Europäische Union
08.07.2020

Wasserstoff soll Klimaschutz anschieben

Foto: Istock
Windpark und Photovoltaik kombiniert mit Wasserstoff-Elektrolyseuren - eine Idealvorstellung der grünen Wasserstoffbranche

Auch in der Europäischen Union (EU) soll Wasserstoff die Energiewende entscheidend voranbringen.

Wasserstoff soll mit Hilfe von EU-Geldern bis 2030 wettbewerbsfähig werden und die Energiewende in Europa voranbringen. Bis 2024 soll die Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien mit öffentlicher Unterstützung auf bis zu eine Million Tonnen wachsen, bis 2030 dann auf zehn Millionen Tonnen. Die EU-Kommission legte dazu am Mittwoch eine Wasserstoffstrategie und eine Strategie zur besseren Integration der Energiesysteme vor.

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Beides sei wichtig, um das Ziel eines klimaneutralen Europa bis zum Jahr 2050 zu erreichen, erklärte Kommissionsvize Frans Timmermans. Dann sollen keine zusätzlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen, um eine Überhitzung der Erde aufzuhalten. Timmermans bezeichnete Wasserstoff als "den Rockstar sauberer Energien". Europa müsse dabei führend werden.

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Bei der Nutzung von grünem Wasserstoff entstehen so gut wie keine Treibhausgase. Doch muss zur Herstellung mit großem Energieaufwand Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden.

Wasserstoff noch zu 90 Prozent aus fossiler Quelle

Bisher wird in der EU nach Darstellung der EU-Kommission nur sehr wenig Wasserstoff produziert und wenn, dann zu 90 Prozent unter Nutzung fossiler Energien wie Kohle oder Erdgas. Dieser kostet den Angaben zufolge rund 1,50 Euro pro Kilo, während "grüner" Wasserstoff unter Nutzung erneuerbarer Energien bis zu 5,50 Euro je Kilo kostet. Dank stark sinkender Preise für Ökostrom erwartet die Kommission aber, dass in einigen Regionen grüner Wasserstoff ab 2030 preislich mit solchem auf Basis fossiler Energien mithalten könnte.

Die Wasserstoff-Strategie soll Investitionen voranbringen und dafür öffentliche und private Gelder mobilisieren. Nach Angaben der Kommission sind bis 2030 für den Bau von Elektrolyseanlagen 24 bis 42 Milliarden Euro nötig. Zum Aufbau von 80 bis 120 Gigawatt Sonnen- und Windkraftanlagen zur Energieversorgung bräuchte es noch weitere 220 bis 340 Milliarden Euro. Die öffentliche Unterstützung könnte aus mehreren EU-Töpfen kommen, auch aus dem Hunderte Milliarden Euro schweren Corona-Wiederaufbauplan, über den die EU-Staaten derzeit verhandeln.

Die Kommission startete auch eine sogenannte Wasserstoffallianz mit europäischen Unternehmen, um die Strategie mit konkreten Projekten zu unterfüttern und privates Geld zu mobilisieren. Die Reaktionen von Wirtschaftsverbänden auf die Strategie waren überwiegend positiv. "Mit der europäischen Wasserstoffstrategie sendet die EU-Kommission ein wichtiges Signal und zeigt, dass sie die Bedeutung dieses Schlüsselenergieträgers für ein klimaneutrales Europa erkannt hat", lobte zum Beispiel der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Umweltschützer kritisieren Einfluss der Industrie

Viel Hoffnung mit der Wasserstoff-Strategie verbindet die Offshore-Windenergie-Branche. Wind auf See sei aufgrund der hohen Vollaststunden und des verhältnismäßig gleichmäßigen Einspeiseprofils besonders gut zur Wasserstoffproduktion geeignet - den Offshore-Anlagen würden deshalb eine Schlüsselrolle zukommen, erklärt Stefan Thimm vom Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore. Der Einsatz von Wasserstoff in nicht direkt elektrifizierbaren Teilen der Wirtschaft sei ein elementarer Baustein zur Erreichung der Klimaziele.

Umweltverbände und Grüne sehen zwar die Bedeutung von Wasserstoff, kritisieren aber den Einfluss der Industrie und eine mögliche Förderung fossiler Brennstoffe wie Erdgas. Die Wasserstoff-Allianz werde von Erdgasproduzenten dominiert, kritisierte das Climate Action Network in Brüssel. Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss forderte, für die Investitionen von 340 Milliarden Euro in Erneuerbare müsse eine solide Finanzierung hinterlegt werden.

Einsatz besonders bei Stahl und Schwertransporten

Die EU-Kommission will den Wasserstoff vor allem für Prozesse verwenden, die sonst nicht zu annehmbaren Kosten klimafreundlich umgestaltet werden können. Das sind vor allem die Stahlproduktion oder der Schwertransport. "Wir zeigen der Welt, dass Grüner Stahl möglich ist", sagte Timmermans. Bis 2050 könnte grüner Wasserstoff demnach 24 Prozent des Energiebedarfs decken.

Die Bundesregierung hatte Mitte Juni eine eigene Wasserstoffstrategie vorgestellt und Förderung im Umfang von neun Milliarden Euro angekündigt. Allein in Deutschland sollen bis 2030 Erzeugungsanlagen von bis zu fünf Gigawatt entstehen. Die von der EU-Kommission angepeilte Menge für 2030 entspricht Kapazitäten von 40 Gigawatt.

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jst/dpa
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Europäische Union | Wasserstoff | Erneuerbare
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