Internationales
17.01.2017

Vor Davos: China bekräftigt Führungsrolle beim Klimaschutz

Foto: istockphotos/chuyu
Nirgendwo auf der Welt stehen mehr Windräder als in China.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping will zum Klimavorreiter werden. Experten zufolge könnte das dem Land entscheidende Wettbewerbsvorteile bringen.

China will eine Führungsrolle beim Klimaschutz zu übernehmen. Das unterstrich Chinas Klimabeauftragter Xie Zhenhua in einem Interview mit der Staatszeitung China Daily. Beim Kampf gegen den Klimawandel setze die Regierung in Peking auf neue Kooperationen mit anderen Ländern, ergänzte Xie.

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Das Interview erschien im Vorfeld des am heutigen Dienstag gestarteten Weltwirtschaftsforums in Davos. Bis Freitag treffen sich rund 3.000 Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse in dem Schweizer Skiort.

Bis 2030 will Peking seine Emissionen um bis zu 65 Prozent im Vergleich zu 2005 senken. Um die im Dezember in Paris beschlossenen internationalen Klimaschutzziele zu erreichen, treibt die Regierung den Ausbau der erneuerbaren Energien voran und verfolgt eine Strategie der Dekarbonisierung, also den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Erst vergangene Woche kündigte Staatspräsident Xi Jinping an, weitere 343 Milliarden Euro in den Ausbau der Renewables investieren zu wollen.

Ende des Jahres soll außerdem der landesweite Emissionshandel starten, der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten, wie ihn auch die Europäische Union betreibt. In China wird der Markt von Beginn an ein größeres Volumen haben als in Europa.

 

China könnte die USA ablösen

Noch immer ist China der weltgrößte Klimasünder und Kohleverbraucher. Dennoch werten Experten den Wandel des Landes zum grünen Vorreiter als „glaubwürdig“. „China hat den Anspruch, den Willen und die Fähigkeiten eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen – auch in diplomatischen Verhandlungen“, sagt Jost Wübbeke, Leiter des Programms Wirtschaft und Technologie beim Berliner Mercartor Institut für China-Studien im Gespräch mit bizz energy.   

Chinas Bekenntnis zum Klimaschutz kommt wenige Tage vor dem Einzug des Klimaskeptikers Donald Trump in Weiße Haus. Fallen die USA als Klimaschutzmacht aus, könnte sich das für Peking als Glücksfall erweisen, glaubt China-Experte Wübbeke. „Für die chinesische Regierung ist das die Gelegenheit, sich als Gegenwicht zu den USA zu positionieren – als verantwortungsvolle Macht, die sich  der globalen Erwärmung entschieden entgegenstellt.“

Außerdem hat China laut Wübbeke seine eigene Verletzlichkeit durch die Folgen der klimaschädlichen Kohlewirtschaft erkannt. Staatspräsident Xi Jinping will durch seinen Kurs die Luft in den seit Jahren unter Smog leidenden Städten verbessern.

Die Ausrichtung auf ein emissionsarmes Energiesystem sichere China zudem einen industriepolitischen Vorsprung.  „Die Erneuerbaren sind zu einer wichtigen Säule der chinesischen Wirtschaft geworden“, sagt Wübbeke.
Nirgendwo auf der Welt stehen mehr Windräder; 2015 hat das Land die Bundesrepublik bei der Gesamtinstallation von Photovoltaik-Anlagen überholt, bis 2020 sollen fünf Millionen E-Autos auf Chinas Straßen fahren. Diesen Kurs will Regierungschef Xi halten. 

Jana Kugoth
Keywords:
China | Davos | Weltwirtschaftsforum | Klimaschutz | USA | Donald Trump | Xi Jinping
Ressorts:
Governance

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