BIZZ-Exklusiv
17.04.2013

„Der niedrige CO2-Preis behindert die Erneuerbaren“

Alstom; Titelbild: depositphotos, Didier Wuthrich
Jérôme Pécresse ist seit 2010 Präsident von Alstom Renewables.

Jérôme Pécresse, Präsident der Erneuerbarensparte beim Industriekonzern Alstom, über die französische Energiewende und die Reform des Emissionshandels.

BIZZ energy today: Herr Pécresse, gibt es in Frankreich auch eine Energiewende?

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Jérôme Pécresse: Die Franzosen verstehen unter „transition énergétique“ einen graduellen Wandel. Das ist ein anderer Ansatz als in Deutschland, wo die Energiewende ja wirklich eine Wende bedeutet. Die französische Regierung hat beispielsweise beschlossen, den Anteil der Kernenergie bis 2025 von 75 auf 50 Prozent zu reduzieren. In den französischen Parteien existiert aber, abgesehen von den Grünen, nach wie vor ein Atomkonsens. Der lautet, dass Frankreich auf die Nutzung der Kernenergie nicht verzichten will. 

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Wie reagieren die Franzosen auf den deutschen Atomausstieg?

Für die französische Öffentlichkeit war es eine große Überraschung, als Deutschland den Ausstieg verkündete.

Welche Rolle spielen erneuerbare Energien in Frankreich?

Die Regierung will den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2020 auf 23 Prozent steigern. Aktuell liegen wir bei 10 Prozent. Wir müssen die Windkraft auf hoher See und an Land ausbauen. Auch bei der Wasserkraft gibt es noch Potenzial. Es wird aber eine ehrgeizige Aufgabe, denn im Moment liegen wir bei der Windkraft an Land hinter den Zielen zurück. 

Wie sieht es bei der Akzeptanz in der Bevölkerung aus?

Dazu werden wir in den kommenden drei Monaten eine nationale Debatte führen. Überall im Land soll es Diskussionen geben, etwa darüber, ob wir mehr erneuerbare Energien oder aber vor allem eine günstige Energieversorgung wollen. Umweltgruppen, Hersteller, Energieversorger, alle können sich an der Debatte beteiligen.

Welche Rolle spielt der deutsch-französische Motor für die Energiepolitik?

Frankreich und Deutschland werden auch in Zukunft nicht denselben Energiemix haben. Aber es gibt wichtige Themen, wie etwa eine Reform des Emissionshandels oder das Thema Kapazitätsmärkte, die beide Länder auf europäischer Ebene vorantreiben können. Der momentan niedrige CO2-Preis behindert die Entwicklung von erneuerbaren Energien. Hier müssen beide Länder Lösungen forcieren. Die regelmäßigen Treffen der französischen Umweltministerin Delphine Batho mit ihrem deutschen Kollegen Peter Altmaier sind dafür sehr hilfreich.

 

Jérôme Pécresse ist seit 2010 Präsident von Alstom Renewables. Die Erneuerbarensparte des französischen Industriekonzerns beschäftigt 10.000 Mitarbeiter und setzte 2011 zwei Milliarden Euro um. Zuvor war Pécresse beim Bergbaukonzern Imerys. 

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Jérôme Pécresse. 

 
 
Karsten Wiedemann
Joachim Müller-Soares
Keywords:
Jérôme Pécresse | Alstom | Atomausstieg | Frankreich | Emissionshandel
Ressorts:
Community

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