Stromtrassen
26.07.2020

Thüringen gegen Suedlink Drei

Foto: Istock
Auf dem Suedlink werden Vögel sich kaum niederlassen können, weil die Trasse voraussichtlich zu großen Teil als Erdkabel gebaut wird

Um eine weitere Leitung für den geplanten Suedlink ist ein heftiger Streit unter den Bundesländern ausgebrochen.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist empört über einen Vorschlag von vier westdeutschen Bundesländern, die Suedlink-Stromtrasse mit einer zusätzlichen Leitung zu versehen. "Das bedeutet, dass sich West-Bundesländer auf dem Rücken eines Ost-Bundeslandes aus der Affäre ziehen", sagte Ramelow jetzt bei seiner Thüringentour im Kreis Sonneberg. Das finde er schändlich.

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Hintergrund ist ein Brief der Fachminister aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Darin werde vorgeschlagen, eine weitere Leitung mit der ohnehin für zwei Leitungen geplante Suedlink-Trasse zu verbinden, die auch durch Thüringen führen soll - de facto also einen "Suedlink 3" zu schaffen.

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Trassenverlauf noch nicht endgültig festgelegt

Die vier Länder sollen das damit begründen, dass die Suedlink-Trasse schmaler werde als geplant, weil unter anderem mit einer deutlich stärkeren Spannung gearbeitet werden soll.  Über die weitere Leitung sei mit Thüringen nie gesprochen worden, kritisierte Ramelow. Nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" sagte Ramelow: "Wir sind nicht das Stromklo Deutschlands". Gegen das Suedlink-Projekt, gegen das sich Thüringen im vergangenen Jahr vergeblich vor Gericht wehren wollte, machen auch Bürgerinitiativen mehr und mehr Front.

Ein Sprecher von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte, im Widerstand gegen die Suedlink-Trasse und eine mögliche zusätzliche Leitung sei sich die Landesregierung einig. Thüringen habe seinen Beitrag zum Ausbau des Stromnetzes mit einer fertiggestellten neuen Trasse, dem so genannten Suedostlink, sowie dem geplanten Ostlink bereits geleistet, so der Sprecher.

Schleswig-Holstein verwies laut "Spiegel" auf Anfrage darauf, dass der Trassenverlauf nicht endgültig festgelegt sei. Außerdem, so die West-Minister in ihrem Brief, sei eine erweiterte Trasse schneller und deutlich billiger zu realisieren als eine komplett neue in einem anderen Korridor.

Bundesnetzagentur auf Korridorsuche

Die Suedlink-Trasse soll von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg führen, durch Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Bayern. Gegner fürchten, dass darüber nicht nur Windstrom von Nord- nach Süddeutschland, sondern auch ausländischer Atom- und Kohlestrom fließen könnte. Das Investitionsvolumen beträgt laut den zuständigen Netzbetreibern Tennet und TransnetBW rund zehn Milliarden Euro.

Seit Anfang 2020 versucht die Bundesnetzagentur, einen verbindlichen Korridor für jeden der fünf Abschnitte von SuedLink zu finden. Dabei geht es darum, innerhalb eines festgelegten eintausend Meter breiten Korridors den genauen Verlauf für die Erdkabel festzulegen.

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jst/dpa
Keywords:
Netzausbau | Suedlink | Thüringen
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