Speicher
26.08.2016

Ökostrom aus dem Kohlebergwerk

Foto: Universität Duisburg-Essen
Vom oberirdischen Becken fließt Wasser in 600 Meter tiefe Speichertunnel.

Eine Zeche in Bottrop könnte nach dem Auslaufen des Kohlebergbaus als Riesenbatterie dienen. Weltweit wäre das Projekt einzigartig.

 

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Schon 2018 soll eigentlich für immer Schicht im Schacht sein für das Ruhrgebiets-Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop. Dann schließen nach bisherigen Plänen die letzten beiden deutschen Steinkohlebergwerke – das zweite liegt im westfälischen Ibbenbüren. Prosper-Haniel könnte allerdings die Energiewende unterstützen, indem es zu einem Pumpspeicher umgebaut wird. Grundsätzlich ist es dazu geeignet, das hat eine Studie nach zwei Jahren Forschungsarbeit festgestellt.

Für die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist es ein Prestige-Projekt. „Unterirdische Anlagen wie diese können außer im Ruhrgebiet nur an sehr wenigen Standorten in Deutschland realisiert werden, schon darum haben wir eine besondere Verpflichtung, das Vorhaben fortzusetzen“, sagt Umweltminister Johannes Remmel (Grüne).

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16 Kilometer neue Tunnel nötig

Pumpspeicherkraftwerke nutzen den Höhenunterschied zwischen zwei Wasserreservoiren. Ist zu viel Ökostrom im Netz, wird Wasser vom unteren ins obere Becken gepumpt. Ist es windstill und der Himmel hängt voller Wolken, fließt das Wasser in umgekehrter Richtung ins untere Becken und treibt einen Generator an. Alte Bergwerksstollen lassen sich allerdings nicht als Wasserspeicher nutzen. In Bottrop müssten stattdessen in 600 Meter tiefe neue Stollen gebohrt werden – über eine Länge von 16 Kilometern.

Als großen Vorteil stellten die Studienautoren bei einer Befragung die Akzeptanz der Speicher unter Tage und auf ehemaligen Bergbaugeländen fest. Bisher sind Pumpspeicher in den deutschen Mittelgebirgen installiert. Bei Neubauten wie in Atdorf im Schwarzwald gibt es dagegen immer wieder Protest gegen den Aushub der riesigen Becken und das nötige Fällen von Bäumen.

 

Tagesbedarf von 90.000 Haushalten

In Prosper-Haniel lassen sich der Studie zufolge 800 Megawattstunden speichern. Das würde den Tagesbedarf von etwa 90.000 Haushalten decken. Die Investitionkosten schätzen die Autoren auf etwa 100 bis 500 Millionen Euro. Genaueres soll eine zweite Machbarkeitsstudie zeigen, die das Land Nordrhein-Westfalen finanziert.

Viel Zeit bleibt nicht. Ende 2019 werden voraussichtlich die letzten Anlagen aus dem Bergwerk geholt, wie ein Sprecher des Eigners RAG auf Anfrage sagte. Ob sich ein Investor findet, hängt auch von staatlicher Förderung ab, denn zurzeit rechnen sich selbst viele oberirdische Pumpspeicher nicht, die bereits in Betrieb sind. Für die Speicher werde beispielsweise ein doppeltes Netzentgelt fällig, sagte Professor André Niemann von der Universität Duisburg-Essen.

Manuel Berkel
Keywords:
Pumpspeicher | Speicher | RAG
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