BIZZ-Exklusiv
30.12.2012

„Elektromobilität wird sich nicht über Nacht durchsetzen“

Foto: Daimler

Im Interview mit BIZZ energy today spricht Christian Mohrdieck, Leiter Brennstoffzellen bei Daimler, über das Elektroauto als Stromspeicher, Wasserstoff und das Ziel von einer Million E-Fahrzeugen im Jahr 2020.

BIZZ energy today:  Herr Mohrdieck, taugt das E-Auto als Stromspeicher?

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Christian Mohrdieck: Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zwischen Elektroautos mit Batterie oder Brennstoffzelle unterscheiden. Bei der ersten Variante kann die Batterie prinzipiell Energie zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Stromnetz zurückspeisen. Voraussetzung hierfür ist, dass Auto und Stromnetz intelligent und bidirektional miteinander kommunizieren. Die speicherbaren Mengen sind allerdings selbst bei großen Fahrzeugstückzahlen sehr gering. Eine ganz andere Möglichkeit bietet Wasserstoff.  

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BIZZ e.t. : Inwiefern?

Mohrdieck : Über Elektrolyse kann der überschüssige Strom auch in großen Mengen in Form von Wasserstoff gespeichert, bei Bedarf über Brennstoffzellen rückverstromt oder zur Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen verwendet werden. Das Auto kann den Wasserstoff entweder direkt zum Fahren nutzen oder die in der Brennstoffzelle erzeugte elektrische Energie für andere Verbraucher zur Verfügung stellen. Berücksichtigen wir jedoch alle technischen und wirtschaftlichen Faktoren, bin ich eher skeptisch, ob Elektroautos zur Stromspeicherung in großem Ausmaß taugen. In der Summe sehen wir die Lösung aus heutiger Sicht eher in der externen, industriellen Speicherung regenerativer Energie im Wasserstoff.

BIZZ e.t.: Welche Hürden gibt es noch?

Mohrdieck: Eine wesentliche Herausforderung batterieelektrischer Autos ist sicher die Balance zwischen Kapazität, Größe und Gewicht. Theoretisch können wir Batterien mit beliebiger Kapazität bauen – der Bauraum in Autos ist jedoch limitiert. Auch bei der Energiedichte von Batterien gibt es physikalische Grenzen. Dazu kommen Hürden des bidirektionalen Ladens, bei dem Energie wahlweise in die Batterie oder ins Netz fließt. Als Automobilhersteller konzentrieren wir uns vorrangig auf die Optimierung von Batterien für den Betrieb von E-Autos

BIZZ e.t.: Noch fahren wenige Stromer.

Mohrdieck: Elektromobilität kann sich nicht über Nacht durchsetzen. Der Weg dahin ist kein Sprint, sondern gleicht vielmehr einem Marathon. Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für E-Mobilität machen – Ziel sind eine Million Elektroautos bis 2020. Ob dies gelingt, hängt letztlich von einer Vielzahl Faktoren ab, wie beispielsweise einer flächendeckenden Infrastruktur oder Kundenanreizen.

 

Christian Mohrdieck ist Leiter Antriebsentwicklung-Brennstoffzellensysteme bei Daimler. 
 
Redaktion
Keywords:
Elektromobilität | Daimler | Christian Mohrdieck | Wasserstoff | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Markets

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