BIZZ-Exklusiv
02.12.2013

„Die Energiewende ist eine große Herausforderung“

Fotos: RWE
Norbert Verweyen, RWE Effizienz

Die großen Stromversorger müssen umdenken. Im Interview mit BIZZ energy today erklärt Norbert Verweyen, Geschäftsführer der RWE-Effizienzsparte, wie sich mit Energiesparen Geld verdienen lässt und ob sich das Geschäft mit der Elektromobilität lohnt.

BIZZ energy today: Herr Verweyen, die RWE-Effizienz hilft Kunden beim Stromsparen. Gefährden Sie damit nicht das Geschäft des Mutterunternehmens?

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Norbert Verweyen: Nein, überhaupt nicht. Natürlich ist das Kerngeschäft des RWE-Konzerns die Energieproduktion, aber Energieeffizienz spielt in diesem Zusammenhang ja eine bedeutende Rolle. Denken Sie nur an die dringend notwendige Einbindung von grünem Strom ins Versorgungsnetz. Dafür braucht es infrastrukturelle Voraussetzungen, die unter anderem durch die Produkte von RWE Effizienz geschaffen werden. Beispielsweise innovative Ladesysteme für Elektroautos oder smarte Haussteuerungen. Dass Kunden von RWE Effizienz in diesem Zuge ihren Energieverbrauch senken, ist richtig. Und unseren Kollegen im Unternehmen ist es natürlich auch deutlich lieber, als wenn der Kunde zu einem Konkurrenten wechselt.

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Es geht also um Kundenbindung?

Das ist ein wichtiger Aspekt. Das Geschäftsmodell von RWE Effizienz ist jedoch ein anderes. Wir investieren in Anlagen oder in Technik, damit unsere Kunden ihre Betriebskosten senken können. Damit verdienen wir Geld und unterstützen im Idealfall unser klassisches Energiegeschäft. Wir bieten unseren Kunden also ein deutliches Plus. Das ist aber noch nicht alles: Mit unserem Know-how tragen wir dazu bei, dass sich RWE stärker in der Rolle des „Energiemanagers“ etabliert.

Gibt es einen überhaupt Markt für Effizienz-Produkte?

Selbstverständlich. Unser Absatz steigt. Die Energiewende ist eine große Herausforderung, birgt jedoch auch große Chancen für neue Produkte und Geschäftsmodelle. Private Haushalte spielen bei allen Überlegungen eine wichtige Rolle, damit in Zukunft deutlich weniger als die aktuellen 40 Prozent des Energieverbrauchs auf Gebäude entfallen. Ich bin überzeugt, dass in zehn Jahren das vernetzte Haus im gehobenen Wohnungsbau Standard ist. Hier setzen wir an.

Inwiefern?

Wir bieten bei SmartHome inzwischen rund 20 miteinander vernetzbare Komponenten für mehr Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit zuhause an. Dazu zählen Thermostate, Bewegungsmelder, Stecker oder Rauchmelder. Damit können Sie Ihre Heizung, Licht oder Rollläden leicht und komfortabel bedienen und optimal steuern – zuhause oder von unterwegs. Das macht ganz einfach Spaß! Und Energie sparen Sie dabei auch – bis zu 40 Prozent Einsparung sind laut Fraunhofer Institut gut möglich. 

Sind Sie mit der bisherigen Geschäftsentwicklung bei der Hausautomatisierung zufrieden?

Es ist viel Bewegung im Markt – was unsere bisherigen Geschäftsaktivitäten bestätigt. Wir sind ja bereits sehr früh in diese Technik eingestiegen. Natürlich ist hier weiteres Potenzial vorhanden. Künftig sprechen wir neben Hauseigentümern noch stärker die Mieter an, um ihnen die Vorteile von SmartHome zu verdeutlichen. Denn schließlich kann man unser System beim Auszug einfach mitnehmen. 

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wir binden immer mehr Produkte anderer Hersteller ein: Solarspeicher, Waschmaschinen, Heizkessel. Miele, Buderus und Stiebel Eltron sind bereits an Bord. Sie sehen: Wir haben hier noch einiges vor! 

Sie bieten auch dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) an. Können diese irgendwann große Kraftwerke ersetzen?

Die Kraft-Wärme-Kopplung wird gerne als Lösung aller Probleme gesehen. Es gibt Prognosen, wonach in naher Zukunft hunderttausende dezentrale KWK-Anlagen ans Netz gehen könnten. Bei RWE Effizienz sind wir da realistischer. Mikro-KWK im Einfamilienhaus kann eine Möglichkeit sein, aber in erster Linie für den Eigenverbrauch und nicht als Bestandteil eines virtuellen Kraftwerks. Wichtig für uns sind die praktischen Erfahrungen, die wir mit den dezentralen Anlagen sammeln. Damit bauen wir unser Know-how aus, um konkrete Produkte für das Energiemanagement zuhause zu entwickeln. Die Grundlagen hierfür sind mehr Vernetzung und intelligente Regeltechnik. 

Wie sieht es bei den Batteriespeichern für Solaranlagen aus. Wächst die Nachfrage mit der sinkenden Einspeisevergütung?

Wir können hier nicht mit einer linearen Marktentwicklung rechnen. Wir sind in einem neuen Markt unterwegs – mit den typischen Sprüngen. Das kann plötzlich sehr schnell gehen. Auch die von Ihnen angesprochene sinkende Einspeisevergütung oder ein steigender Strompreis werden die Nachfrage befeuern.

Batterien sind teuer. Rechnet sich ein Solarspeicher heute schon?

Das kommt darauf an, welche persönliche Zielsetzung Sie verfolgen. Bei vielen Kunden steht die Unabhängigkeit im Vordergrund. Und ein Solarspeicher macht sie in hohem Maße autark. Das liegt im Trend. Grundsätzlich gilt: Sie können einen Solarspeicher schon heute so konzipieren, dass er sich rechnet. Für unsere Kunden lohnt sich die Investition in jedem Fall. Es ist kein Minusgeschäft. 

RWE betreibt die meisten Ladesäulen in Deutschland. Lohnt sich diese Investition angesichts der geringen Zahl von Elektroautos auf deutschen Straßen?

Die zentrale Frage ist doch eine andere: Wie können wir die Anzahl von Elektroautos erhöhen? Damit sich die Elektromobilität durchsetzt, braucht es eine komfortable Ladeinfrastruktur zuhause, im Betrieb und im öffentlichen Bereich. Wir sollten ja bei der ganzen Diskussion nicht vergessen: Der Großteil der Ladevorgänge wird zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden, die öffentliche Ladeinfrastruktur wird nur einen Bedarf von 10 Prozent abdecken. Als Innovationstreiber fühlen wir uns hier verpflichtet. Deshalb betreiben wir heute gemeinsam mit unseren über 50 Stadtwerke-Partnern in Europa 2.700 intelligente Ladepunkte. Wir haben hier massiv in unsere Zukunft investiert. Das kommt auch der Umwelt zugute, denn bei uns laden Sie in der Regel 100 Prozent Ökostrom. 

Aber zurück zu Ihrer Frage: Zwar holt man über den reinen Stromverkauf an diesen öffentlichen Ladesäulen die Investitionen zunächst nicht rein – für die Akzeptanz dieser neuen Technik ist die öffentliche Infrastruktur entscheidend. Ein breites Engagement von Unternehmen und Politik ist hier sehr wichtig. 

Aber wie wollen Sie mit der Elektromobilität Geld verdienen?

Wir bieten ganze Ladesysteme an. Neben der Ladetechnik sind auch die Abrechnungs- und Steuerungssysteme für das Stromtanken ein kommender Markt. Hier sind wir stark. Die Systeme müssen vor allem möglichst kundenfreundlich sein. Egal bei welchem Energieversorger Sie Kunde sind – ihr Auto müssen Sie überall laden können. Gemeinsam mit Partnern wie EnBW, Daimler, Bosch, Siemens und BMW arbeiten wir derzeit in dem Gemeinschaftsunternehmen Hubject daran, entsprechende Lösungen und Dienstleitungen für die Abrechnung zu etablieren. Wir haben unsere Ladepunkte für die Kunden der Partner bereits zugänglich gemacht.

Wann rechnen Sie mit schwarzen Zahlen im Elektromobilitätsgeschäft?

Wie jedes andere Unternehmen wollen wir mit unseren Produkten Gewinne erwirtschaften. Mit konkreten Prognosen halten wir uns aber zurück, weil alles davon abhängt, wann sich E-Fahrzeuge wirklich in Serie durchsetzen. Wir sind optimistisch, denn die Elektromobilität ist heute absolut alltagstauglich. Durch die neuen Modelle der Hersteller sowie steigende Umweltauflagen werden sich neben Flottenkunden und Car-Sharing-Anbietern bald auch Privatleute stärker für Elektromobilität interessieren.

Wo sehen Sie die größten Hürden bei der Elektromobilität?

Darin, dass die Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge derzeit noch niedrig sind.  Aber sie steigen schnell. Und das ist das richtige Signal!

Es gibt Klagen, Kommunalverwaltungen blockierten mancherorts Elektromobilitäts-Projekte…

Deutschland betreibt bei der Elektromobilität eine gezielte Technologieförderung. Dieser gute Ansatz funktioniert auch auf kommunaler Ebene. Wir arbeiten beispielsweise hervorragend mit Städten wie Essen, Dortmund oder Berlin zusammen. Insgesamt betreiben wir zurzeit in 380 deutschen Kommunen Ladeinfrastruktur. Von einer Blockadehaltung kann keine Rede sein.

Wären Kaufprämien aus Ihrer Sicht sinnvoll, um den Absatz von E-Autos zu erhöhen?

Natürlich freuen wir uns, wenn die Anschaffung von E-Fahrzeugen für den Endkunden so attraktiv wie möglich ist. Ob eine Kaufprämie dazu ein geeignetes Mittel ist, möchte ich nicht beurteilen. Andere Länder wie die Niederlande oder Norwegen entlasten die Nutzer beispielsweise finanziell durch Steuervorteile oder investieren direkt in die Ladeinfrastruktur. Das könnte der Grund für die relativ hohen Zulassungszahlen für E-Autos bei den Nachbarn sein. Was wir an unseren eigenen Säulen sehen: Die Anzahl der Ladevorgänge steigt stetig. Gerade in Berlin und im Ruhrgebiet bringen neue Ansätze wie Car-Sharing wichtige Impulse für die Elektromobilität. 

Welche Rolle sehen Sie langfristig für einen Energieversorger in der E-Mobilität? Wäre der Einstieg ins Geschäft mit Elektroautos eine Option?

Die aktuelle Strategie des RWE Konzerns setzt auf den bekannten Kompetenzen der unterschiedlichen Gesellschaften auf. Die Produktion und Vermarktung von Autos gehört sicher nicht dazu. Für RWE Effizienz gilt: Wir wollen unseren Kunden auch zukünftig unser Wissen, unsere Produkte und unsere Dienstleistungen zur Verfügung stellen, um ihnen eine komfortable und emissionsfreie Mobilität zu ermöglichen.

Karsten Wiedemann
Keywords:
RWE | RWE Effizienz | Energieeffizienz | E-Mobilität | Smart Meter | Norbert Verweyen | Ladesäulen
Ressorts:
Markets

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