Digitale Mobilität
07.12.2017

Wie vernetztes Parken CO2 einsparen kann

Foto: istock/JaruekChairak
Mit smarten Technologien ließe sich die Parkplatzsuche deutlich verkürzen. Die Folge wäre ein geringerer Schadstoffausstoß.

Studien zufolge können vernetzte und automatisierte Fahrzeuge den Schadstoffausstoß reduzieren. Für nennenswerte Klimaeffekte ist das aber nicht genug, sagen Experten.

Die Zahlen klingen beeindruckend: Das Forschungsinstitut Prognos und der Automobilzulieferer Bosch kommen in der Studie „Connected Car Effect 2025“ zu dem Ergebnis, dass vernetzte und automatisierte Fahrzeuge im Jahr 2025 mit den bis dahin verbreiteten Technologien 400.000 Tonnen CO2 einsparen können. Das entspricht der Kohlenstoffdioxidmenge, die der Nationalpark Schwarzwald in drei Jahren speichern kann. Der Spareffekt entsteht laut Studie, weil hochautomatisierte Fahrzeuge weniger Kraftstoff benötigen und Technologien zur Vereinfachung der Parkplatzsuche den Verkehr und damit verbundene Emissionen reduzieren.

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Aus Sicht von Gerd Lottsiepen reicht das jedoch nicht aus. „Autonome Autos können vernetzter Bestandteil des öffentlichen Verkehrs und der Verkehrswende sein“, sagt der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Er fügt hinzu: „Das gilt allerdings nur, wenn nicht jeder sein eigenes autonomes Vehikel besitzt und nutzt, sondern automatisierte Fahrzeuge von vielen Verkehrsteilnehmer geteilt werden und mit Elektroantrieb ausgestattet sind.“

480 Millionen Kilometer sparen

Vom geteilten Fahrzeugen oder E-Antrieb ist in der erwähnten Studie keine Rede. Zur Methodik heißt es nur, dass zwölf Technologien für den privaten Personenkraftverkehr betrachtet wurden. Der Fokus bei den Modellrechnungen lag auf Deutschland, den USA sowie Ballungsgebieten in China.

Dennoch: Allein mit vernetzten Parktechnologien könnten laut Studie 480 Millionen Kilometer Fahrstrecke eingespart werden – das entspricht der Distanz von der Erde bis zur Venus und zurück. Die Studienautoren verweisen darauf, dass Autofahrer in Deutschland derzeit pro Parkplatzsuche durchschnittlich einen Kilometer zurücklegen. Das ist wohlgemerkt ein Durchschnittswert: In großen Städten kann die Schleichfahrt um den Block noch deutlich länger werden.

Direkt zur nächsten Lücke gelotst

Zu den vernetzten Parktechnologien zählen Bosch und Prognos aktives Parkraum-Management sowie das sogenannte „Community-based Parking“. Darunter versteht man eine Lösung für das schnelle Auffinden freier Parkplätze am Straßenrand, bei einige Autos als „Senderfahrzeuge“ funktionieren: sie entdecken während der Fahrt Parklücken und melden sie – selbst dann, wenn ihr Fahrer gerade keinen Parkplatz sucht. Verkehrsteilnehmer, die gerade einen Stellplatz suchen, werden mithilfe der gemeldeten Daten direkt zur nächsten Lücke gelotst.

Der Charme der Technologie ist, dass die im Fahrzeug erforderliche Vernetzung und die serienmäßig verbauten Einparkhilfen bereits weit verbreitet sind. „Community-based Parking bedarf daher keiner größeren Umrüstmaßnahme und kann sofort genutzt werden“, erklären Bosch und Prognos.

„Zeit des Autos in Privatbesitz nähert sich dem Ende"

Dass Vernetzung bei der Parkplatzsuche Emissionen verringert, ist unstrittig. Die von der Forschungsvereinigung Automobiltechnik finanzierte Prognos-Studie „Auskunft über verfügbare Parkplätze in Städten“ kam schon 2015 zu dem Ergebnis, dass eine verbesserte Informationslage die Parksuchzeit in deutschen Städten um bis zu 181 Millionen Stunden reduzieren könnte. Daraus leiten die Autoren ab, dass im günstigsten Fall rund 2,7 Milliarden Fahrzeugkilometer sowie 500.000 Tonnen CO2 vermeidbar wären. Bei den Partikel-Emissionen seien Einsparungen von bis zu 50 Tonnen, bei Stickoxiden eine Reduktion um bis zu 1.000 Tonnen möglich.

Es erscheint logisch, dass noch deutlich mehr Schadstoffe eingespart werden könnten: Nämlich dann, wenn der Parkverkehr nicht nur intelligent würde, sondern die Menschen auch mehr Car- und Ridesharing sowie öffentliche Verkehrsmittel nutzen würden. Das wäre wohl auch im Sinne des VCD-Experten Lottsiepen. „Die Zeit des Autos in Privatbesitz, das über 23 Stunden pro Tag rumsteht, nähert sich ihrem Ende“, prognostiziert er.

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Gregor Hallmann
Keywords:
E-Mobilität | Verkehrswende | Vernetztes Parken | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

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