BIZZ-Exklusiv
31.01.2013

„Bei Offshore reden wir über Milliarden.“

Vincent Policard, Director im Infrastruktur-Team von KKR, spricht im Interview mit BIZZ energy today über den milliardenschweren Einstieg der großen Investmenthäuser in die Clean-Energy-Branche.

BIZZ energy today: 2012 war ein schlechtes Jahr für den Clean-Energy-Sektor: fallende Aktienkurse, Überkapazitäten, Firmenpleiten. Wie wird 2013?

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Vincent Policard: Einige Unsicherheiten werden bleiben – etwa die Frage, wie stark Clean Energy auch künftig staatlich gefördert werden kann. Es gibt aber auch Fortschritte. So hat der Markt die Überkapazitäten in den Herstellungsketten von Wind- und Photovoltaik-Anlagen weitgehend bereinigt. Viele Unternehmen und Projekte scheiterten aber auch an zu ambitionierten Businessplänen oder zu aggressiver Kapitalstruktur. Die verbliebenen Investoren sind heute viel professioneller. Und das wird der Branche in den kommenden Jahren gut tun.

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BIZZ e.t.: Warren Buffett hat Anfang Januar 2,5 Milliarden Dollar in einen US-Solarpark investiert. Werden wir weitere Großinvestitionen in Erneuerbare erleben?

Policard: Eindeutig! Dazu zähle ich auch den Verkauf von Onshore-Wind durch GDF Suez in Italien vor wenigen Wochen oder den angekündigten Verkauf der Iberdrola Windaktivitäten in Frankreich. Das liegt daran, dass die Projekte und Transaktionen inzwischen eine Größe erreicht haben, die sie für Großinvestoren attraktiv macht: etwa Private Equity oder Souvereign-Wealth-Funds. Unser Infrastrukturfonds investiert seit zwei Jahren in Clean Energy.

BIZZ e.t.: Ab welcher Summe engagieren sich große Private-Equity-Investoren?

Policard: Ab etwa 50 Millionen US-Dollar machen Investitionen für uns Sinn. Das gilt auch für Investitionen in erneuerbare Energien.

BIZZ e.t.: Wo findet man solche Projekte?

Policard: Insbesondere in Europa, den USA und vielen Technologiesektoren, also Solar, Onshore-Wind und Biomasse. In den nächsten Jahren kommt Offshore-Wind hinzu, eine Technologie mit enormen Finanzierungsbedarf, gerade in Deutschland. Da reden wir nicht mehr über Millionen, sondern über Milliarden, und zwar für Windparks und die Kabelinfrastruktur.

BIZZ e.t.: Sind Sie bereit, Abstriche bei der Rendite zu machen, wenn Sie in erneuerbare Energien investieren?

Policard: Nein. Je nach Länderrisiko und regulatorischen Rahmenbedingungen, also der staatlichen Förderung, akzeptiert man jedoch als Investor entsprechend auch niedrigere Renditen.

BIZZ e.t.: Das bedeutet?

Policard: Dass wir zum Beispiel aufgrund des günstigen Risikoprofils eine deutlich niedrigere Renditeerwartung an Clean-Energy- Investitionen haben als etwa an Investitionen im Bereich der Transportinfrastruktur.

BIZZ e.t.: Das heißt in Prozent?

Policard: Da gibt es keine einheitliche und allgemeingültige Antwort. Grob vereinfacht könnte man vielleicht sagen, dass man bei Netzinfrastruktur-Investitionen in einem Land wie Deutschland eine Rendite im hohen einstelligen Bereich erwarten sollte und bei erneuerbaren Energien eine von fünf bis acht Prozent.

BIZZ e.t.: Der frühere Arbeitsminister und SPD-Chef Franz Müntefering hat Investmentsfonds einst als Heuschrecken bezeichnet. Bekommen Sie das in Deutschland zu spüren?

Policard: Überhaupt nicht. Wir sind seit mehr als 14 Jahren in Deutschland aktiv. Wir halten derzeit sieben deutsche Unternehmen in unserem Portfolio und haben dabei im vergangenen Jahr unter anderem WMF und 2011 Ver- satel erworben. Deutschland sucht Investoren, besonders auf Infrastrukturseite, den Stromnetzen und der Erzeugungskapazität. Als KKR fühlen wir uns hier sehr willkommen.

BIZZ e.t.: Und das Bild der Heuschrecke, die kommt, frisst und eine Brache hinterlässt...

Policard: ... stimmt einfach nicht. Wir sind ein langfristiger Investor. Im Durchschnitt sind wir fünf bis sieben Jahre an Unternehmen beteiligt, deutlich länger als die meisten Private-Equity-Unternehmen. Bei Infrastruktur-Investitionen planen wir sogar mit 15 Jahren.

BIZZ e.t.: Geht es bei grünen Investments nicht nur ums Image?

Policard: Unsere Investoren, ob Versicherungsgesellschaften, Pensions- oder Staatsfonds, legen immer stärker Wert auf einen sauberen CO2-Fußabdruck.

BIZZ e.t.: Und vertrauen Ihnen immer mehr Geld an?

Policard: Absolut! Infrastruktur-Investitionen sind hochattraktiv, insbesondere in Zeiten, in denen Alternativen wie Staatsanleihen keine oder nur eine geringe Rendite erzielen. Die Nachfrage nach Infrastruktur-Produkten ist hoch. 

Startseitenbild: Depositphotos/ Fenton

 

 

 

Thomas Bauer
Keywords:
Vincent Policard | KKR | BIZZ-Exklusiv | Offshore Windenergie | Großinvestoren
Ressorts:
Finance

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