Speichertechnologie
30.11.2017

Appell an Bundesregierung: Grüner Wasserstoff braucht Starthilfe

Foto: Hans-Dieter Hentschel
Kamingespräch im Schweriner Schloss: Christian Pegel, Energieminister Mecklenburg-Vorpommern (r.), Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender GE Power AG (M.), Nora Reinecke, bizz energy Research (l.)

Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Christian Pegel (SPD) und Alf Henryk Wulf, Chef von GE Power Deutschland, machen sich für Wasserstoff als Speichermedium für die Energiewende stark. Im bizz energy-Kamingespräch fordern sie politische Starthilfe.

Die Umwandlung von Strom in Wasserstoff (H2) per Elektrolyse ist technologisch noch lange nicht ausgereift. Dennoch messen der Industriemanager Wulf und der Politiker Pegel „grünem Wasserstoff“ eine zentrale Rolle beim Speichern überschüssigen Stroms aus erneuerbaren Energien zu. Sie fordern eine Anschub-Förderung für grüne Wasserstoffgewinnung mit der sogenannten Power-to-Gas-Methode. Projekte mit dieser Technologie sollen von Abgaben entlastet werden.

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„Wir brauchen keine neuen Subventionen, sondern eine Öffnung bestehender Subventionen“, sagt Pegel im Kamingespräch des Magazins bizz energy im Schweriner Schloss vor einer hochrangigen Expertenrunde. Pegel bezieht sich auf die seit Anfang 2017 bundesweit laufende Förderung sogenannter Power-to-Heat-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2.000 Megawatt. Mit diesen Anlagen kann überschüssiger Ökostrom, der in Spitzenzeiten das Netz überlasten würde, in Heizwärme umgewandelt werden. Der Landesminister plädiert für eine Erweiterung der Power-to-Heat-Förderung auch auf solche Anlagen, die Strom in H2 umwandeln. Bisher gibt es lediglich einige Pilotprojekte. (Lesen Sie auch: Toyota-Allianz nimmt neuen Anlauf zu Wasserstoff-Mobilität)

Abschreckendes Beispiel Pumpspeicher

Alf Henryk Wulf warnt davor, den Aufbau einer Erzeugungs- und Speicher-Infrastruktur für Wasserstoff durch falsche Regulierung zu behindern wie es im Falle der Pumpspeicher geschehen sei: „Die hohen Leitungsentgelte, die Pumpspeicher zahlen müssen, sorgen dafür, dass sie nicht wirtschaftlich zu betreiben sind“, sagt der Vorstandschef des zum US-Konzern GE gehörenden Anlagenherstellers GE Power Deutschland. „So etwas müssen wir bei Wasserstoff von vornherein vermeiden. Sonst ist der Business-Case tot.“ Wulf
sprach sich für „technologieoffene Regulierung und Förderung“ unterschiedlicher Speichertechnologien aus.

Hoffen auf nächste Bundesregierung

Obwohl nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen eine künftige Regierungskoalition noch nicht absehbar ist, richtet der Landespolitiker Pegel seinen Blick nach Berlin: „Die Bundesregierung wird sich überlegen müssen, wie sie mit dem Thema Speicher umgeht.“ Bei der nächsten Regierungsbildung komme es an auf „ein starkes Energieressort, in dem Energiepolitik nicht der klassischen Industriepolitik untergeordnet wird.“ Stattdessen solle Energie als Entwicklungshilfe für moderne Industriepolitik verstanden werden, sagt Pegel. Gelinge dies, sei sekundär, ob das Energieressort im Wirtschaftsministerium oder im Umweltministerium angesiedelt werde.

Die mecklenburg-vorpommersche Landesregierung erhofft sich von der Wasserstoffgewinnung zum Speichern grüner Energie nichts Geringeres als eine industrielle Renaissance in dem dünn besiedelten Bundesland. „So etwas ist möglich auf Märkten, auf denen alle bei Kilometer Null anfangen“, sagt Pegel.  Die disruptive Phase, in der sich die Energiewirtschaft derzeit befinde, eröffne die Chance, eine neue, moderne Wasserstoffindustrie in Mecklenburg-Vorpommern anzusiedeln.

Wasserstoffzüge praxisreif

In Bezug auf das H2-Potenzial für den Schienenverkehr in Mecklenburg-Vorpommern stimmt GE-Manager Wulf dem Minister zu: „Wasserstoffbetriebene Züge sind für dünn besiedelte Gebiete besonders attraktiv, weil Oberleitungen dort nicht wirtschaftlich sind und Bahngesellschaften saubere Alternativen zum Dieselzug suchen“.

Wulf war bis vor zwei Jahren Deutschlandchef des französischen Bahntechnik-Konzerns Alstom. Das Unternehmen stellt unter anderem mit Wasserstoff-Brennstoffzellen ausgerüstete Züge mit Reichweiten von bis zu 800 Kilometern her. Niedersachsen hat Anfang November 14 solcher Züge bestellt. Im Verkehrssektor sieht Wulf zudem großes Potenzial für brennstoffzellenbetriebene Nutzfahrzeuge sowie langfristig für Flugzeuge.

Das bizz energy Kamingespräch ist eine Veranstaltungsreihe der bizz energy Mediengesellschaft. Weitere Informationen finden Sie hier.

Lesen Sie auch: Schub für den Wasserstoff – Wie Power to Gas und Brennstoffzellen die Energiewende beschleunigen sollen

Christian Schaudwet
Keywords:
Brennstoffzelle | Stromspeicher
Ressorts:
Governance | Markets

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