BIZZ Exklusiv
11.02.2015

Ökostrom-Diplomatie in Abu Dhabi

Masdar / Clement Tardif

Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate entwickelt sich zum Zentrum der globalen Energiewende. Mittendrin: ein Pionier aus Cuxhaven.

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Für Überraschungen ist Abu Dhabi immer gut. Plötzlich fällt Nieselregen vom Himmel. „Dabei regnet es hier gefühlt überhaupt nur an drei Tagen im Jahr“, sagt Norbert Plambeck. Der Unternehmer aus Cuxhaven muss es wissen, er pendelt schon seit fünfeinhalb Jahren ständig zwischen Nordsee- und Golfküste. Die Scheichs der Emirate setzen auf die Expertise des Ökostrom-Pioniers, der 1998 mit dem Windpark-Projektierer „Plambeck Neue Energien“ die erste grüne Aktie an die deutsche Börse brachte. Nun soll er ihre Milliarden in Ökostrom-Projekte in Afrika und Europa investieren – und später mit dem einen oder anderen Wert auch die Börse in Abu Dhabi bereichern.

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Vom Konferenzsaal seiner Firmenvilla blickt Plambeck auf das Botschaftsviertel der Hauptstadt, das ein spektakulär schiefer Büroturm prägt. Der ragt nur einige Hundert Meter entfernt in die Höhe und gehört zum „Abu Dhabi National Exhibition Centre“ (Adnec), wo – wie jedes Jahr im Januar – gerade die größte Konferenz für Zukunftsenergien im arabischen Raum stattfindet. Der Turm neigt sich um 18 Prozent, stärker noch als der „Schiefe Turm von Pisa“. Im Gegensatz zur italienischen Geburtsstadt von Galileo war die Schieflage in Abu Dhabi von Anfang an architektonisch geplant. „Die Regierung überlässt hier eben nichts dem Zufall“, sagt Plambeck. Das klingt wie ein Fazit seiner Erfahrungen in Abu Dhabi, wo er 2011 eine Investitionsfirma gründete, gemäß den Landesgesetzen als Joint Venture, das ihm zu 49 Prozent gehört. 51 Prozent von „Plambeck Emirates“ hält die Investmentgesellschaft von Scheich Saeed bin Khalifa Al Nahyan, einem Mitglied des Königshauses. Diese Verbindung ins Machtzentrum der Vereinigten Arabischen Emirate wirkt für Plambeck „wie ein goldener Schlüssel“, der ihm hier alle Türen öffnet. 

Die großzügige Villa mit drei Stockwerken im Botschaftsviertel ist ideal, um Diplomaten und Minister zu empfangen. Heute zum Beispiel hat sich die Energieministerin des Senegals angekündigt. Maïmouna Ndoye Seck kommt am frühen Nachmittag, direkt von der Konferenz im Adnec. Sie erscheint in prächtiger Landestracht und mit acht Gefolgsleuten, darunter der Chef der Regulierungsbehörde und der Präsident der gerade neu gegründeten Staatsagentur für erneuerbare Energien. Bei Kardamom-Kaffee und Datteln will die Ministerin wissen, welche Art von Renewables die Investoren aus Abu Dhabi im Visier haben. „Grundsätzlich alle“, antwortet Plambeck, „Photovoltaik, Wind, Biomasse“. Auch ein Müllkraftwerk komme in Frage, weil das zwei Probleme auf einmal lösen könne: Müll beseitigen und Energie erzeugen. Davon versteht Plambeck eine ganze Menge: Der gelernte Sprengmeister begann seine Karriere mit dem Abriss und der Entsorgung von Spezialmüll. Seine Firma sprengte unter anderem das Springer-Hochhaus in Hamburg und zerlegte den ersten deutschen Kernreaktor auf dem Forschungsschiff Otto Hahn in seine Einzelteile.

 

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Keywords:
Abu Dhabi | Öl | Ökostrom
Ressorts:
Governance | Markets

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