat und Ernte von Gemüse und Getreide. Bis 2019 will Landwirt Schmid unter der PV-Anlage neben Sellerie auch Weizen, Kleegras und Kartoffeln anbauen.

 

Kollektoren mit zwei Seiten

Ein Novum bei den Solarmodulen soll dafür sorgen, dass die Doppelnutzung der Fläche funktioniert: Die Module können nicht nur die auf die Anlage fallende Sonne in Strom umwandeln. Über die Rückseite nehmen sie zusätzlich die reflektierte Strahlung der Umgebung auf. Damit steigt der Energieertrag pro Fläche, das einfallende Licht verteilt sich gleichmäßig auf die darunter liegenden Pflanzen. Insgesamt soll die Anlage mit einer installierten Leistung von 194 Kilowatt Peak genug Strom für 62 Haushalte produzieren, den überschüssigen Strom nimmt der regionale Versorger ab.

„Angesichts des dynamischen, weltweiten Wachstums der Photovoltaik im letzten Jahrzehnt und dem damit verbundenen steigenden Flächenbedarf für PV-Anlagen, erlauben innovative Konzepte wie die Agrarphotovoltaik eine Doppelnutzung agrarischer Flächen“, sagt Projekt- und Institutsleiter Eicke Weber vom Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme (ISE). Das ISE koordiniert das von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) geförderte Projekt. Eine Kontrollfläche ohne Grünstromanlage soll bis 2019 zeigen, ob das Vorhaben den gewünschten Erfolg bringt. 

Jana Kugoth
Keywords:
Photovoltaik | Landwirtschaft | Solarmodule | Solarkollektoren | Ackerbau | Fraunhofer ISE
Ressorts:
Technology

Kommentare

Fragen zum Test-Umfeld von "Sonnenstrom und Sellerie":
1. wie wird eine möglichst gute "Agrar-Zugänglichkeit" des Bodens unter den Solarmodulen erreicht?
2. welche PV-Technik wird für die "Unten"-PV-Leistung eingesetzt?
3. Gibt es Erwartungs- bzw. Vergleichszahlen zur Wirtschaftlichkeit der "Unten-"PV
4. wie wird der "Unten"-PV-Leistungsanteil in Abhängigkeit von der Bepflanzung vergleichbar ermittelt? die Testanlage hat ja einen relativ großen Bodenflächenanteil ohne Bewuchs/mit hellem Bodenbelag - ist wohl nicht gut vergleichbar mit realen Verhältnissen.
Frreundliche Grüße,
E. Streifinger

Hallo Herr Streifinger,

die BayWa r.e. Solar Projects hat diese Anlage errichtet. Ich kann Ihenn daher zu Ihren Fragen wie folgt antworten:
1. das Foto ist irreführend, da es noch die Baumatten zeigt, die wir zur Schonung des Ackerbodens dort während der Baustellenphase ausgelegt hatten. Der Acker ist nach der Fertigstellung frei zugänglich.
2. Es handelt sich um sog. bifaziale Module (bifacial=zweigesichtig). Die Rückseitenfolie wird durch Glas ersetzt, sodass auch reflektiertes Licht in Strom umgesetzt werden kann.
3.Bifaciale Module erbringen bis zu 15% mehr Ertrag als gewöhnliche Module.
4. Der Bodenflächenverbrauch der Anlage ist wesentlich geringer als bei gewöhnlichen Anlagen, eben weil 98% der Ackerfläche (2% Abzug wegen der Stelzen) voll umfänglich für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen.Das ist ja die Ursprungsidee dieses Konzepts.

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich auch gerne direkt an meinen Kollegen Edgar Gimbel wenden, er hat dieses Projekt von seiten der BayWa aus geleitet: Edgar.Gimbel@baywa-re.com

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Benedikt Ortmann
Geschäftsführer
BayWa r.e. Solar Projects GmbH

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