Countdown zum G20-Gipfel
05.07.2017

Top-Banker: Konzerne sollen über ihre Klimawirkung berichten

Foto: Bank of England
Mark Carney ist Chef der Bank of England und Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel

Der britische Notenbankchef und Finanzstabilitätshüter Mark Carney will sich in Hamburg dafür einsetzen, dass Konzerne nicht nur über Gewinne und Verluste, sondern auch über ihre Auswirkungen aufs Klima bilanzieren.

Alle börsennotierten Unternehmen sollen in Zukunft ihre Emissions-Strategie erläutern und Kennzahlen über die Folgen ihrer Produktion sowie ihres gesamten Geschäfts für das Klima veröffentlichen. Diese langjährige Forderung von Umweltaktivisten unterstützt jetzt auch Mark Carney, Chef der Bank von England und Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.  Auf dem Hamburger G20-Gipfel will Carney das Thema vorantreiben und ein 70-seitiges Dokument mit Empfehlungen zur Veröffentlichung klimarelevanter Unternehmensinformationen vorlegen.

Anzeige*

Die Empfehlungen erarbeitete die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) unter Vorsitz des früheren New-Yorker-Bürgermeisters Michael Bloomberg, Gründer des nach ihm benannten Finanzdatenunternehmens. Um die Diskussion im Vorfeld des G20-Gipfels zu befeuern, stellte die Task Force das Dokument bereits in New York vor. Sie wurde Anfang 2016 unter dem Dach des Finanzstabilitätsrats gegründet.

Orientierung am Zwei-Grad-Klimaziel

Carney ist optimistisch, dass sich die G20 hinter die TCFD-Empfehlungen stellen: „Ich möchte zwar keiner G20-Entscheidung vorgreifen“, bekannte er im Interview mit dem Finanznachrichtensender Bloomberg. „Aber als Mitglied der G20, als ein G20-Notenbankgouverneur, als Vorsitzender des Stabilitätsrats, kann ich die Leistung von Mike Bloomberg und seines Teams nur auf Höchste loben. This is high quality."

Nach Aussagen des TCFD unterstützen mehr als 100 börsennotierte Unternehmen mit einer Markkapitalisierung von 3,5 Billionen US-Dollar sowie Finanzinstitute mit Verantwortung für ein verwaltetes Vermögen (Assets under Management) von 35 Billionen Dollar die Empfehlungen. Sie orientierten sich dabei ausdrücklich am Zwei-Grad-Klimaziel der Pariser Klimakonferenz.

Die Berichterstattungsempfehlungen spiegeln vor allem die Interessen langfristiger Anleger und Investoren wieder, insbesondere die der Pensionsfonds und Versicherer. Christian Thimann, beim Versicherungskonzern Axa Leiter für Nachhaltigkeit und stellvertretender Vorsitzender des TCFD, sagte bei der Vorstellung des Berichts in New York: „Wir beobachten Jahr für Jahr, wie Ausmaß und Häufigkeit von klimabedingten Katastrophen steigen. Eine um zwei Grad wärmere Erde mag noch finanztechnisch versicherbar sein, auf einer um vier Grad wärmeren Erde wird es uns aber nicht mehr geben.“

Gefahr auch für kurzfristig angelegte Vermögen

Der finanzielle Kollaps der Versicherer würde die gesamte Wirtschaft mitreißen, warnt Thimann, denn allein in Europa stünden die Versicherer für ein Anlagevermögen von zehn Billionen Euro. Das entspreche rund 60 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Die Verhältnisse seien in anderen Wirtschaftsräumen wie den USA ähnlich.

Ein weiteres Fazit in New York lautete: Der Klimawandel ist nicht nur ein Problem für langfristig angelegte Vermögen, sondern könnte sehr wohl auch kurzfristig angelegte Vermögen schädigen. Ähnlich wie etwa der schnell beschlossene Atomausstieg als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima am 11. März 2011.

Die TCFD betrachtet ihre Empfehlungen für die Berichterstattung klimarelevanter Unternehmensdaten als wichtigen Schritt, „um es den Marktkräften zu ermöglichen, Kapital effizienter anzulegen und den weichen Übergang in eine low-carbon economy zu unterstützen“. Die Empfehlungen der TCFD sind in vier Berichtsfelder untergliedert: Art der Unternehmensführung (Governance), Geschäftsstrategie bezüglich des Klimawandels, Management der Klimarisiken sowie Daten- und Zielerfassung.

Thomas Bauer
Keywords:
G20-Gipfel | Klimaziele | TCFD | Marc Carney | Hamburg | Green Finance
Ressorts:
Finance | Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Sommer 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Aktuelle Angebote:
» Jetzt anmelden zur 3. Runde unserer Ausschreibungssimulation Wind Onshore
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore


MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen