BIZZ-Exklusiv
03.12.2014

„Dii könnte künftig sogar mehr Geld haben“

Dii

Ist Desertec am Ende? Noch-Dii-Chef Paul van Son im Interview mit BIZZ energy today über das Wüstenstromprojekt, nachdem 14 von 17 Gesellschaftern ausgestiegen sind.

 

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_BIZZ energy today | Von 17 Gesellschaftern im Konsortium scheiden 14 aus. Ist Desertec damit am Ende?

_Paul Van Son | Nein, im Gegenteil: In Nordafrika und dem Nahen Osten haben erneuerbare Energien in den letzten Jahren begonnen, sich zu etablieren. Heute sind wir in der Region schon bei drei Gigawatt. Bis in sechs Jahren werden wir 35 Gigawatt sehen. Dii wird dazu tatkräftig mit beitragen können, weil die drei Gesellschafter an einem Strang ziehen. RWE, der saudi-arabische Projektierer Acwa Power und China State Grid ergänzen sich perfekt.

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_Das konnte man von den bisherigen Gesellschaftern nicht behaupten ... 

_Van Son | Kein Wunder bei bis zu 19 Gesellschaftern mit sehr unterschiedlichen Motiven, die dazu in einigen Märkten direkt konkurrieren. Übrigens hat es ein Geschäftsführer viel einfacher, wenn er nur drei Gesellschaftern Rechenschaft schuldet. 19 Gesellschafter-Unternehmen mit je zwei bis drei Personen, die ständig informiert und überzeugt werden wollen, kosten sehr viel Zeit – zu Lasten der operativen Arbeit. 

_Wird Dii mit weniger Geld auskommen?

_Van Son | Im nächsten Jahr wird die neue Dii mit sechs Personen starten, allesamt hochqualifizierte und erfahrene Spezialisten. Je nach Auftragslage werden wir dann weitere Experten einstellen. Der große Unterschied ist: Dii darf den Unternehmen die Beratungsleistung künftig in Rechnung stellen, was bisher laut Satzung nicht erlaubt gewesen ist. Insofern könnte Dii künftig sogar mehr Geld zur Verfügung haben.

_Welches Interesse verfolgen die Chinesen mit ihrem Netzbetreiber?

_Paul Van Son | China schwebt langfristig ein interkontinentaler Elektrizitätsmarkt vor, unter anderen durch Vernetzung der Kontinente Asien, Afrika und Europa. Dazu eignet sich die Hochspannungs-Übertragungstechnik (HGÜ) ideal, auf die China State Grid und auch die Regierung in Peking mit Nachdruck setzen; die mit 1600 Kilometern weltweit längste HGÜ-Leitung steht in China, wofür Siemens und ABB die Komponenten geliefert haben. An einigen Stellen könnte die Vernetzung der Kontinente auch auf anderen Medien wie Wasserstoff basieren.

_Welche Rolle spielt Acwa Power aus Saudi-Arabien bei Dii?

_Van Son | Die Firma ist heute bereits der größte Projektentwickler der Region und wird diese Position ausbauen. Dabei hilft sicher auch die geografische Nähe: Dii wird diesen Vorteil nutzen und seine  Basis von München nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate verlegen.

_Werden Acwa Power und RWE Konsortien bilden?

_Van Son | Bei einzelnen Projekten kann das sicherlich der Fall sein. Zuweilen werden beide Unternehmen aber auch miteinander konkurrieren. Am Networking von Dii haben beide Interesse, ebenso an der Expertise, den Studien und Marktdaten von Dii. RWE sieht in der Mena-Region eine Wachstumsregion mit hohem Potential in Feldern wie erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Smart Home und intelligente Steuerung.

_Sie selbst wechseln am Jahresende zu RWE. Wer wird Ihr Nachfolger als Dii-Geschäftsführer?

_Van Son | Das steht noch nicht fest. Zumindest in der ersten Zeit werden die drei Unternehmen rollierend einen Geschäftsführer aus den eigenen Reihen benennen. Langfristig setze ich mich dafür ein, dass der künftige Dii-Chef aus der Mena-Region kommt, also aus Nordafrika oder dem Nahen Osten.

 
 

Paul van Son leitet die Desertec Industrial Intiative (Dii) seit deren Gründung 2009. Zum Jahresende werden 14 Dii-Gesellschafter ausscheiden, darunter ABB, Deutsche Bank, Munich Re und Unicredit. Der Holländer van Son wechselt dann zu RWE, wird Dii im Wechsel mit Managern von Akwa Power und China State Grid aber weiterführen.

 

Dieser Beitrag erschien in der November-Ausgabe von BIZZ energy today. Alle Ausgaben von BIZZ energy today gibt es u.a. bei unserem Leserservice unter Tel. 040 / 41 448 478.

 

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Desertec | Paul van Son | RWE | Wüstenstrom | China State Grid
Ressorts:
Technology | Markets | Community

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