BIZZ-Exklusiv
02.06.2015

„Das wäre extrem teuer“

fotos: EU-Kommission

Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, über die Energieunion, die Beziehungen zu Russland und Griechenland – und Irans künftige Rolle.

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_Im April reiste Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras nach Moskau, um über eine griechische Alternative zur South Stream Pipeline zu verhandeln. Sind Sie darüber sauer?

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_Šefčovič | Tsipras hatte uns über seinen Vorstoß zuvor nicht informiert. Unsere vorläufige Einschätzung dieser neuen Projektidee ist: Die Realisierung wäre extrem teuer. Für uns zählt, dass bestehende Gasverträge mit Unternehmen aus der EU durch dieses mögliche russisch-griechische Projekt nicht beeinträchtigt werden.

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_Wie kann die Europäische Union ihre Gasquellen diversifizieren, um die Abhängigkeit von Russland zu mindern?
_Šefčovič | Wir sehen zwei parallele Entwicklungen. Russland diversifiziert seine Exportrouten und liefert künftig zum Beispiel mehr Gas an China. Und wir in Europa sind dabei, andere Importquellen für Gas zu erschließen, etwa in der Golfregion.

_Welche Rolle wird dabei künftig der Iran spielen?
_Šefčovič | Das kommt darauf an, ob die Atomverhandlungen des Westens mit dem Iran letztlich von Erfolg gekrönt sein werden. Aktuell dürfen wir optimistisch sein, dass der Iran einlenkt und der Westen im Gegenzug die Wirtschaftssanktionen lockert. Grundsätzlich würde ich es begrüßen, wenn Europa künftig in nennenswertem Umfang Gas aus dem Iran einführen könnte.

_Wird der Iran gar zum Game Changer der internationalen Gasmärkte?
_Šefčovič | Das wird man sehen. Als Game Changer für Europa würde ich aber eher den Südlichen Korridor bezeichnen: Partner für die künftige Gasversorgung der EU sind dabei unter anderem Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Turkmenistan, Irak, Ägypten und die Türkei. Wir benötigen für diesen südlichen Gaskorridor starke politische Unterstützung. Das Schicksal des am Ende nicht realisierten Nabucco-Projekts wollen wir unbedingt verhindern. Wir sind aus Schaden klüger geworden.

Maroš Šefcovic war von 2010 bis 2014 EU-Kommissar für institutionelle Beziehungen. Jetzt soll er als Vizepräsident in der Juncker-Kommission die Energieunion aller EU-Staaten verwirklichen. Nach dem EU-Eintritt der Slowakei 2003 vertrat der promovierte Jurist zunächst sein Heimatland als Diplomat in Brüssel.

Joachim Müller-Soares
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Keywords:
Maros Sefcovic | EU-Kommission | Griechenland | Iran | LNG | Russland | Kapazitätsmärkte | Energieunion
Ressorts:
Governance

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