Solarworld
08.08.2013

„Es fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell bei Solarworld“

Foto: Solarworld

Gläubiger und Aktionäre haben dem Schuldenschnitt bei Solarworld zugestimmt. Gerettet ist das Unternehmen laut Stefan Freudenreich, Analyst bei der Equinet Bank, noch nicht. Es fehlt an einer Strategie für die Zukunft.

BIZZ energy today: Herr Freudenreich, Gläubiger und Aktionäre haben dem Schuldenschnitt bei Solarworld zugestimmt. Wie bewerten Sie den Rettungsplan?

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Sebastian Freudenreich: Die Zustimmung ist nicht überraschend. Die Alternative wäre die Insolvenz von Solarworld gewesen. Dann wären die Gläubiger am Ende mit leeren Händen rausgegangen. Die mögliche Insolvenzkasse gibt nicht viel her. Insofern ist es besser für die Gläubiger, wenn es weitergeht.

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Ist das Unternehmen nun gerettet?

Die Zinsbelastung sinkt erst einmal. Aber es bleiben Belastungen. Am Ende des Tages stellt sich die Frage, was nach dem Schuldenschnitt kommt. Ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft konnte Solarworld bisher noch nicht präsentieren.

Was muss sich ändern?

Mit der Produktion von Wafern und Zellen in Deutschland können sie kein Geld verdienen. Der Margendruck ist sehr hoch. In Asien können sie einfach deutlich günstiger produzieren. Solarworld ist zudem schon seit längerem nicht mehr Technologieführer. Wenn das Unternehmen weiter in allen Bereichen der Produktionskette aktiv sein will, müssten sie sehr viel investieren. Aber dafür fehlt schlicht das Geld. 

Der neue Investor aus dem Emirat Katar bringt doch Kapital mit.

Die verfügen scheinbar über unbegrenzte Ressourcen. Trotzdem sind es Geschäftsleute, die Geld verdienen wollen. Die werden darauf dringen, dass Solarworld ein tragfähiges Geschäftsmodell präsentiert. Der Druck in der Branche ist immens. In den kommenden Jahren steht ein neuer Investitionszyklus an. Die chinesischen Hersteller werden viel Geld in die Effizienz ihrer Anlagen stecken und ihren Vorsprung weiter ausbauen.

Was sollte Solarworld tun?

Die einzige Chance besteht darin, sich auf Bereiche zu spezialisieren, die weniger kapitalintensiv sind. Die Zellen etwa lassen sich günstig und zu guter Qualität in Asien einkaufen, daraus können sie dann in Deutschland Module fertigen. Solarworld sollte Lösungen für Endkunden anbieten, etwa für die Eigenstromversorgung. Da entsteht angesichts steigender Strompreise ein attraktiver Markt, der auch ohne öffentliche Förderung auskommt. Ich sehe hier gute Chancen, weil Solarworld über viele Beziehungen zu lokalen Dienstleistern und Handwerkern verfügt. 

Solarword hat federführend bei der EU gegen billige Solarimporte aus China geklagt. Kann das Unternehmen nun von den vereinbarten Mindestpreisen profitieren? 

Das Ganze war ein ziemlicher Schuss in den Ofen und hat beim Unternehmen viele Kapazitäten gebunden. In den USA hat sich Solarworld ja schon einmal mit einer Anti-Dumping-Klage durchgesetzt. Die Preise sind dort trotzdem nicht gestiegen. Das Verfahren hat Solarworld dort aber viele Sympathien und auch Marktanteile gekostet. Gebracht hat es gar nichts.

 

Stefan Freudenreich ist Analyst bei der Equinet Bank in Frankfurt

Karsten Wiedemann
Keywords:
Solarworld | BIZZ-Exklusiv | Sebastian Freudenreich | Frank Asbeck | Solarenergie | Solarmarkt | Equinet | Analyse
Ressorts:
Markets

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