BIZZ-Exklusiv
07.02.2014

„China investiert mächtig“

Acatech; Titel: Daimler
Henning Kagermann, Acatech-Präsident und langjähriger SAP-Chef.

Henning Kagermann, Acatech-Präsident und langjähriger SAP-Chef, über das Potenzial der Elektromobilität, nicht-monetäre Anreize und die Kennzeichnung von E-Autos.

BIZZ energy today: Herr Kagermann, wird 2014 ein gutes Jahr für die E-Mobilität in Deutschland?

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Henning Kagermann: Es wird ein wichtiges Jahr, weil wir von der Marktvorbereitung zum Markthochlauf übergehen. Wir haben in der Nationalen Plattform Elektromobilität unsere Hausaufgaben gemacht. Deutschland hat sich eine gute Position erarbeitet. Nun muss sich zeigen, ob sich unsere Szenarien in der Praxis erfüllen oder ob wir weitere Maßnahmen vorschlagen müssen. Ich bin optimistisch. Viele große Hersteller werden im laufenden Jahr neue elektrische Modelle auf den Markt bringen. Das wird die Nachfrage ankurbeln.

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Wie lässt sich die Nachfrage für Elektroautos wirksam ankurbeln?

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat im Auftrag der NPE verschiedene Maßnahmen analysiert. Natürlich hätte eine pauschale Subvention in Form von Kaufprämien unter den Einzelmaßnahmen die größte Wirkung. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber auch ein Bündel anderer kluger Anreize führt zum Ziel, wie beispielsweise günstige Darlehen der KfW-Bank für den Kauf von Elektroautos. 

Solche Darlehen werden im Koalitionsvertrag erwähnt. Was können Sie der Regierung sonst noch vorschlagen?

Auch steuerliche Anreize für die Fahrzeughalter helfen. Wichtig ist zudem eine Kennzeichnung von E-Autos.

Warum?

Damit beispielsweise E-Autofahrer den für sie reservierten Parkplatz an der Ladesäule auch wirklich nutzen können, ohne einen Strafzettel zu bekommen. Oder damit sie auf der Busspur fahren können. 

Verkehrsminister Dobrindt will dieses Recht jetzt gesetzlich verankern ...  

Das ist gut so. Mit solchen Anreizen lässt sich die Elektromobilität fördern, ohne riesige Summen auszugeben. Grundvoraussetzung ist aber eine deutliche Kennzeichnung von E-Autos. 

Viele Energieversorger haben den Ausbau der Stromtankstellen gedrosselt, weil sich der Stromverkauf nicht rentiert. Wird die Infrastruktur zum Nadelöhr?

Nicht, wenn wir es klug angehen. Wir haben bereits vor zwei Jahren in der NPE vorgeschlagen, die Infrastruktur mit Augenmaß und im Einklang mit den verkauften E-Autos auszubauen. Entgegen unseren ursprünglichen Annahmen werden wir nämlich einen höheren Anteil an Plug-in-Hybriden sehen. Anfangs wird auch der Anteil an Garagenparkern hoch sein. Zudem ergeben sich in unseren Diskussionen gute Ideen, beispielsweise das Gleichstromnetz der S-Bahn für die Schnellladeinfrastruktur zu nutzen. Auch das Laden an Laternen kann eine kostengünstige Option sein. Ich denke, es wird da insgesamt einen Mix geben. 

Sind die USA bei der E-Mobilität das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

So weit würde ich nicht gehen, aber die USA bleiben bis auf Weiteres der Markt mit der größten Nachfrage. Bis heute wurden rund 100.000 Fahrzeuge verkauft. Die Unterschiede in dem Flächenstaat sind allerdings beträchtlich. Als Musterland wird oft Kalifornien gesehen.

Warum?

Die kalifornische Regierung hat sich 2013 das Ziel gesetzt, bis 2025 zwei Millionen emissionsfreie Autos auf die Straßen zu bringen – batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in- und Range-Extender-Fahrzeuge sowie Fahrzeuge mit Brennstoffzelle. Kalifornien wird also mit Blick auf das Ziel Leitmarkt bis 2020 eine Referenz sein. Zumal viele Hollywoodgrößen die Elektromobilität längst für sich entdeckt haben. Neuerdings betreibt Leonardo DiCaprio einen Rennstall für die „Formula E“, die auch in Berlin gastieren wird – mehr Rückenwind für die Elektromobilität geht nicht.

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Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe von BIZZ energy today.

Das Februar-Heft von BIZZ energy today gibt es im gut sortierten Pressehandel oder bei unserem Leserservice unter +49 (0)40 41 448 478. 

 

Henning Kagermann ist Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). Der habilitierte Physiker und Professor der TU Braunschweig war von 1998 bis 2009 Vorstandschef des Softwarekonzerns SAP.

 

Joachim Müller-Soares
Karsten Wiedemann
Keywords:
Henning Kagermann | Acatech | SAP | E-Mobilität
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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