Elektromobilität
17.04.2020

Studie: Engpässe an E-Tankstellen ab 2022 möglich

Foto: iStock
Autofahren mit Ökostrom – in der Theorie eine tolle Sache.

Nach der Pandemie könnte sich die Autobranche mit der E-Mobilität und einer aufgestockten Kaufprämie aus der Krise ziehen. Doch dabei könnten öffentliche Ladesäulen fehlen, legt eine im Auftrag des Energieversorgers EnBW erstellte Studie nahe.

vorherige SeiteSeite 1Seite 2

Das Kriterium "verdichtete Wohnräume mit Mehrfamiliengebäuden" reicht dabei aber nach Ansicht der Studienautoren nicht aus, um die fehlende Verfügbarkeit von Ladepunkten zu einem Problem werden zu lassen. Ein "kritisches Verhältnis" von privater Ladeinfrastruktur zu E-Fahrzeugen sei vor allem in "kaufkraftstarken Regionen" zu erwarten. Klar, so ein E-Auto ist nicht ganz billig, trotz Umweltprämie.

Anzeige

In den Regionen rechnet EnBW-Vertriebschef Timo Sillober bereits ab 2022 "mit Engpässen an öffentlich zugänglichen Ladestationen". Für den Dena-Chef Andreas Kuhlmann bedarf es deswegen "gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehr-Parteien-Gebäuden leben, eines zügigen Zubaus an öffentlicher Ladeinfrastruktur". Daran sollte sich der Einsatz von Fördermitteln orientieren, teilt die Dena mit.

Anzeige

Plattenbausiedlungen werden davon voraussichtlich eher nicht profitieren. Laut der Studie könnten bei einem normalen Hochlauf der E-Mobilität zum Beispiel in München bereits 2022 die privaten Ladekapazitäten in Mehrfamilienhäusern erschöpft sein. Ab 2025 seien dann etwa 15 Landkreise betroffen, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Die Kriterien "viel Kaufkraft" und "verdichtete urbane Gebiete" tun ihre Wirkung.

Wer kann es machen?

Nach Ansicht des Ökostromunternehmens Lichtblick weist die Studie "zu Recht auf den massiven Ausbaubedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur gerade in hoch verdichteten Innenstadtgebieten hin". Gerade dort hätten Fahrzeugbesitzer keine eigenen Stellplätze und seien auf die Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum angewiesen, sagt Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking.

Ihn bewegt dabei vor allem die Frage, wer für den Ausbau der öffentlich zugänglichen E-Ladestruktur sorgen kann. Nach Lückings Ansicht könnte dies der örtliche Stromnetzbetreiber am besten. Der wisse, wo die Leitungen liegen und welche Kapazitäten zur Verfügung stehen oder ergänzt werden müssen. Dorthin müssten dann auch die Fördergelder fließen.

Markt offen für alle

Nach Lückings Konzept würden den Autostrom dann die Stromvertriebe liefern, die auch heute schon diese Leitungen nutzen, um die Haushalte mit Strom zu versorgen. Einfach gesagt: Der in einem verdichteten Stadtgebiet wohnende E-Autofahrer lässt sein Auto von demselben Stromanbieter laden, den er auch für sein Zuhause nutzt – und abgerechnet wird einfach über die Stromrechnung.

EnBW sieht dagegen beim Ausbau der E-Infrastruktur weder den Netzbetreiber noch den jeweiligen Grundversorger in der Verantwortung. Da gebe es auch keinen Regulierungsbedarf, sagt ein EnBW-Sprecher auf Nachfrage. Grundsätzlich sei der Markt öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur wettbewerblich geregelt und offen für alle.

Dort könnten sich verschiedene Player beteiligen und investieren – wie der Handel, Supermärkte, Raststätten und Tankstellen, Autohäuser, Eigentümergemeinschaften sowie Energieunternehmen.

Lesen Sie auch: Coronakrise dürfte Autobranche stark belasten

Lesen Sie auch: VW und Eon stellen mobile Ladesäule vor

Lesen Sie auch: Höhere Kaufprämie für Elektroautos in Kraft

Jörg Staude
vorherige SeiteSeite 1Seite 2
Keywords:
Ladesäulen | Elektromobilität | Ladeinfrastruktur
Ressorts:
Technology | Markets
 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen