EEG
11.10.2016

Streit um Energie-Extrakosten

Foto: Gutzemberg / iStock.com
Den Ausbau der Erneuerbaren gibt es nicht umsonst. Das hat Streitpotential.

Die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beklagten Kosten der Energiewende von 520 Milliarden Euro bis 2025 schlagen medial hohe Wellen. Das Berliner Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hält dagegen: Konventionelle Energien sind sogar noch teurer, bloß bleiben die Kosten bisher versteckt.

Im Jahr 2025 wird die Energiewende 520 Milliarden Euro gekostet haben, ausgehend vom Jahr 2000. Das besagt eine am Montag vorgestellte Studie des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (Dice). Das wären durchschnittlich knapp 28 Milliarden Euro pro Jahr. Eine gewaltige Zahl, die direkt für mediale Furore sorgte, auch im Hinblick auf die für Freitag erwartete Erhöhung der EEG-Umlage von 6,4 Cent auf einen geschätzten Betrag zwischen sieben und acht Cent pro Kilowattstunde. 

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Gleichzeitig veröffentlichte das Berliner Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) eine Studie zu den versteckten Kosten, welche die Gesellschaft für die konventionellen Energieformen zu tragen habe: 38 Milliarden pro Jahr.

 

Konventionelle-Energie-Umlage

Während die Kosten bei den Erneuerbaren für die Verbraucher durch die EEG-Umlage klar ersichtlich seien, fehle diese Transparenz bei der fossilen und atomaren Energieerzeugung, sagen die Analysten des FÖS. „Stromkunden müssten 2017 auf jede verbrauchte Kilowattstunde eine Konventionelle-Energien-Umlage von bis zu 10,8 Cent zahlen, wenn die versteckten Kosten in den Strompreis eingerechnet würden“ heißt es in ihrer Studie, die sie im Auftrag des Grünstromanbieters Greenpeace Energy erstellt haben. 

Neben den Endlager- und Rückbaukosten für Atomkraft sind auch Klimawandel, Umwelt- und Gesundheitsschäden durch fossile Anlagen finanziell kostspielig für die Gesellschaft, sagt das FÖS. Zudem profitierten Kohle- und Atomindustrie von staatlichen Finanzhilfen, Förderungen und Steuervergünstigungen, bezahlt aus dem Bundeshaushalt.

 

Teurer Netzausbau

Das Dice, personell selbst FDP-nah, hat seine Studie für die marktliberale Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erarbeitet. Ihre Kritik gilt nicht versteckten, sondern sogenannten indirekten Folgekosten: Durch den Ausbau der Übertragungs- und Verteilungsnetze, die Offshore-Haftungsumlage oder den Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung. 

Hauptkritikpunkt bleiben jedoch das EEG und seine Umlage. Bis 2015 hat die Energiewende laut INSM und Dice etwa 150 Milliarden gekostet, wovon die Umlage den Löwenanteil ausgemacht habe. Dieser Betrag wird sich ihrer Ansicht nach nun innerhalb von neun Jahren mehr als verdreifachen. Das ist das Ergebnis ihrer Kostenkalkulation für die genannten Ausbau-Arbeiten und erwarteten weiteren Steigerungen der EEG-Umlage.

 

Umlage auf Alles

Sowohl Annahmen zu versteckten Kosten der atomaren und fossilen Energien, als auch jene über die Investitionshöhen und Umlagen-Anstiege für klimafreundliche Alternativen, sind zwangsläufig Schätzungen. Zumindest über das Bestehen fundamental unterschiedlicher Erwartungen an Ordnungspolitik kann dagegen kein Zweifel herrschen.

Die INSM glaubt an den Markt und will reinen Wettbewerb – EEG-Umlage und Finanzhilfen für Erneuerbare sollten abgeschafft und durch Emissionshandels-Mechanismen ersetzt werden. 

Akteure wie der Bundesverband Neue Energiewirtschaft dagegen, denen die steigende Umlage auch Sorgen bereitet, würden lieber sämtliche Energieträger mit der Abgabe belasten. Würde man zusätzlich den Energieverbrauch im Wärme- und Verkehrssektor miteinbeziehen, könnte die EEG-Umlage auf den reinen Strompreis sogar um mehr als die Hälfte sinken, schätzen sie.

Tim Lüdtke
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