Netzausbau
07.07.2016

Streit um Netzargument

Foto: Pixabay / ariesa66 / CC0
Strommasten sind nötig, um Windenergie zu nutzen.

Das Ausbremsen der Windenergie in Norddeutschland begründet die Bundesregierung mit Engpässen im Stromnetz. Das Grünstromlager hält dagegen.

Am morgigen Freitag wird der Bundestag mit der Mehrheit von Union und SPD die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschließen. In den norddeutschen Bundesländern soll der Zubau von Windrädern künftig gedeckelt werden. In Gebieten, in denen Netzengpässe bestehen, dürfen dann nur noch 58 Prozent der bisher pro Jahr zugebauten Leistung neu errichtet werden. Dagegen wehrt sich das Erneuerbaren-Lager heftig.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer Kurzstudie Stellung zu der Frage bezogen, ob es im deutschen Übertragungsnetz überhaupt Netzengpässe gibt. Auftraggeber war die nach dem verstorbenen SPD-Politiker benannte Hermann-Scheer-Stiftung. Scheer war als Bundestagsabgeordneter im Jahr 2000 einer der Initiatoren des EEG.

 

Absage an Kostenexplosion

Darin widersprechen die Wirtschaftswissenschaftler Christian von Hirschhausen und Claudia Kemfert dem Argument der Bundesregierung, die Kosten zur Sicherung der Netzstabilität würden bei einem ungebremsten Ausbau der Windenergie von einer Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf vier Milliarden Euro im Jahr 2022 steigen. Für das laufende Jahr sei mit einer Kostenreduktion zu rechnen, weil die Ausgaben für das sogenannte Redispatch von Januar bis Mai um 28 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes gelegen haben. Redispatch meint das Abregeln von Kraftwerken vor einem Engpass im Netz und das Hochfahren von Kraftwerksleistung hinter einem Engpass. Netzbetreiber stabilisieren so das Stromsystem, Kraftwerksbetreiber müssen für entgangene Einnahmen entschädigt werden.

Wesentliche Entlastung hat der Studie zufolge die Inbetriebnahme der Thüringer Strombrücke zum Jahreswechsel gebracht. Damit sei der einzige Engpass im deutschen Übertragungsnetz behoben worden.

 

Hoffnungsträger Dynamic Security Assessment

Für den Ausbau des Stromnetzes ist allerdings weniger dessen derzeitiger Zustand maßgeblich, als vielmehr der künftige Bedarf der nächsten zehn Jahre. Der Bedarf an Übertragungsleitungen erhöht sich wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien.

Die Studie wirft den Netzbetreibern vor, nicht alle technischen Alternativen zur Verstärkung des bestehenden Netzes auszunutzen – beispielsweise leistungsfähigere Leiterseile. Die Netzausbaupläne werden von der Bundesnetzagentur geprüft und die schreibt in der Bestätigung des letzten Netzausbauplans für das Jahr 2024, dass Optimierungen des bestehenden Netzes sehr wohl berücksichtigt werden müssten, bevor der Bau neuer Leitungen genehmigt würde.

Noch unklar ist, ob der Einsatz neuer Technik die Übertragungskapazität der Netze erhöhen könnte. Der Industriekonzern ABB verweist beispielsweise darauf, dass die sogenannte FACTS-Technologie die Leistung von Leitungen in Peking um 40 Prozent erhöht habe.

Der Technikriese Siemens ist in der Lage, die Leitstellen der Netzbetreiber auf dynamische Echtzeitverfahren (Dynamic Security Assessment) umzurüsten. Damit soll der tatsächliche Zustand des Netzes permanent überwacht werden können und die Netzbetreiber erhalten automatische Vorhersagen, wann netzgefährdende Situationen drohen sowie automatische Vorschläge für Gegenmaßnahmen. 

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Windenergie | Netzausbau | Netzausbaugebiet | Dynamic Security Assessment
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