Erneuerbare Energien
30.11.2012

Wachstum auf neuen Märkten

Foto: Solarworld
Solarmodulproduktion

Trotz aktueller Krise wird das Wachstum der Erneuerbaren weiter anhalten. Viele Hersteller werden die nächsten Jahre aber nicht überstehen, so ein Branchenreport der Schweizer Bank Sarasin.

 

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Erneuerbare Energien sind weltweit weiter auf dem Vormarsch, trotz der aktuellen Probleme einiger Unternehmen der Branche. Das ist das Fazit der Studie „Perspektiven für Erneuerbare Energien in der Energiewende", der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Schweizer Bank Sarasin. Die Studie liegt BIZZ energy today exklusiv vorab vor. Sie soll in der nächsten Woche veröffentlicht werden.

Bis Ende dieses Jahres werden demnach weltweit Stromerzeugungskapazitäten von 206 Gigawatt ans Netz gehen, die Hälfte davon als Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen. Insgesamt erzeugen erneuerbare Energien weltweit bereits drei Mal soviel Strom wie alle 439 Atomkraftwerke. Im Vergleich zu 2011 legten die Erneuerbaren damit um acht Prozent zu.

Europa verliert

Das Zubautempo wird in den kommenden Jahren laut Studie anhalten, vor allem bei der Photovoltaik. Die Analysten rechnen im aktuellen Bericht  mit einer Verdoppelung der jährlichen Installation von 33 Gigawatt im Jahr 2012 auf 66 Gigwatt im Jahr 2016. Das Wachstum wird aber nicht wie bisher in Europa stattfinden. „Die bisher treibenden Märkte Deutschland und Italien werden aufgrund der starken Absenkung der Vergütungssätze viel weniger PV-Anlagen installieren." Den stärksten Zubau wird es laut Studie der Bank Sarasin künftig in den USA, China und Japan geben. Die Regierung in Peking will die installierte PV-Leistung von heute 7,4 Gigawatt bis 2020 auf 50 Gigawatt verfünffachen.

Die Windenergie wird in den kommenden Jahren deutlich langsamer wachsen. Insgesamt sind weltweit 234 Gigawatt Windstrom am Netz. Auch hier zeigt sich eine Wachablösung. Zu den am schnellsten wachsenden Märkten zählen China und Indien. Ein Problem in China bleibe der Netzanschluss. „Bis Ende 2012 sind immer noch ein Viertel der Windparks der 2011er Projekte nicht mit dem Stromnetz verknüpft." Der Anteil von Europa am weltweiten Windmarkt sank von 51 auf zuletzt 25 Prozent. 

China dominiert

China entwickelt sich insgesamt zur dominierenden Kraft bei den grünen Energien. Allein 2011 investierte das Land 40 Milliarden Euro in den Sektor, soviel wie kein anderer Staat weltweit. In der Solarindustrie gehören chinesische Unternehmen wie Yingli oder Suntech schon längst zu den Marktführern, nun holen sie auch in der Windenergie auf. Unter den zehn größten Turbinenherstellern befinden sich bereits vier chinesische Namen, unter anderem Goldwind auf Platz 2.

Trotz des steten Branchenwachstums stecken viele Hersteller von Solaranlagen und Windturbinen weiter in der Krise. Wegen der Überkapazitäten im Markt hätten viele Unternehmen Probleme, ausreichende Erträge zu erwirtschaften, schreiben die Analysten der Bank Sarasin. Dies gelte insbesondere für die Photovoltaik-Industrie. Die finanzielle Situation der Hersteller habe sich 2012 drastisch verschlechtert, so die Autoren. Ein Grund: Die Modulpreise nochmals um 15 Prozent gesunken, was die Margen der Hersteller weiter gemindert hat.

Neue Investoren

Die Autoren rechnen mit weiteren Pleiten und Übernahmen in der Solar-, aber auch in der Windbranche. „Die Marktbereinigung schreitet nur langsam voran." Das lockt neue Investoren. „In den kommenden Jahren werden verstärkt multinationale Großkonzerne aus der Halbleiter- oder Elektronikindustrie in diesen Sektor investieren", schreiben die Autoren. Künftig würden die führenden börsennotierten Unternehmen nicht mehr Sunpower, Q-Cells, Suntech, Gamesa oder Nordex heißen, „sondern eben Siemens, ABB, Samsung, Hanwha oder Foxconn".

Die Stromproduktion mit Erneuerbaren werde dabei immer billiger, vor allem die Photovoltaik. Der Preis für das installierte Kilowatt PV-Strom werde sich bis 2020 nochmals halbieren, so die Prognose der Autoren. Kostensenkungen seien auch bei der Windkraft zu erwarten, insbesondere Offshore. Mit rund 2900 Euro pro Kilowatt wird die Onshore-Windenergie aber auf mittlere Sicht knapp drei Mal so teurer bleiben, wie die Windenergie an Land.

Aktien im Tiefflug

Aktiengeschäfte mit börsennotierten Unternehmen der Erneuerbaren-Branche bewerten die Analysten kurz- bis mittelfristig eher skeptisch. Bereits seit 2008 sei der Börsenwert der gelisteten Titel im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr gesunken. „Neue Anlagemöglichkeiten zeigen sich dafür vermehrt bei direkten Infrastrukturinvestments in Wind- und Solarparks. Solche Geldanlagen sind momentan hinsichtlich Rendite-Risiko-Verhältnis attraktiver", heißt es in der Studie, die kommende Woche erscheint.

Wegen des zunehmenden Anteils der erneuerbaren Energien betonen die Autoren die Notwendigkeit, dass auf Grundlast ausgelegte Energiesystem zu reformieren. „Prinzipiell geht es darum, eine volatile Stromerzeugung einem ebenso schwankenden Verbrauch anzupassen." Oberste Priorität müsse dabei die verlässliche Stromversorgung haben. Betreiber von Erzeugungsanlagen, Netzbetreiber und Energieversorger müssten stärker zusammenarbeiten. Für den Übergang sehen die Autoren insbesondere flexible Kraftwerke auf Erdgasbasis als wichtige Stütze.

75 Prozent Wind, 25 Prozent Solar

Der Bedarf an Energiespeichern wird laut Bank Sarasin in den kommenden Jahren massiv steigen. „Bis 2040 wird der zeitweise Überschuss an regenerativem Strom noch viel massiver werden, so dass er für mehrere Wochen und Monate gespeichert werden muss." Hierfür bieten sich laut den Autoren etwa Pumpspeicherkraftwerke an, etwa in alten Bergstollen. Auch die Umwandlung von Ökostrom in Wasserstoff oder Methan sei eine Option.

Bezogen auf eine 100-Prozent-Versorgung mit erneurbaren Energien in Deutschland sehen die Autoren des Bankhaus Sarasin den optimalen Erzeugungsmix bei 75 Prozent Wind- und 25 Prozent Solarstrom. In dieser Variante ließe sich der Einsatz von teuren Energiespeichern am niedrigsten halten.

Der Branchenreport der Bank Sarasin lag BIZZ energy today vorab exklusiv vor.

 

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
BIZZ-Exklusiv | Windstrom | Photovoltaik | Bioenergie | Bank Sarasin | Energiewende
Ressorts:
Finance | Markets

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