Interview
15.07.2020

Bioenergie-Verband: "Unser Konkurrent sind die fossilen Energien"

Foto: iStock
Biogas-Anlage in einem Maisfeld.

Das Ende der EEG-Förderung und der Klimawandel setzen Biogas-Anlagen unter Druck. Auf mehr Zubau hofft Verbandschef Artur Auernhammer. Ihn ärgert, dass derzeit viel Holz im Wald verrottet und nicht energetisch genutzt wird.

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Herr Auernhammer, die Solarbranche erreichte, dass jüngst der 52-Gigawatt-Solardeckel aus dem EEG gestrichen wurde. Die Windkraft ist den bundesweiten 1000-Meter-Zwangsabstand losgeworden – Was hat die Bioenergie als Erfolg zu verbuchen?

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Man muss es so sehen: Die Bioenergie ist nicht eine einzelne Energieform, sondern sie hat eine große Bandbreite. Bei Wind habe ich das Windrad, bei Photovoltaik die Solarzelle. Wir in der Bioenergie sind komplett breit aufgestellt – vom Biogas bis zur Holzenergie. Das ist eine riesig breite Palette. Da gibt es für jeden einzelnen Bereich spezielle Herausforderungen.

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Wie bei Solar und Wind endet für einen Teil der Bioenergieanlagen nach 20 Jahren die EEG-Förderung. Gibt es Prognosen, wieviel Megawatt Leistung da gerade bei Biogas betroffen sein werden?

Dieses Auslaufen der Förderung hat uns ja motiviert, ins Ausschreibungsmodell zu gehen. Biogas hat dann mit möglichen 16,4 Cent Höchstförderung pro Kilowattstunde eine Anschlussoption. Da reden wir aber rein über die Stromerzeugung und nicht über die Wärme, die oft in Nahwärmenetze geht. Das ist ein wichtiges Standbein für die Biogasanlagen. Die 16,4 Cent sind betriebswirtschaftlich sehr sportlich. Wir können noch nicht abschätzen, wieviel Anlagen dennoch aussteigen und wie viele die Herausforderung annehmen werden.

Verstehe ich recht: Nach 20 Jahren EEG kann sich eine Biogasanlage über die Ausschreibung eine weitere Förderung sichern?

Artur Auernhammer
Artur Auernhammer ist Vorstandschef des Bundesverbandes
Bioenergie und agrarpolitischer Sprecher der CSU im Bundestag.
Ja. Wenn ich heute als Anlagenbetreiber weiß, in zwei Jahren läuft der EEG-Zuschuss aus, dann muss ich mich um eine Anschlussförderung bemühen. Und das geht mit diesem Ausschreibungsmodell.

Der Unterschied zum Beispiel zur Photovoltaik ist: Die Solaranlage ist viel früher abgeschrieben, erwirtschaftet dann Reingewinn. Bei Biogas ist das nicht so, da entstehen ständig hohe Betriebskosten. Und die lassen sich nur mit einer Anschlussförderung kalkulieren.

Und wie lange reicht dann die Ausschreibung?

Vorgesehen sind zehn Jahre – wie es dann weitergeht, wissen wir noch nicht. Es könnten sich auch viel mehr Anlagen als bisher an den Ausschreibungen beteiligen. Der eine oder andere Anlagenbetreiber sagt uns aber schon jetzt offen: Wir werden vom Netz gehen.

Weiter gefördert übers EEG werden reine Gülle-Anlagen, allerdings nur bis zu einer Grenze von 75 Kilowatt Leistung.

Derzeit gibt es rund 9.300 Biomasseanlagen in Deutschland. Wird deren Zahl wachsen oder zurückgehen?

Wir würden gern einen gewissen Zubau ermöglichen. Aber in der Praxis überlegen eben auch viele auszusteigen. Wenn wir die derzeitige Menge halten und als grundlastfähige Energieversorgung einsetzen könnten, wäre schon viel erreicht.

Verbessern muss sich die regionale Verteilung der Biomassenutzung im Land. Da gibt es in einigen Regionen Ausbaupotential. Aber wenn es zum Beispiel in Brandenburg an Niederschlägen fehlt, dann kann ich auf der Fläche nicht soviel Biogas produzieren.

Die mit dem Klimawandel einhergehende Trockenheit behindert den Ausbau von Biogas?

Wenn keine Energiepflanzen wachsen, kann ich keine verwerten.

Aber man könnte Biogas auf Grundlage nachhaltig bewirtschafteter Blühgraswiesen gewinnen. Warum gibt sich die Branche da nicht ein Quote und sagt: Auf fünf Prozent der Fläche - und dann mit einem ansteigenden Anteil - erzeugen wir Biogas nicht aus den üblichen Energiepflanzen, sondern aus Blühwiesen?

Fakt ist nun einmal, dass man mit Mais den höchsten Energieertrag pro Fläche erreicht. Bei Biogas ist der Maisanteil derzeit aber sehr stark rückläufig. Wenn dann noch Trockenregionen oder wie derzeit der dritte trockene Sommer in Folge dazukommen, wissen wir nicht, welche Mengen wir im Herbst werden ernten können - dann steigen Winterbegrünungen und Blühflächen in der Wertigkeit. Wir haben aber schon sehr viel mit Blüh- und Randstreifen im Rahmen des Greenings innerhalb der EU-Agrarpolitik gemacht.

Inzwischen werben Investoren für Photovoltaik-Freiflächenanlage damit, dass der Energieertrag auf derselben Fläche deutlich höher ist, als wenn dort Biomasse angebaut würde. Ärgert Sie das?

Man muss sehen, dass die Freiflächen-Solaranlagen wirtschaftlich im Vorteil sind. Sie können mit ihren besseren Rahmenbedingungen wesentlich mehr Pacht für die Flächen zu zahlen.  Da haben wir zurzeit einen gewissen Konflikt da draußen. Den sollten wir schnellstens begradigen. Es geht nur mit einem Miteinander. Und unser eigentlicher Konkurrent sind die fossilen Energien.

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Keywords:
Biogas | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance | Markets
 

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