BIZZ-eklusiv
01.07.2015

„Business statt Charity“

fotos: EU-Kommission, privat
Klaus Töpfer

Klaus Töpfer, Grandseigneur der Umweltpolitik, über CO2-Preise, Finanzinvestoren und den kommenden Weltklimagipfel.

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_BIZZ energy today | Herr Professor Töpfer, die Energieriesen BP, Shell, Total, Eni und Statoil haben gerade in einem Brief an die UN ein globales Preissystem für CO2 gefordert und wollen ihren Beitrag dazu leisten. Freut Sie das?

_Klaus Töpfer | Ich begrüße alles, was zu einem globalen CO2-Preis beiträgt, der einen Anreiz zur weltweiten CO2-Vermeidung setzt. Aber Vorsicht: Ich war acht Jahre lang als Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen für diese Fragen zuständig. Daher weiß ich: Diejenigen, die globale Lösungen fordern sind meistens diejenigen, die genau wissen, dass sie nicht realisiert werden können. Anders gesagt: Sicher sind globale Lösungen notwendig und wünschenswert. Aber die Notwendigkeit globaler Lösungen entlässt uns nicht aus der Pflicht, selbst etwas zu tun, gerade auch im Bereich der erneuerbaren Energien. 

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_Sind Sie Anhänger des EU-Emissionshandels?

_Töpfer | Man darf keine Augenwischerei betreiben. Der Zertifikatehandel hat offenbar keine oder kaum Lenkungswirkung zur CO2-Reduktion entfaltet. Daher kann man ihn auch nicht als Erfolg bezeichnen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Emissionshandel ist bislang ein Misserfolg. Klassische Ökonomen sehen übrigens im CO2-Preisverfall gar kein Problem. Sie argumentieren: Der geringe Preis für die Tonne CO2 zeige, dass das System funktioniere, indem es Knappheiten beseitigt habe. Das nenne ich zynisch.

_Ist der EU-Emissionshandel noch zu retten?

_Töpfer | Das bezweifele ich. Ein Konsens auf EU-Ebene scheint fast unmöglich, weil die Mitgliedsländer ganz unterschiedliche Interessen verfolgen. Es gibt Länder wie Polen, die ihre heimische Kohle weiter im großen Stil verfeuern wollen und daher niedrige CO2-Preise befürworten. In Deutschland haben wir die absurde Situation, dass hochmoderne, emissionsarme Gaskraftwerke stillgelegt werden, während alte Kohlemeiler weiter auf Hochtouren laufen, weil sie profitabel sind. Das ist die Folge viel zu niedriger CO2-Preise, oder anders formuliert, ein Beleg dafür, dass sie gegenwärtig keine Lenkungswirkung entfalten.

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Keywords:
Klaus Töpfer | EU-Emissionshandel | Kohleausstieg | Umweltpolitik | Weltklimagipfel
Ressorts:
Finance | Governance

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