Mobilität
18.02.2016

Strom zum Mitnehmen

Foto: ubitricity
Stromtanken an der Straßenlaternen mit dem intelligenten Ladekabel.

Um die E-Mobilität in Schwung zu bringen, setzt das Berliner Start-up ubitricity auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Mit einem neuen Geschäftsmodell für Stadtwerke sollen E-Autofahrer künftig überall Strom zum gleichen Tarif tanken können.

 

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Der Berliner Hersteller von intelligenten Ladekabeln will das Stromtanken für E-Autofahrer erleichtern – und setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit Stadtwerken.

Die Jungunternehmer kommen mit ihrer Idee zur richtigen Zeit. Die Bundesregierung sucht fieberhaft nach einem Plan, das Regierungsziel von einer Million E-Autos auf Deutschlands Straßen bis 2020 doch noch zu erreichen. Bis März will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gemeinsam mit den großen Autokonzernen hierfür ein Konzept vorlegen. Im Gespräch ist unter anderem eine Kaufprämie in Höhe von 5.000 Euro.

Niklas Schirmer hält von einer reinen Kaufprämie nicht viel – und setzt bei der Verkehrswende auf sein Geschäftsmodell zum Ausbau der Ladeinfrastruktur. „Sonst bleiben wir beim Henne-Ei-Problem hängen: Ohne Ladesäulen keine E-Autos, und ohne E-Autos keine Ladesäulen.“ Auch Player wie Tesla, Google oder Apple werden den Markt aufmischen, ist er überzeugt.

Die Stadtwerke Iserlohn im Sauerland machen seit einem Jahr vor, wie das von ubitricity entwickelte Geschäftsmodell aussieht. Seit März 2015 können E-Autofahrer an 20 verschiedenen Orten in Iserlohn zu dem von ihnen ausgewählten Stromtarif tanken. Die Abrechnung erfolgt über das intelligente Ladekabel von ubitricity. Das können die Autofahrer zu jedem Ladepunkt mitnehmen.

„Dabei ist egal, wo der Kunde sein E-Auto an eine Stromtankstelle anschließt – vergleichbar mit einem Mobilfunktarif,“ erklärt Niklas Schirmer, Bereichsleiter Energiewirtschaft bei ubitricity. „Der gilt auch überall – egal, ob der Kunde gerade in Iserlohn, Berlin oder Stuttgart ist.“

Am Ende des Monats erhalten die Kunden eine Abrechnung für die Ladevorgänge von den Stadtwerken Iserlohn. Die Rechnungen mit den Ladevorgängen und eine Übersicht über das Ladenetz sind aber auch jederzeit online am PC oder per App einsehbar.

Das Modell aus dem Sauerland ist auch für alle anderen Stadtwerke denkbar. „Unser System übernimmt für die Stadtwerke die Autorisierung, Freischaltung und die Datenübermittlung zur Rechnungsstellung“, sagt Schirmer von ubitricity. 

Weitere Stadtwerke hätten schon angefragt. Schrimer rechnet mit vielen Neukunden in diesem Jahr. Denn die Lösung ist laut ubitricty vergleichsweise kostengünstig. „Ein Kabel ist aktuell für rund 600 Euro zu haben, die auf eine einfache Steckdose reduzierte Ladestelle bieten wir für rund 400 Euro an“. Die Steckdose passe für fast alle gängigen Stecker. 

Zum Vergleich: Eine einzelne Ladesäule mitsamt integrierter Mess- und Zähltechnik kostet dagegen mindestens 10.000 Euro. 

Ubitricity ist in Berlin mit E-Auto-Ladepunkten an Straßenlaternen bekannt geworden. Das Berliner Start-up hatte in Zusammenarbeit mit Stromnetz Berlin intelligente Stromzähler in Leuchtmasten eingebaut. Auch hier funktioniert das elektrische Tanken nach dem Prinzip eines Mobilfunkvertrags

 

 

Jana Kugoth
Keywords:
E-Mobilität | Ubitricity | Ladesäulen | Infrastruktur | Stadtwerke
Ressorts:
Markets

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