Erneuerbare Energie
13.10.2017

Speicher-Start-up Sonnen greift Tesla in den USA an

Foto: sonnen
Sonnen-Vertriebschef Philipp Schröder

Der Speicher-Anbieter Sonnen aus dem Allgäu stattet eine kleine Stadt in Arizona vollständig mit PV-Anlagen und Batterien aus. Das Heimspeicherprojekt „made in Germany“ ist das größte in den USA.

Es ist nicht der Auto- und Batteriehersteller Tesla, der die 3.000 Häuser des Städtchens Jasper in Arizona mit Batterien und Photovoltaik-Anlagen versorgt. Sonnen, ein kleines Start-up aus dem Allgäu, steht hinter dem Projekt. Nun wollen die Deutschen den US-Pionier mit seinen eigenen Waffen schlagen. „Wer eine Idee hat, sollte nicht rumsitzen und quatschen. Sondern sofort rausgehen“, so beschreibt Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing von Sonnen, was er sich von seinem früheren Arbeitgeber abgeschaut hat: Tesla. Bis 2015 war Schröder dort Deutschland-Vertriebschef.

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Alle 3.000 Häuser der neu entstehenden Gemeinde in Prescott Valley im US-Bundesstaat Arizona werden ihren Strom mit Photovoltaik-Anlagen selbst produzieren und speichern, außerdem sind sie miteinander vernetzt. Realisiert wird das Konzept von dem Hausbauer und Stadtplaner Mandalay Homes. Nach Angaben von Sonnen ist es das momentan größte Heimspeicherprojekt in den USA.

Virtuelles Kraftwerk

Es ist dasselbe Prinzip, nach dem Sonnen bereits eine „Community“ aus PV-Heimspeichern in Deutschland aufgebaut hat. Dadurch entsteht ein virtuelles Kraftwerk mit einer Kapazität von 23 Megawatt-Stunden und 11,6 Megawatt Leistung. Es fungiert als Puffer, der Energie in Zeiten hoher Produktion aus dem Netz aufnimmt. Später gibt er sie wieder ab, wenn der Verbrauch sehr hoch ist. Damit kann die „Sonnen-City“ auch das öffentliche Stromnetz unterstützen. 

„Das ist die Stadt der Zukunft, in der alle Bewohner ihre Energie selbst erzeugen, speichern und sich untereinander vernetzen können. Dass wir im Heimatmarkt von Tesla dieses Projekt realisieren konnten, zeigt, dass wir technologisch im Bereich Energie an Tesla in den USA vorbeiziehen“, sagt Schröder selbstbewusst.

Smart-Home-Steuerung integriert

Die Batterien des US-Projektes sollen zudem mit einer Smart-Home-Steuerung verbunden werden. So kann der Solarstrom in jedem Haus nicht nur gespeichert, sondern auch auf Klimaanlagen, Beleuchtung oder andere Lasten verteilt werden. Die Bewohner sollen durch niedrige Stromrechnungen profitieren – schließlich produzieren sie einen Großteil ihrer Energie selbst. Außerdem wird der neue Ort laut Sonnen dank seiner dezentralen Versorgungsstruktur weniger anfällig für Stromausfälle sein.

Bisher war Sonnen nur in Europa und Australien aktiv, für die USA fehlte dem Unternehmen eine eigene Energieversorger-Lizenz. Doch indem es seine Technologie nur auf dem Gelände der Stadt verwendet und nicht auf der Seite des öffentlichen Netzes, kann es das bestehende Monopol der Versorger umgehen.

Blockchain-Technologie vernetzt Batterien

In Deutschland ist das Start-up dabei, bis zum Frühjahr 2018 rund 6.000 PV-Heimspeicher miteinander zu verbinden, um die Flexibilität im Stromnetz zu erhöhen. Mit an Bord sind der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und der IT-Riese IBM. Bei dem gemeinsamen Projekt setzen sie auf die Blockchain-Technologie, um die Batterien miteinander zu vernetzen. Die Blockchain wurde im Rahmen der Kryptowährung Bitcoin entwickelt – als webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem.

Die Technologie gilt als Schlüssel zur Integration von Milliarden von Geräten, um ein dezentrales Netzwerk aus Erzeugern, Speichern und Verbrauchern zu schaffen. Eine stärkere dezentrale Energieversorgung hat viele Vorteile: Sie ermöglicht es, Bürger an der Energiewende zu beteiligen, gleicht aber auch die Risiken beim Ausbau der Übertragungsnetze und der Entwicklung von Speichertechnologien aus.

Jutta Maier
Keywords:
Photovoltaik | PV | Batterien | Heimspeicher | sonnen | Tesla | USA
Ressorts:
Technology | Markets

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