CO2-Reduzierung
08.05.2017

Viele Hürden für Oberleitungs-Lkw

Foto: Siemens

Elektrifizierte Lastwagen können wirtschaftlich betrieben werden, wenn die Infrastruktur gut ausgebaut und genutzt wird. Außerdem mangelt es noch an der Akteptanz. Das ist das Fazit einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts.

Bei Templin in Brandenburg rollen sie bereits über eine zwei Kilometer lange Testrecke. Anfang 2019 starten sie dann in Feldversuchen auf zweimal sechs Kilometern bei Frankfurt am Main und Lübeck. Die Rede ist von elektrifizierten Lastwagen, die Siemens an einer „Strom-Leine“ fahren lässt. Beim Überholen springt bei den Hybridfahrzeugen der Verbrennungsmotor ein, zurück auf der rechten Fahrbahn fährt das „Geweih“ wieder an die Oberleitung hoch.

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Weltweit starten derzeit ähnliche Pilotprojekte für Oberleitungs-Lkw. Ein wirtschaftlicher Betrieb dieser elektrifizierten Laster im Massenmarkt ist möglich – wenn die Infrastruktur gut ausgebaut und genutzt wird. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Verkehrsministeriums erstellt hat. Allerdings müssten noch einige Hürden genommen werden.

Vor allem müsste die zu Beginn defizitäre Oberleitungs-Infrastruktur wahrscheinlich mit staatlicher Unterstützung vorfinanziert werden, heißt es in der Studie. Weil auch zahlreiche Sattelschlepper aus dem Ausland deutsche Autobahnen nutzen, empfehlen die Autoren zudem, eine europäische Lösung anzustreben, um die Infrastruktur besser auszulasten.

Wie reagieren die Anwohner?

Eine weitere Hürde sei die momentan noch eingeschränkte Akzeptanz bei Lkw-Herstellern: Schließlich müsste diese ihre Produktpalette umstellen und könnten dadurch Teile ihre Wertschöpfung mit den Verbrennungsmotoren verlieren. Hinzu komme, dass Logistikunternehmen eventuell Flexibilitätseinbußen bei der Einsatzplanung hätten. Noch nicht absehbar sei auch, wie Anwohner und Nutzer beispielsweise mit den Beeinträchtigungen der Sicht durch die Stromtrassen umgehen.

Das sind jedoch noch nicht alle Bedenken. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfeldes Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut, sieht noch weitergehenden Forschungsbedarf: „Bei den neuen Antrieben für Lkw, vor allem mit Oberleitungen, stellt sich die Frage nach der Integration in das Energiesystem“, gibt er zu Bedenken. Denn sie benötigten sehr große Strommengen, und diese Stromnachfrage könne kaum nach energiewirtschaftlichen Gesichtspunkten verlagert werden – zum Beispiel in Zeiten mit hohen erneuerbaren Anteilen im Energiesystem.

Brennstoffzellen-Antrieb als Alternative

Fest steht jedoch, dass die Emissionen im Güterverkehr drastisch gesenkt werden müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Straßengüterverkehr ist für etwa ein Drittel der CO2-Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich. Wenn man Oberleitungs-Fahrzeuge umfassend einsetzen und mit anderen Maßnahmen kombinieren würde, könnte man bis 2050 die Klimagase weltweit um 85 Prozent gegenüber 1990 senken, hat das Öko-Institut errechnet.

Für die Studie des Fraunhofer-Instituts, an der noch vier weitere Forschungspartner beteiligt waren, wurden weiterhin die Oberleitungs-Lkw im Vergleich zu anderen neuen, strombasierten Kraftstoffen zur Dekarbonisierung des Güterfernverkehrs auf der Straße bewertet. Hierbei zeigte sich, so die Studie, dass Brennstoffzellen-Lkw mit Wasserstoff ebenfalls eine interessante Option sind. So hätten sie unter anderem Wirkungsgradvorteile gegenüber anderen strombasierten Kraftstoffen wie Methanol. Die Autoren der Studie empfehlen, weiter zu untersuchen, welche der Optionen künftig Vorrang haben sollte.

Jutta Maier
Keywords:
Elektrifizierung | Oberleitungs-Lkw | CO2-Ausstoß | Studie
Ressorts:
Markets

Kommentare

Im Grunde ist die Elektrifizierung von LKW Unisnn. Denn wir haben bereits eine elektrifizierte Bahn, deren Gütersparte eben endlich massiv ausgebaut werden müsste. Dies wäre ein echter ökologischer Fortschritt. Aber dazu müssten sich die Herren Politiker eben von KFz-Lobby abwenden ... dazu fehlen Courage und Innovationsfreude !

Wie ökonomisch als auch ökologisch ist es, den LKW Verkehr, der jetzt schon überhand nimmt, auch noch auf Oberleitungen umzustellen. Es gibt bereits ein Transportsystem mit Oberleitungen, nennt sich Eisenbahn, vielleicht sollte man dies wieder mehr in die Überlegungen einbeziehen, wenn man über ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Transportsystem nachdenkt! Langstrecke Zug - Verteilung in der Stadt mit Elektrotransportern!

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