Windpark-Ausschreibungen
07.12.2017

Windenergie-Branche fürchtet Politik-Vakuum

Foto: Pxhere
Transporte von Rotorblättern dürften in Deutschland bald seltener werden. Es werden weniger neue Anlagen bestellt.

Eine Regierungsbildung ist nicht absehbar. Die gebeutelten Hersteller von Windrädern und ihre Verbände kommen in ihrer Lobbyarbeit für eine EEG-Änderung nicht voran. Ihnen läuft die Zeit davon.

Es ist die Stunde der Lobbyisten: Die Politik soll der Windenergiebranche wieder Atemluft verschaffen, nachdem das seit Anfang 2017 geltende Ausschreibungssystem sie heftig in Bedrängnis gebracht hat. BDEW (Energiewirtschaft), BWE (Windbranche), VDMA (Maschinenbau), VKU (Kommunen) und der BEE (Erneuerbare Energie) legen sich in diesen Wochen kräftig ins Zeug für eine Änderung des Ausschreibungssystems.

Anzeige*

Das geltende Schema privilegiert kühn bietende Bürgerenergiegesellschaften so sehr, dass andere Projektierer kaum zum Zuge kommen. Die Hersteller von Windkraftanlagen befürchten, dass viele der teils dubiosen Bürgerwindgesellschaften ihre Parks niemals bauen werden. Zahlreiche Projekte liegen auf Eis, Bestellungen bleiben aus. (Lesen Sie auch: Bürgerwindparks räumen erneut ab)

Abwarten geht nicht

Misslich für die Interessenvertreter der Hersteller und der Zulieferindustrie: Es lohnt kaum, die amtierende Bundesregierung zum Zwecke einer Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu bearbeiten. Abwarten geht aber auch nicht, weil das Problem in den Ausschreibungen der zweiten Jahreshälfte 2018 wieder akut wird. „Die Regierungsbildung wird sehr kompliziert. Wir haben die Sorge, dass wir nicht früh genug Gewissheit bekommen“, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer des Fachverbands Power Systems beim VDMA im Gespräch mit dem Magazin bizz energy.

Die Interessenvertreter konzentrieren sich deshalb auf Bundestagsabgeordnete und Landespolitiker. Doch auch dort ist vor der Bildung einer Koalition wenig zu holen: „Die Rückmeldungen zeigen uns: Jeder versteht das Problem, aber es ist derzeit sehr schwierig, eine entsprechende Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen“, sagt Zelinger.

Gefahr in der zweiten Jahreshälfte

Für die ersten beiden Onshore-Ausschreibungen des Jahres 2018 ist das Risiko zwar gemindert – Bürgerprojektierern wurde vorläufig auferlegt, Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz nachzuweisen wie andere Bieter auch. Doch bei der dritten und vierten Ausschreibung 2018 fällt diese Genehmigungspflicht wieder weg.

Genau das bereitet der Branche Kopfzerbrechen: „Die Hersteller brauchen jetzt schnellstmöglich Klarheit darüber, wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht“, mahnt VDMA-Experte Zelinger. Die Ausschreibungen des Jahres 2017 hätten Auslastungsprobleme verursacht, die bis ins Jahr 2019 reichten: „Es gibt eine deutliche Auftragsdelle. Das tut den Herstellern weh und gefährdet Produktionskapazitäten.“

Harte Konsolidierung

Nach dem Boom hat sich Bangen in der Branche breitgemacht. Die meisten Anlagen aus der Orderschwemme des Jahres 2016 sind fertiggestellt, neue Aufträge tröpfeln nur noch vergleichsweise spärlich herein. Mit dem Wechsel von festen Einspeisevergütungen auf das Auktionssystem schrumpfen die Margen. Die Gewinne einiger großer Hersteller brechen ein, Aktienkurse sacken ab.

Der lange erfolgsverwöhnten Branche, die in Europa inklusive ihrer Zulieferer und Dienstleister 260.000 Menschen beschäftigt und jährlich 36 Milliarden Euro erwirtschaftet, stehen harte Konsolidierungsprogramme bevor. Nordex, Siemens Gamesa und Senvion haben bereits begonnen, Stellen abzubauen.

Lesen Sie auch: Riesenrotoren sollen Windparks rentabel halten

Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Bürgerwindpark | Windkraftanlage
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research