BIZZ-Exklusiv
02.06.2015

„Das wäre extrem teuer“

fotos: EU-Kommission

Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, über die Energieunion, die Beziehungen zu Russland und Griechenland – und Irans künftige Rolle.

vorherige SeiteSeite 1Seite 2Seite 3Seite 4Seite 5nächste Seite

_Ist Europas Verhältnis zu Russland zerrüttet?
_Šefčovič | Das würde ich aus diplomatischen Gründen milder formulieren. Sicher hatten wir im vergangenen Winter einige spannungsgeladene Momente im Verhältnis zu Russland zu meistern, insbesondere am 17. Februar. An diesem Tag traf ich mich mit den Energieministern von Russland und der Ukraine, um über die Notversorgung der von den militärischen Kampfhandlungen betroffenen Region Donezk zu verhandeln.

Anzeige

Anzeige

_Waren Sie erfolgreich?
_Šefčovič | Zumindest haben wir einen Winter ohne Gasdrama erlebt. Und die Versorgung der Region Donezk hat funktioniert, obwohl bis heute nicht ganz klar ist, wer dort wie viel Gas hingeliefert hat, etwa durch die Technik des Reverse Flow.

_Wie geht es im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine jetzt weiter?
_Šefčovič | Das noch von meinem Kollegen Günther Oettinger als EU-Energiekommissar ausgehandelte Winterpaket, das der Ukraine russische Gaslieferungen gegen Vorkasse garantiert, sollte eigentlich Ende März auslaufen. Wir haben uns geeinigt, dass das Winterpaket fortgeschrieben wird – und zwar solange, bis das internationale Schiedsgericht in Stockholm endgültig über den Streit des russischen Staatskonzerns Gazprom mit dem ukrainischen Staatskonzern Naftogaz entscheidet. Dabei geht es um die von beiden Seiten unterschriebenen Gasverträge und über Schulden in Höhe von 3,1 Milliarden US-Dollar.

_Ist dieser Gasstreit friedlich zu lösen?
_Šefčovič | Auf jeden Fall. Und zumindest hat die russische Seite Anfang April positive Signale gesendet. Sie stellt nun Preisnachlässe für Naftogaz in Aussicht und eine flexiblere Handhabung der starren „Take or Pay“-Klauseln in den Lieferverträgen.

_Russlands Präsident Wladimir Putin hat sein eigenes South Stream Pipelineprojekt abgeblasen. Hat Sie das überrascht?
_Šefčovič | Wir hatten Präsident Putin unsere Bedingungen für South Stream mitgeteilt. Für uns war klar, dass sich russische, wie alle Unternehmen, an die EU-Wettbewerbsregeln halten und insbesondere diskriminierungsfreien Zugang zu den Gasleitungen gewähren müssen. Dazu haben wir angeboten, EU-Experten als Berater nach Moskau zu entsenden. Daraufhin haben wir erst mal eine Zeit lang nichts gehört; dann gab es die Pressekonferenz, auf der Präsident Putin das Aus für South Stream verkündete – und mit Turkish Stream plötzlich eine alternative Route über die Türkei auf die Tagesordnung hob. Wie auch immer: Auch Turkish Stream muss sich an die EU-Regeln halten. Das zeigt im Übrigen auch das kartellrechtliche Prüfverfahren gegen Gazprom: Alle Unternehmen müssen die Regeln einhalten, egal ob es sich um Unternehmen aus der EU handelt oder aus Russland – oder den USA, wie man im Fall von Google sieht.

vorherige SeiteSeite 1Seite 2Seite 3Seite 4Seite 5nächste Seite
Keywords:
Maros Sefcovic | EU-Kommission | Griechenland | Iran | LNG | Russland | Kapazitätsmärkte | Energieunion
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen