Interview
15.07.2020

Bioenergie-Verband: "Unser Konkurrent sind die fossilen Energien"

Foto: iStock
Biogas-Anlage in einem Maisfeld.

Das Ende der EEG-Förderung und der Klimawandel setzen Biogas-Anlagen unter Druck. Auf mehr Zubau hofft Verbandschef Artur Auernhammer. Ihn ärgert, dass derzeit viel Holz im Wald verrottet und nicht energetisch genutzt wird.

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Trockenheit und Waldbrände haben viele Wälder in Deutschland geschädigt, viel Totholz ist angefallen, zugleich ist der Preis für das Holz verfallen. Wie soll es da weitergehen?

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Momentan haben wir die Lage, dass vieles im Wald draußen einfach verrottet. Es herauszuholen, ist einfach unrentabel. Nutzen wir das Holz jetzt aber nicht – nicht nur als Bauholz, sondern auch energetisch – werden auch unheimliche Mengen CO2 freigesetzt. Das kann es nicht sein. Es ist immer besser, im Holz gebundenes CO2 energetisch zu nutzen als es einfach verrotten zu lassen.

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Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine Waldbauprojekte zur Klimakompensation?

Für uns ist das auch ein Lösungsansatz wie auch eine wirksame CO2-Bepreisung. Es gilt, neuen Wald auch in Regionen anzupflanzen, wo bisher noch nicht soviel Forst steht. Dabei müssen wir auch auf den Klimawandel und die Trockenheit achten. Nicht jede Baumart, die derzeit in mancher Region noch wächst, wird dies in 20 oder 30 Jahren noch tun. Wir müssen aber darauf achten, dass das, was angepflanzt wird, auch wirtschaftlich honoriert wird.

Mit der Politik streitet die Bioenergiebranche um Flexibilitäts- und anderen "Deckel". Das verstehen oft nur Spezialisten und ist in der öffentlichen Debatte kaum präsent. Ist das nicht ein Problem?

Das stimmt. Für Außenstehende ist das alles sehr undurchsichtig, für die Anlagenbetreiber aber auch eine Herausforderung. Da sind unsere Mitgliedsverbände sehr aktiv dabei, das zu begleiten.

Ihr Dachverband Bioenergie erscheint als ziemliches Konglomerat. Mitglieder sind Großorganisationen wie der Bauernverband, aber auch Anwaltskanzleien, öffentlich geförderte Forschungsinstitute sowie Erdgas- und Grubengasfirmen. Wofür steht ihr Verband eigentlich?

Für Außenstehende ist das sicher nicht immer nachvollziehbar. Einige unserer Mitglieder sind komplett am freien Markt tätig, andere machen nur die Wärme und so weiter. Da gibt es eine Riesenvielfalt und das muss man auch kommunizieren.

Wir als Dachverband verstehen uns als Ansprechpartner für die Bioenergie, die aus der Land- und Forstwirtschaft kommt. Unsere Mitwettbewerber sind nicht das Windrad oder die Solarzelle, sondern die fossilen Energieformen, die wir ersetzen wollen.

Die Kritik an der "Performance" der Bioenergie hat ihren Grund: Deutschland braucht alle erneuerbaren Quellen, um das Ziel zu erreichen, 2030 einen Anteil von 65 Prozent Ökostrom am Strommarkt zu haben.

Richtig. Um die 65 Prozent zu erreichen, brauchen wir den gesamten Instrumentenkasten der Erneuerbaren und wir dürfen uns dabei auch nicht einseitig auf die Stromproduktion konzentrieren – wir reden auch von Mobilität und von Wärme. Das Gesamtziel muss erreicht werden und das schaffen wir nur mit dieser Vielfalt.

Den künftigen Strom-Markt teilen sich Wind, Sonne und Erdgas auf, im Verkehr rücken Batterien und Wasserstoff nach vorn und selbst bei der Wärme wird der Direkteinsatz von Ökostrom über Wärmepumpen bevorzugt: Wo sehen sie künftig den Platz der Biomasse?

Unser Markt ist überall. Im Verkehr können wir - denken Sie an den Schwerlast- und den Flugverkehr - nicht alles über Batterien oder Wasserstoff abdecken, auch wenn letzterer eine größere Rolle spielen wird. Auch hier brauchen wir Vielfalt.

Auch sehe ich die Flexibilität von Wind und Sonne als noch nicht so gegeben. Die beiden können im Jahres- und Tagesverlauf die Energieversorgung nicht immer zu hundert Prozent sichern. Wenn dann noch die Wärmeversorgung erneuerbar wird, hat die Bioenergie wesentlich besseres Karten.

Die Erneuerbaren hoffen darauf, dass es nach dem Sommer ein größere EEG-Novelle geben wird – was fordert Ihr Verband dafür?

Wenn es - was ich hoffe, aber nicht garantieren kann - zu einer richtigen Novelle kommt, dann muss die Bioenergie stärker dafür honoriert werden, dass wir zu einer zeitgerechten Lieferung der Energie beitragen. Wir sind grundlastfähig - das ist der Wind nicht und das ist Solar nicht, aber das sind wir von der Bioenergie. Und die Kombination aller sorgt dann für die Versorgungssicherheit im Lande.

Auch die Reststoffverwertung ist besser zu honorieren. Der 75-kW-Deckel bei der Gülle gehört abgeschafft. Dann könnten auch größere Biogasanlagen als reine Reststoff-Anlagen betrieben werden. Das ist auch für die Landwirtschaft wichtig, die so die Auflagen der Düngeverordnung besser erfüllen kann.

Täuscht der Eindruck, dass die Bioenergie die schwierigste Zeit erst einmal hinter sich hat?

Gerade in Corona-Zeiten wird sehr viel auf regionale Versorgung gesetzt – vom Lebensmittel bis hin zur Energie. Die Selbstverständlichkeit, dass die Weltwirtschaft und die Märkte funktionieren, ist erschüttert worden – auf einmal kommt eben kein Containerschiff mehr aus China oder sonst wo her. Das liegt der Fokus mehr auf der Region – und Region heißt für mich Deutschland. Ich glaube, da hat die Bioenergie eine wesentlich bessere Zukunft vor sich.

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Interview: Jörg Staude
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Keywords:
Biogas | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance | Markets
 

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