BIZZ-Exklusiv
26.06.2013

Wacker Chemie verlässt den Solarverband BSW

Foto: BSW-Solar/Upmann
Solaranlage auf dem Dach des Berliner Nobelkaufhauses Galerie Lafayette. In dem Gebäude hat auch der Bundesverband Solarwirtschaft seinen Sitz.

Rückschlag für die Berliner Solarlobby. Wie BIZZ energy today erfuhr, verlässt der größte deutsche Siliziumhersteller Wacker Chemie zum Jahresende den Bundesverband Solarwirtschaft. Mit dessen Strategie war Wacker schon lange unzufrieden.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) verliert an Unterstützung: Mit dem Münchner Konzern Wacker Chemie verlässt nach acht Jahren eines der zahlungskräftigsten Mitglieder den Lobbyverband. „Wir haben Mitte Juni zum Ende dieses Jahres gekündigt“, bestätigte ein Sprecher des Chemieunternehmens gegenüber BIZZ energy today. Er ergänzte: „Der BSW ist infolge seiner Mitgliederstruktur sehr stark auf Deutschland fokussiert, während sich Wacker in einem globalen Umfeld bewegt. Die strategischen Interessen haben sich auseinanderentwickelt.“ Der Sprecher verwies darauf, dass Wacker weiter Mitglied des europäischen Photovoltaik-Dachverbandes EPIA bleibe.

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Kein Kommentar vom BSW

Der BSW wollte den Wacker-Austritt auf Anfrage von BIZZ energy today nicht kommentieren. Zu einzelnen Unternehmen würden keine Auskünfte erteilt. Die Frage, ob noch weitere Kündigungen eingegangen seien, ließ der Verband unbeantwortet.

In Berliner Verbandskreisen wird der Austritt von Wacker als Einschnitt für den BSW gesehen. Wacker Polysilicon, die Siliziumsparte des Chemiekonzerns, ist in Deutschland deutlich Marktführer und gehört auch weltweit zu den größten Unternehmen. Der Umsatz allein der Siliziumsparte lag 2012 bei 1,14 Milliarden Euro, knapp doppelt so viel wie zum Beispiel der Bonner Solarkonzern Solarworld in Gänze ausweisen konnte. Der Gesamterlös von Wacker betrug 4,63 Milliarden Euro.

Zwar kämpft auch Wacker mit einem Preisverfall für Silizium und gegen die Überkapazitäten der gesamten Solarbranche. Doch der Konzern war insgesamt durch sein diversifiziertes Chemiegeschäft eines der wenigen stabilen BSW-Mitglieder. Da sich der Verbandsbeitrag in Relation zum Umsatz berechnet, dürften dem BSW zudem weitere Einnahmen wegbrechen. Durch die zahlreichen Pleiten in der Branche hat der Verband bereits spürbare Einschnitte bei den Mitgliedsbeiträgen hinnehmen müssen. 

Maximale Vergütungssätze

Wacker Chemie hatte schon vor Jahren begonnen, sich vom BSW zu distanzieren. So kursierte zum Beispiel bereits 2011 die Einschätzung des Unternehmens, dass die Preise für Photovoltaik-Anlagen bereits deutlich niedriger liegen würden als damals vom BSW behauptet. Weitere drastische Kostensenkungen seien möglich – die wiederum eine deutliche Senkung der Einspeisevergütung möglich gemacht hätten. Der BSW richtete seine Lobbyarbeit hingegen auf möglichst höhe Vergütungen aus und unterschätzte die Geschwindigkeit des Preisverfalls in der PV-Technik. 

Der BSW-Vorstand wird von deutschen Unternehmen dominiert, die gegenüber chinesischen Herstellern zum Teil zurückgefallen sind. Wacker hingegen exportiert den Großteil des produzierten Siliziums nach China.

Im Streit um Strafzölle für chinesische Unternehmen hielt sich der BSW dagegen zurück. Kein Wunder: Unter seinen Mitgliedern gibt es zwar deutsche Hersteller wie Solarworld, die sich massiv für hohe Strafzölle einsetzen - aber auch führende chinesische Unternehmen.

Jakob Schlandt
Keywords:
BSW-Solar | Wacker Chemie | Solar | BIZZ-Exklusiv | Chemie
Ressorts:
Governance | Markets

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