Mobilitätswende
20.09.2017

Wie Wasserstoff den Güterverkehr anschiebt

Foto: Nikola, Teaser: Daimler
So soll der Brennstoffzellen-Lkw aussehen, den das US-Start-up Nikola mit dem Bosch-Konzern entwickelt.

Der Antrieb des neuen Brennstoffzellen-Autos von Mercedes kann laut Experten für Transporter adaptiert werden. Bosch entwickelt bereits einen neuartigen H2-Antrieb für einen amerikanischen Elektro-Schwerlaster.

Auf der IAA in Frankfurt sorgt er für Aufsehen: Der GLC von Daimler, ein Plug-In-Hybridmodell, in dem sowohl eine Brennstoffzelle als auch ein Elektroantrieb steckt. Es soll von 2018 an in Kleinserie produziert werden. Bei Forschern und Entwicklern sorgt er für leuchtende Augen. Im Gespräch mit bizz energy betont Werner Tillmetz, Vorstand am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), das große Potenzial für den Güterverkehr. Laut Tillmetz kann der Brennstoffzellenantrieb des GLC „mit sehr wenig Aufwand“ für Transporter und Lkw adaptiert werden. „Das ist kein Hexenwerk und auch nicht teuer“, sagt Tillmetz.

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Der Güterverkehr auf der Straße ist für rund ein Drittel der Treibhausemissionen auf deutschen Straßen verantwortlich. Große Lkw fahren zu 100 Prozent mit Dieseltreibstoff, und auch bei kleineren Transportern ist der Diesel-Anteil immer noch sehr hoch. „Es macht unwahrscheinlich viel Sinn, Logistikfahrzeuge mit Brennstoffzellen beziehungsweise Wasserstoff zu betreiben“, sagt Tillmetz. Dies gelte für Waren aus dem Internethandel für die Innenstädte ebenso wie Überlandtransporte. Denn wegen der hohen Reichweite und der schnellen Betankung sei ein sehr flexibler Einsatz möglich. Zudem ließen sich Wasserstoff-Tankstellen einfach in die Logistik-Hubs der Transportunternehmen integrieren.

„Daimler und VW machen sich ernsthafte Gedanken"

„Firmen wie Toyota, Nissan, aber auch die Deutsche Post mit Streetscooter setzen sich mit dem Thema auseinander, und ich gehe davon aus, dass auch Daimler und VW sich ernsthaft Gedanken dazu machen“, sagt der Professor. Tillmetz weiß, wovon er spricht: Das ZSW hat sich im Sommer unter anderem mit den Autobauern VW, BMW und Daimler zu dem Projekt „Autostack-Industrie“ zusammengeschlossen, um Brennstoffzellen zur industriellen Reife zu bringen und Verfahren zur Serienfertigung zu erarbeiten. Tillmetz hofft, dass im nächsten GLC-Modell die neu entwickelten, kompakten Hochleistungs-Stacks aus dem ZSW zum Einsatz kommen werden.

Auch der Bosch-Konzern investiert in die Brennstoffzelle: Das Stuttgarter Unternehmen verkündete gestern, mit dem US-Start-up Nikola Motors neuartige Lkw mit Brennstoffzellen-Antrieb zu entwickeln. Sie sollen 2021 auf den Markt kommen und mit mehr als 1.000 PS und gut 2.700 Newtonmeter Drehmoment eine fast doppelt so hohe Leistung haben wie bisherige Sattelschlepper. Kernstück ist dabei ein neuer effizienter E-Antrieb, den Nikola Motors gemeinsam mit Bosch entwickelt.

Die Entwicklung von Brennstoffzellen-Komponenten läuft bei den Stuttgartern derzeit auf Hochtouren. „Vor allem für Langstrecken-Trucks ist die Wasserstoff-Technologie eine wichtige Alternative“, sagt Bosch-Geschäftsführer Alexander Heyn im Gespräch mit bizz energy. Der CO2-Ausstoß im Güterverkehr nehme seit Jahren zu, ein erheblicher Teil davon stamme von Schiffen, Flugzeugen und Lastwagen. Momentan gebe es keine Batterie auf dem Markt, die leistungsstark genug wäre, um bei großen Trucks ein signifikantes Maß an Zuladung zu ermöglichen. Deshalb sieht Bosch neben der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors im Brennstoffzellen-Antrieb großes Potenzial.

Jutta Maier
Keywords:
Brennstoffzelle | Wasserstoff | Langstrecken-Trucks | Logistik | Güterverkehr | Lkw
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Per se 'ne gute Sache. Aber: "Nikola", ernsthaft? Klingt als wolle man sich anbiedern.

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