Studie
08.10.2013

Vom Versorger zum Dienstleister

depositphotos, Stephen Goodwin

Dezentrale erneuerbare Energien, intelligente Stromnetze und eine neue Generation von Konsumenten passen nicht mehr so recht ins traditionelle Geschäft großer Kratwerksbetreiber. Die steuern nun um, wie eine aktuelle Studie zeigt – um zu überleben.

82 Prozent der großen Energieversorger rund um den Globus sehen die dezentrale Erzeugung aus erneuerbaren Energien als Chance. Das geht aus einer neuen Studie des internationalen Beratungsunternehmen PWC hervor, für die 53 Energieversorger aus 35 Ländern weltweit befragt wurden, darunter die deutschen Versorger RWE und Eon. 

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Dabei wirkt sich die dezentrale Energieerzeugung schon jetzt auf die Gewinne der Energieversorger aus, sagt Norbert Schwieters, Industry Leader für Energiewirtschaft bei PWC. „Wenn sie nicht auf den technologischen Wandel reagieren, werden sie erheblich an Bedeutung verlieren.“ 94 Prozent der Befragen gehen in ihrem bisherigen Geschäft von gravierenden Veränderungen bis 2030 aus. Erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung, intelligente Stromnetze und eine neue Generation von Konsumenten stellen das bisherige Geschäftsmodell in Frage. 

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Regionale Unterschiede

Als Ursache für den Wandel machen die Versorger etwa technische Entwicklungen bei der Energieeffizienz (60 Prozent) oder den rapiden Fall des Preises für Solarmodule (56 Prozent) aus. Während Branchenvertreter in Europa die Energieeffizienz mit 85 Prozent als größten technischen Einfluss auf ihr Geschäft betrachten, ist es in Südamerika die Windenergie an Land (83 Prozent), in Nordamerika die E-Mobilität und das Schiefergas (je 58 Prozent). Insgesamt glauben 67 Prozent der Befragten, dass durch Schiefergas die Abhängigkeit von öl- und erdgasreichen Ländern wie Saudi Arabien oder Russland stark sinkt.

Die Strategien für den Wandel sind vielfältig. 73 Prozent sehen dabei großes Potenzial im Asset Management. Netze und Anlagen sollen dabei optimiert und so die Rentabilität erhöht werden. Das alleine könne jedoch nicht das Überleben sichern, sagt Schwieters. „Entscheidend ist es, Geschäftsmodelle und Strategien anzupassen.“ So wollen zum Beispiel 61 Prozent der Versorger ihren Service am Kunden verbessern – dieser möchte schließlich seinen Verbrauch zunehmend selber steuern. 

Aus den klassischen Energieversorgern werden so immer mehr Dienstleister. 67 Prozent der Befragten wollen als solche ihren Kunden sogar Zugang zu dezentraler Erzeugung ermöglichen. 61 Prozent sehen im Energiesparen über spezielle Kundenverträge ein wichtiges Ziel.

Eon baut dezentrale Kraftwerke in Russland

Ein am Dienstag bekannt gewordener Deal des Energieversorgers Eon bestätigt den Trend. Das Düsseldorfer Unternehmen schloss mit dem russischen Betreiber und Entwickler von Gewerbe- und Industrieparks, der DEGA-Gruppe, eine langfristige Partnerschaft. Die sieht vor, dass Eon an DEGA-Standorten dezentrale Gaskraftwerke errichtet und betreibt. Gewerbekunden sollen so eine günstige und emissionsarme Energieversorgung erhalten.

 

Daniel Seeger
Keywords:
RWE | Eon | Studie | Energieeffizienz | PWC
Ressorts:
Markets

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