Eurostat-Bilanz
07.05.2020

Strompreis stieg 2019 nur leicht an

Foto: Istock
Soll die EEG-Umlage in diesem Jahr gesenkt werden?

In der EU sind die Strompreise im Vergleich der ersten Halbjahre von 2018 zu 2019 nur um 1,3 Prozent gestiegen. In Deutschland aber sorgt der vergleichsweise hohe Strompreis für eine Debatte um die EEG-Umlage.

Umgerechnet 21,6 Cent im Schnitt kostete für Haushalte in den 27 EU-Staaten die Kilowattstunde im ersten Halbjahr 2019. Das sind 1,3 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag mit. Das Plus liege, so Eurostat weiter, in der Größe der Inflationsrate.

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Die Spannbreite des Haushalts-Strompreises ist dabei erheblich und reicht für die Kilowattstunden von 10 Cent in Bulgarien bis zur 30 Cent in Dänemark, Belgien und Deutschland.

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Gemessen an der Kaufkraft der Bevölkerung zeigt sich ein anderes Bild: Hier lagen die Strompreise für die Haushalte in Finnland und Luxemburg am niedrigsten, gefolgt von Malta, Frankreich, Schweden, Estland sowie Ungarn und den Niederlanden. Die höchsten Preise sind demnach in Rumänien, Deutschland, Spanien, Portugal, Belgien, Tschechien und Zypern zu zahlen. Eurostat bemisst dies nach so genannten Kaufkraftstandards (KKS), einer Kunstwährung, die Preisunterschiede zwischen den Ländern ausgleicht.

Debatte um Senkung der EEG-Umlage in Deutschland

Auch beim Anteil von Steuern und Abgaben am Strompreisen für Haushalte gab es zwischen den EU-Staaten große Unterschiede. Während im zweiten Halbjahr 2019 in Dänemark der Strompreis zu zwei Drittel aus staatlichen Aufschlägen bestand, betrug dieser Anteil in Deutschland 54 Prozent und lediglich 6 Prozent in Malta. Im Schnitt hatten Steuern und Abgaben einen Anteil von 41 Prozent am Haushaltstrompreis in der EU.

Der in Deutschland vergleichsweise hohe Strompreis ist zuletzt wieder heftig diskutiert worden. So schlägt der Thinktank Agora Energiewende innerhalb eines 100-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramms vor, die EEG-Umlage ab Mitte dieses Jahres dauerhaft um 5 Cent zu senken. Die endgültige Fassung des Programms will Agora Energiewende am kommenden Montag veröffentlichen.

Die Grünen griffen diesen Vorschlag auf und beschlossen auf ihrem Parteitag eine Absenkung der EEG-Umlage um fünf Cent ab Juli 2021 sowie eine umfassende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Mittelfristig will die Partei das aus dem nationalen CO2-Festpreis finanzieren. Bis dieser genug einbringt, soll die Senkung über den Bundeshaushalt gegenfinanziert werden.

Corona-Krise könnte für Defizit auf EEG-Konto sorgen

Im Vorfeld des Treffens der Energieminister am Montag hatten auch die Bundesländer eine ähnliche Senkung der EEG-Umlage ins Spiel gebracht. Sie sprachen aber nicht von einer Verringerung, sondern von einer Stabilisierung der Umlage bei 2 Cent die Kilowattstunde - aktuell beträgt diese 6,75 Cent.

Zugleich werden Befüchtungen laut, die EEG-Umlage könnte 2021 deutlich auf 8,25 Cent steigen. Hintergrund ist die zurückgehende Stromnachfrage im Zuge der Coronakrise. Zugleich speisten seit Jahresbeginn Windkraft und Photovoltaik viel Strom ins Netz ein - der Strompreis an der Börse lag wiederholt sogar stundenlang im negativen Bereich. Das wiederum führt zu steigenden EEG-Kosten. Einige Analysten beziffern das zum Jahresende drohende Minus auf dem EEG-Konto auf 3,3 bis nahezu acht Milliarden Euro. Ende März hatte das EEG-Konto noch ein Guthaben von 1,9 Milliarden Euro aufzuweisen.

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Jörg Staude
Keywords:
Strompreis | Eurostat | EEG-Umlage
Ressorts:
Markets
 

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