Mobilität
21.07.2020

Viele Bahnstrecken noch ohne Strom

Foto: Istock
Bei Ulm fährt die Deutsche Bahn auch Regionalzüge elektrisch

Bei der Elektrifizierung der Bahn gibt es keine großen Fortschritte, legte eine parlamentarische Anfrage offen.

Knapp 13 000 Kilometer des Bahn-Netzes in Deutschland sind noch nicht elektrifiziert. Nur auf 61 Prozent des Netzes können die Züge mit Strom fahren, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auf den übrigen Trassen fahren häufig noch Dieselloks.

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Ziel der Regierung ist ein Elektrifizierungsgrad von 70 Prozent bis 2025. Große Fortschritte gab es zuletzt aber nicht: Im vergangenen Jahr wurden 60 Kilometer Bestandstrecken elektrifiziert. Die viel beschworene elektrische Zukunft der Bahn liege noch in weiter Ferne, kritisierte der FDP-Bahnpolitiker Christian Jung.

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Bahn will erst 2038 nur noch mit Grünstrom fahren

Die Bahn will bis 2050 klimaneutral werden. 2038, in dem Jahr, in dem der Kohleausstieg spätestens abgeschlossen ist, sollen die Züge zu 100 Prozent mit Ökostrom fahren - heute liegt der Anteil des Grünstroms bei 60 Prozent und damit nur wenig über dem Anteil, den erneuerbarer Strom sowieso am Strommarkt  hat.

Auf vielen Strecken gibt es noch keine Oberleitung. Während die Stadtstaaten hohe Elektrifizierungsquoten von teils weit über 90 Prozent erreichen, ist es in der Fläche oft viel weniger. In Schleswig-Holstein können Züge nur auf 33 Prozent der Strecken auf eine Oberleitung zugreifen, 85 Prozent sind es dagegen im Saarland, dem Flächenland mit der höchsten Quote.

Zuwachs von vier Prozentpunkten in 15 Jahren

Deutschland liege über dem europäischen Durchschnitt, hob der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, hervor. Zudem müsse berücksichtigt werden, wieviele Züge überhaupt auf der jeweiligen Strecke fahren. "Derzeit werden bereits über 90 Prozent der Verkehrsleistung in elektrischer Traktion erbracht."

Allerdings hatte der Elektrifizierungsgrad schon 2005 bei 57 Prozent gelegen, nur vier Prozentpunkte niedriger als heute, wie aus Daten des Eisenbahn-Lobbyvereins Allianz pro Schiene hervorgeht. Er fordert, dass die Strecken deutlich schneller mit dem sogenannten Fahrdraht ausgerüstet werden.

FDP-Politiker Jung verweist auch auf Alternativen: Züge mit dieselelektrischen Hybrid-, Brennstoffzellen-Hybrid- oder Oberleitungs-Batterie-Hybrid-Systemen. Sie können auch dort fahren, wo es keine Stromleitung gibt - bei geringerem Schadstoffausstoß als herkömmliche Dieselloks. Die Bahn hat solche Züge nach Ferlemanns Angaben aber nicht im Betriebseinsatz.

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jst/dpa
Keywords:
grüne Mobilität | Eisenbahnnetz | Elektrifizierung
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