Divestment
15.11.2017

Versicherungen ziehen Investments aus Kohle ab

Foto: U.S. Army photo by 1st Lt. Zachary West
Die texanische Nationalgarde im Einsatz im texanischen Houston nach dem Hurrikan Harvey

Immer mehr Versicherer gehen auf Distanz zu Kohleunternehmen. Nun hat auch Zurich beschlossen, bestimmte Firmen nicht mehr zu versichern.

Der Schweizer Versicherer Zurich ist der jüngste Fall: Nach Allianz, Aviva, Axa und anderen hat das Unternehmen nicht nur entschieden, seine Investitionen aus Kohle-Unternehmen abzustoßen, sondern will solche Firmen auch nicht mehr absichern. Insgesamt haben die Gesellschaften damit in den vergangenen zwei Jahren rund 20 Milliarden Dollar aus Kohlefirmen abgezogen. Axa hatte 2015 den Anfang gemacht.

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Auch die Versicherungskonzerne Munich Re und Swiss Re haben angekündigt, neue Kohle-Richtlinien einzuführen. Sie enthalten einen „Carbon Risk Steering Mechanism“, nach dem in Zukunft bestimmte Kohle-Unternehmen nicht mehr versicherbar sind. Auslöser für den Sinneswandel ist offenbar der Druck von Umweltorganisationen: Die internationale NGO-Koalition „Unfriend Coal“ hat bei den Versicherern ihre aktuellen Pläne für den Umgang mit Kohle abgefragt und die Antworten in einen Wertungsbogen eingetragen.

Die Bewegung ist noch am Anfang

Die Umweltorganisationen loben, dass 15 der führenden Versicherer teilweise weitreichende Kohle-Divestment-Entscheidungen getroffen hätten, darunter auch die Allianz und der französische Rückversicherer Scor. Sie stehen für Investments in Höhe von vier Billionen Dollar. In Relation gesehen ist die Bewegung allerdings noch ganz am Anfang: Diese „Early Movers“ machen nur einen Anteil von etwa 13 Prozent aller Beteiligungen der globalen Versicherungswirtschaft aus.

Insbesondere das Engagement der deutschen Unternehmen reicht den Umweltschützern zudem immer noch nicht aus. „Die Dynamik geht an den deutschen Versicherern vorbei“, kritisiert Regine Richter von der Organisation Urgewald. Die Allianz habe zwar ein umfassendes Kohle-Divestment bei ihren eigenen Anlagen beschlossen, im Auftrag von Drittkunden halte sie aber an Kohle-Investitionen fest. „Damit fällt die Allianz in Klimafragen hinter ihre Wettbewerber zurück.“ Die Munich Re habe Investitionen in besonders kohlelastige Unternehmen abgestoßen, gebe aber keine Informationen zu entsprechenden internen Richtlinien heraus, so Urgewald weiter. Die Hannover Re wolle sich gar nicht zu dem Thema äußern.

Kohle soll unversicherbar werden

Die Unfried-Coal-Kampagne möchte erreichen, dass Kohle unversicherbar wird. „Wenn Versicherer aufhören die zahllosen Risiken von Kohleprojekten abzusichern, können diese nicht mehr gebaut und betrieben werden und wir haben eine bessere Chance, die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen“, sagt Koordinator Peter Bosshard.

Versicherer stehen wegen der steigenden Kosten für Klimakatastrophen wie Hurrikane und Überflutungen immer stärker unter Druck. Gleichzeitig haben sie durch ihre Investments in Höhe von insgesamt etwa 31 Billionen Dollar eine enorme Macht: Wenn sie ihr Geld aus Kohle abziehen und stattdessen in erneuerbare Energien investieren, können sie den Kohleausstieg beschleunigen und den Bau neuer Minen blockieren.

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Jutta Maier
Keywords:
Dievestment | Kohleausstieg | Versicherungen | Umweltorganisationen
Ressorts:
Finance | Governance

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