BIZZ-Exklusiv
02.06.2015

„Das wäre extrem teuer“

fotos: EU-Kommission

Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, über die Energieunion, die Beziehungen zu Russland und Griechenland – und Irans künftige Rolle.

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_Die Bundesregierung lehnt Kapazitätsmärkte ab. Andere Staaten, insbesondere Frankreich, haben entsprechende Mechanismen eingeführt und sogleich Kritiker auf den Plan gerufen. Sind die bestehenden nationalen Kapazitätsmärkte mit EU-Recht vereinbar?
_Šefčovič | Die Entwicklung ist ja ganz neu. Daher kann ich diese Frage erst beantworten, wenn wir die Kapazitätsmärkte in der EU unter die Lupe genommen haben. Das steht im zweiten Halbjahr auf der Agenda der EU-Kommission. Wir planen, noch vor dem Sommer eine Mitteilung zum künftigen Strommarktdesign vorzulegen, und wollen sie dann ausführlich mit der Öffentlichkeit und den Betroffenen diskutieren. Im kommenden Jahr werden wir dann unsere Gesetzgebungsvorschläge vorlegen. Klar ist: Wir werden dabei niemanden zwingen, Kapazitätsmärkte einzuführen. Sie sind für die Versorgungssicherheit nicht zwingend notwendig.

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_Apropos Versorgungssicherheit: Sollte Europa seine Schiefergas-Vorkommen als heimische Energiequelle nutzen?
_Šefčovič | Fracking ist ein heikles, sehr emotionales Thema. Auch hier kann jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden, ob er diese Form der Gasförderung einsetzen will oder nicht. Wir werden in Europa sicherlich Staaten sehen, in denen Fracking zur Öl- und Gasförderung eingesetzt wird. Aber diese Staaten müssen sich an strikten Trinkwasserschutz und andere Umweltregeln der EU halten.

_Planen Sie eine eigene EU-Richtlinie zum Fracking?
_Šefčovič |  Bisher gibt es von der EU-Kommission zum Fracking nur Empfehlungen und Muster-Beispiele für vorbildliche Praxis. Ob wir eine eigene Richtlinie zum Fracking brauchen, muss man diskutieren.

_Braucht Europa bessere Infrastruktur für Liquefied Natural Gas (LNG) – und eine gemeinsame Strategie?
_Šefčovič | Beide Fragen beantwortete ich mit einem klaren Ja. Im kommenden Jahr werde ich einen Vorschlag für eine gemeinsame LNG-Strategie aller EU-Staaten vorlegen. Die Infrastruktur in Europa könnte ausgebaut werden, auch mit Hilfe von Mitteln aus dem neuen Europäischen Fonds für Strategische Investitionen. Wir brauchen in Europa mehr LNG-Terminals....

_... auch in Wilhelmshaven, wo ein LNG-Terminal schon lange diskutiert wird?
_Šefčovič | Das müssen letztlich die in Wilhelmshaven beteiligten Unternehmen und die Bundesregierung  beantworten. Ein solches Terminal muss sich rechnen. In Deutschland ist der Gasmarkt liquide und der Anteil der
erneuerbaren Energien steigt ständig, das muss ins Kalkül gezogen werden. Allerdings habe ich die Einsicht gewonnen: Wir brauchen in Europa das ein oder andere zusätzliche LNG-Terminal, auch wenn dieses sich ohne Subventionen für die Betreiber nicht rechnen sollte. Das ist wie mit einem Militärstützpunkt. Der bringt auch keine ökonomischen Gewinne, ist aber für die Sicherheit notwendig.

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Keywords:
Maros Sefcovic | EU-Kommission | Griechenland | Iran | LNG | Russland | Kapazitätsmärkte | Energieunion
Ressorts:
Governance

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