Windenergie
16.11.2017

Weniger neue Windparks in China: „Eine Übergangsphase“

Foto: Flickr/LandRoverOurPlanet, Startseite: iStock
Windpark in der nordchinesischen Provinz Ningxia. Künftig will Chinas Regierung mehr Windparks im Süden des Landes errichten lassen.

Peking lässt dieses Jahr rund fünf Gigawatt weniger Windanlagen als im Vorjahr bauen. Das prognostiziert Haiyan Qin, der Chef des chinesischen Branchenverbands, den bizz energy in Shanghai zum Gespräch bat. Vom Bonner Klimagipfel erwartet Qin einen Schub für seine Industrie.

Jahrelang vermeldete China beim Zubau von Windanlagen einen Weltrekord nach dem anderen. Doch jetzt erlebt das Riesenreich einen Rückgang um 22 Prozent: In diesem Jahr wird China rund 18 Gigawatt neu installieren – fünf weniger als 2016. Das prognostiziert Haiyan Qin, Chef des chinesischen Windenergieverbands CWEA, den bizz energy in Shanghai am Rande einer Veranstaltung des Chemiekonzerns Covestro zum Gespräch traf. „Wir befinden uns in einer Übergangsphase“, sagt Qin. Er gilt als starker Mann der Renewables mit exzellenten Drähten zur Zentralregierung in Peking, die ihn beim Erstellen ihrer Energie- und Klimaziele eng einbindet.

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Mehr Windprojekte im Süden

Künftig wird China laut Qin mehr Windparks im Süden des Landes bauen, wo der Energiehunger der Industrie groß ist, aber der Wind schwächer weht und die geographischen Verhältnisse nur vergleichsweise kleine Windparks zulassen. Bislang stehen die meisten Parks im Nordwesten Chinas, wo deutlich weniger Strom gebraucht wird als im Südosten.

Qin spottet mit Vorliebe über US-Präsident Donald Trump – auch während des Gesprächs mit bizz energy. Trumps Einfluss auf die Erneuerbaren-Branche in den Vereinigten Staaten sei "sehr gering“. Nachdem er kürzlich den kalifornischen Gouverneur Jerry Brown getroffen hat ist sich Qin sicher, dass die USA auch gegen Trumps Willen eine Energiewende mit Fokus auf Renewables vollziehen werden – angetrieben von Kommunen und Bundesstaaten. Mit seinem Beharren auf einer Kohle-Renaissance sei Trump auf tragische Art „ein Mann von gestern“. Auffällig ist, dass Qin anfängt zu lachen, sobald er sich über Trump auslässt. Damit liegt er auf Regierungskurs. In Peking wird Trump nur gering geschätzt, daran hat auch sein jüngster Besuch bei Präsident Xi kaum etwas geändert.

Größte Windstrom-Kapazitäten der Welt

Vom Weltklimagipfel in Bonn (COP23) erwartet der CWEA-Chef einen wichtigen Schub für seine Branche. Peking hat den Gipfel nach seinen Worten zum Anlass genommen, Chinas Energieziele zu bekräftigen: Peking peilt für 2020 einen Renewables-Anteil von mindestens 15 Prozent am Primärenergieverbrauch an. Der Anteil von Wind- und Solarstrom an der erzeugten Elektrizität soll sich laut Qin bis 2020 im Vergleich zu 2015 verdoppeln: Von vier auf acht Prozent.

Bei der Produktion von Windstrom ist China weltweit die Nummer Eins, wie die Statistik des Global World Energy Council (GWEC) zeigt. Demnach lag die Gesamtkapazität zum Jahreswechsel bei 168.732 Megawatt. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den USA (81.184 Megawatt) und mehr als dreimal so viel wie in Deutschland, das mit 50.080 Megawatt nach wie vor in Europa führend ist. Auch beim Neubau war China 2016 weltweit an der Spitze, mit 23.370 Megawatt Windkapazität. Auf Platz Zwei lagen die USA mit 8.203 Megawatt, vor Deutschland mit 5.443 Megawatt. Seinen Spitzenplatz wird China trotz des Rückgangs auch 2017 behaupten können.

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Joachim Müller-Soares
Keywords:
Windenergie | China
Ressorts:
Governance

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